Kultur 27.02.2004, 18:28 Uhr

Lebende Kunst an Steinbecks Cannery Row

Quallen aus allen Weltmeeren gehören zu den interessantesten und anspruchsvollsten Bewohnern des Monterey-Bay-Aquariums in Kalifornien. Als „Lebende Kunst“ werden sie mit Arbeiten von Künstlern kombiniert.

Majestätisch gleiten sie durch das Wasser und schimmern im Licht der Scheinwerfer in den Farben des Regenbogens: Quallen aller Arten gehören schon lange zu den exotischsten Meereslebewesen, die im weltberühmten Aquarium in der kalifornischen Kleinstadt Monterey zu bewundern sind. „Das hat uns vor drei Jahren bewogen“, erläutert Pressesprecherin Karen Jeffries, „ein neues, einmaliges Ausstellungskonzept für diese Wesen zu finden.“
Kombiniert werden die pittoresken Quallen in ihren Seewasseraquarien mit Werken einer ganzen Reihe zeitgenössischer amerikanischer Künstler, mit Videoinstallationen und Textzitaten zu „Jellies Living Art“, den Quallen als lebendigen Kunstwerken. Seit April 2002 zieht diese Sonderausstellung, die noch bis Januar 2005 zu sehen sein wird, die jährlich rund 2,7 Mio. Besucher im Monterey-Bay-Aquarium in ihren Bann.
Was sich so spielerisch gibt, ist zumindest, was die Pflege der empfindlichen Quallen angeht, ein Meisterstück der Meeresbiologie. „Das größte Problem bei der Präsentation von Quallen in Aquarien“, weiß Jeffries zu berichten, „lag bis in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts darin, diese Wesen in Gefangenschaft zu züchten.“ Es waren Mitarbeiter in Monterey, denen es gelang, die verschiedenen Stadien im Leben einer Qualle zu erforschen und einige Arten erstmals zu kultivieren.
Doch nicht nur Quallen bevölkern das Monterey-Bay-Aquarium, berühmt ist auch die Präsentation der höchst gefährdeten Seeotter. Daneben widmet sich das gänzlich aus Eintrittserlösen, Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzierte Institut vor allem dem Leben in der Bucht von Monterey. „Einzig die großen Seelöwen und Seehunde haben wir uns nicht ins Haus geholt“, sagt Jeffries, denn die könne der interessierte Besucher nur wenige hundert Meter weiter in freier Wildbahn beobachten. „Und sogar Buckelwale kommen zu bestimmten Jahreszeiten bis in Sichtweite unseres Aquariums heran.“
Dagegen ist die Welt der Algen dem Betrachter normalerweise verborgen. Im „Kelp-Forrest“, dem Algenwald, einem gut 10 m tiefen Seewasseraquarium, kann man diese Pflanzen und die sie bewohnende Tierwelt beobachten. Hinter 18 cm dicken Acrylscheiben werden rund 9000 l Meerwasser pro Minute umgepumpt, so dass die Algen in sanfter Bewegung gehalten werden. Jeffris: „Das ist für die Pflanzen lebenswichtig, wie auch das Sonnenlicht, das von oben ins Becken fällt. Die Algen wachsen so bis zu 20 cm pro Tag.“
Über 5000 m3 Wasser enthält das größte Becken im Monterey-Bay-Aaquarium, hier ist die Scheibe bis zu 33 cm dick und lenkt den Blick auf eine Schule Thunfische sowie einige Haie. Das Wasser in diesem wie in den anderen Becken kommt direkt aus der Bucht und wird im Kellergeschoss des weitläufigen Gebäudekomplexes an der berühmten Cannery Row aufbereitet.
Dort unten ist das Reich von Mike Brigham. Der System-Kontrollingenieur überwacht die gesamte Meerwasseraufbereitung und die Einhaltung der für jede Spezies überlebenswichtigen Parameter. „Wir messen regelmäßig Temperatur, Sauerstoff- und Ozonkonzentration im Wasser.“ Gesteuert werden Wasserfluss und Heizung bzw. Kühlung über programmierbare Regler. Per Wireless LAN und Ethernet sind die 28 im Gebäude verteilten Reglerschränke miteinander vernetzt.
Brigham hat für die dezentralen Kontrollrechner seiner Installationen eine grafische Oberfläche programmiert, die genau anzeigt, welcher Regler welche Funktion übernimmt, an welcher Stelle im Gebäude sich ein Aquarium befindet und wie der jeweilige Stand aller wichtigen Parameter ist.
Neben einer verwirrenden Fülle an Rohrleitungen dominieren sechs große Tanks die Installation im Untergeschoss. Brigham: „Dies sind die Sandfilter, die während der Öffnungszeiten des Aquariums für klare Sicht in den Becken sorgen.“ In den Nachtstunden jedoch hat das Wasser des Pazifiks ungehinderten Zugang zu den großen Becken, und bringt, wie Pressesprecherin Jeffries weiß, auch eine Fülle von Kleinlebewesen mit, die die Meeresfauna im künstlichen Umfeld bereichern.
In einer der geologisch aktivsten Zonen der Welt gelegen, ist das Aquarium entsprechend abgesichert: „Während eines Bebens ist man hier am sichersten“, verrät Brigham augenzwinkernd, das Gebäude sei bis 8,1 auf der Richter-Skala ausgelegt. „Vom 89er Beben in San Francisco haben wir hier nichts mitbekommen. Nur das Wasser im Algenwald hat sich etwas stärker bewegt als normal.“
Schon beim Bau 1984 wurde das Aquarium architektonisch einer alten Konservenfabrik nachgebildet. „Wie überall an der Cannery Row“, erläutert Jeffries, „stand hier bis in die späten 40er Jahre eine Fabrik, in der Sardinen verarbeitet wurden.“ Zum 20-jährigen Jubiläum dieses Jahr werden einige alte Kochkessel, die sich noch auf dem Gelände befinden, in die neue Eingangshalle miteinbezogen und erinnern an diese Vergangenheit. Eine Vergangenheit, der Literaturnobelpreisträger John Steinbeck mit seinem Roman „Cannery Row“ ein künstlerisches Denkmal setzte.J.D. BILLERBECK
www.montereybayaquarium.org

Von Billerbeck

Stellenangebote im Bereich Naturwissenschaften

Carl Zeiss AG-Firmenlogo
Carl Zeiss AG Entwicklungsingenieur für Mechatronik-Testing der Module an 3FM (m/w/x) Oberkochen
VBG-Firmenlogo
VBG Ingenieurin / Ingenieur / Naturwissenschaftlerin / Naturwissenschaftler (m/w/d) Mainz
VBG-Firmenlogo
VBG Ingenieurin / Ingenieur / Naturwissenschaftlerin / Naturwissenschaftler (m/w/d) Duisburg
VBG-Firmenlogo
VBG Ingenieurin / Ingenieur / Naturwissenschaftlerin / Naturwissenschaftler (m/w/d) Hamburg
VBG-Firmenlogo
VBG Ingenieurin / Ingenieur / Naturwissenschaftlerin / Naturwissenschaftler (m/w/d) München
VBG-Firmenlogo
VBG Ingenieurinnen / Ingenieure / Naturwissenschaftlerinnen / Naturwissenschaftler (m/w/d) Berlin
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurin/Ingenieur / Naturwissenschaftlerin/Naturwissenschaftler (m/w/d) als Aufsichtsperson Würzburg
Güntner GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Güntner GmbH & Co. KG CFD-Ingenieur (m/w/d) Fürstenfeldbruck
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurin/Ingenieur / Naturwissenschaftlerin/Naturwissenschaftler (m/w/d) Erfurt
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY-Firmenlogo
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY Elektrotechnikerin, Physikerin oder Informatikerin als Firmwareentwicklerin (w/m/d) VHDL-Programmierung Hamburg

Alle Naturwissenschaften Jobs

Top 5 Rekorde