Nachts im Museum 15.08.2014, 15:49 Uhr

Kunst in anderem Licht: Roboter lädt zu virtueller Führung ein

Mit Hilfe von Robotern können Kunstliebhaber in den nächsten Tagen nach der abendlichen Schließung der weltbekannten Tate Britain-Galerie in London dieses Museum auf ganz ungewöhnliche Weise erleben: Ferngesteuerte Roboter führen Besucher der Tate Britain-Website nachts durch die Galerie und ermöglichen ihnen damit ein einzigartiges Erlebnis.

Kunst in anderem Licht: Ein paar Tage lang können Internet-User nach Anbruch der Dunkelheit die weltbekannte Tate-Galerie in London besuchen. Die Führung übernimmt ein ferngesteuerter Roboter. 

Kunst in anderem Licht: Ein paar Tage lang können Internet-User nach Anbruch der Dunkelheit die weltbekannte Tate-Galerie in London besuchen. Die Führung übernimmt ein ferngesteuerter Roboter. 

Foto: Screenshot ingenieur.de/After Dark

Die vier ferngesteuerten Robo-Museumsführer, die auf den ersten Blick eher wie eine Kreuzung aus einem Kleiderbügel und einer Tischlampe anmuten, bewegen sich auf einem Fahrgestell, das sich in jede Richtung erstaunlich schnell und behend bewegen kann. Auf zwei schlanken Stangen befindet sich jeweils ein Schwenkkopf, der mit zwei Kameras und LED- Lampen versehen ist.

Die beiden schlanken Stangen des Roboters sind jeweils mit einem Schwenkkopf ausgestattet,der mit zwei Kameras und LED-Lampen versehen ist.

Die beiden schlanken Stangen des Roboters sind jeweils mit einem Schwenkkopf ausgestattet,der mit zwei Kameras und LED-Lampen versehen ist.

Foto: Screenshot ingenieur.de/After Dark

Extrem starke Batterien gewährleisten, dass die Maschinen eine fünfstündige Besichtigungstour bis drei Uhr morgens unternehmen können. Dass diese Roboter Kreaturen aus dem All ähneln, liegt auch daran, dass sie mit Hilfe von RAL Space gebaut wurden, einer Einrichtung, die zusammen mit der UK Space Agency an Technologien zur Erforschung des Weltraums arbeitet.

Galerie-Besuch nach den Öffnungszeiten

Die Internet-Besucher der Tate, die aus aller Welt kommen können, lenken die Roboter nicht selbst, sondern diese werden von den Kuratoren des Museums gesteuert. Die Web-Besucher können sich noch bis zum 17. August nachts per Live-Streaming auf die Kameras der fahrenden Museumsführer aufschalten.

Das Museum ist zur Zeit der Führung menschenleer und wird nur durch das Licht der Roboter erhellt, was Kunst in einem neuen „Licht“ erscheinen lassen soll.

Gespenstisch: Leere Gänge im Tate. Allein vier Roboter rollen hier die nächsten Nächte entlang und lassen ermöglichen Kunstliebhabern einen ungewöhnlichen Museumsbesuch.

Gespenstisch: Leere Gänge im Tate. Allein vier Roboter rollen hier die nächsten Nächte entlang und lassen ermöglichen Kunstliebhabern einen ungewöhnlichen Museumsbesuch.

Foto: ingenieur.de

Die Führungen finden in Echtzeit statt.

Astronaut Hadfield durfte einen Museums-Roboter steuern

Der kanadische Astronaut, Chris Hadfield, dessen Auftritt aus dem All in David Bowies Space Oddity mehr als 22 Millionen Mal Besucher in YouTube anlockte, schaltete sich dieser Tage aus Toronto ein, und lenkte einen dieser Roboter. “Man vergißt sehr schnell, dass man einen Roboter steuert. Es handelt sich vielmehr um eine Verlängerung der Sinne – so sollte Technik eigentlich auch sein“, erklärt Hadfield.

Bei Tageslicht betrachtet: die Technik, die sich im Unterbau des Roboters befindet.

Bei Tageslicht betrachtet: die Technik, die sich im Unterbau des Roboters befindet.

Foto: Screenshot ingenieur.de/After Dark

Zahlreiche Besucher betonten, dass es sich um ein ungewöhnliches Besuchserlebnis handelt, das sich stark von einem Besuch einer Galerie zur Tageszeit unterscheidet.

Kunstwerke aus einer anderen Perspektive betrachtet

Den Besuchern wird dabei eine Hinter-den-Kulissen-Faszination in Verbindung mit einem Gefühl des Entdeckens vermittelt. Die Roboter können überall in der Hauptgalerie gehen. Hochentwickelte Sensoren verhindern, dass sie sich ins Gehege kommen oder gar mit der unschätzbaren Kunst kollidieren. Treppen steigen können die Roboter nicht.

Neuer Wettbewerb der Tate

Das sogenannte „After Dark“-Projekt ist der Gewinner eines Wettbewerbs der Tate Britain, mit dem Ziel die Kreativität in der Digitalindustrie zu fördern.

Nachts im Museum: In den nächsten Tagen ist das Tate einen virtuellen Besuch wert. 

Nachts im Museum: In den nächsten Tagen ist das Tate einen virtuellen Besuch wert. 

Foto: Screenshot ingenieur.de/After Dark

Für dieses Konzept hat eine Jury, der unter anderem auch der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales angehört, erstmals in diesem Jahr den IK Prize vergeben. Das Gewinner-Team erhielt insgesamt rund 84.000 Euro für die Weiterentwicklung der Idee. 

Von Peter Odrich

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