Kultur 02.03.2007, 19:26 Uhr

Kultur – gut für Sinne, Image und Standort  

VDI nachrichten, Karlsruhe, 2. 3. 07, ws – Ob Musik, bildende Kunst oder Film – als Veranstalter, Kooperationspartner und Sponsor kultureller Veranstaltungen ist BASF ein Beispiel für die enge Bindung an die Region. Aber auch Mittelständler sind zum Kultursponsoring in der Lage. Das Beispiel des IT-Unternehmens Columbus AG in Ravensburg zeigt, dass es lohnt.

Vier Jahre ist es her, da machte ein Projekt in Berlin Furore: Die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle und der britische Choreograf Royston Maldoom studierten mit Kindern und Jugendlichen aus 25 Nationen und unterschiedlichsten sozialen Milieus Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ ein.

Im Frühsommer 2006 realisierte Royston Maldoom auf Einladung der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit Unterstützung von BASF ein vergleichbares Projekt unter dem Titel „Listen to our Future“ mit 100 Kindern und Jugendlichen aus Ludwigshafen und Mannheim.

Der Erfolg des Projekts blieb nicht aus. „Es war der gelungene Versuch, mit Hilfe der Kunst die Sozialisation und die Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen zu fördern“, sagt Klaus Philipp Seif, Leiter Kultur, Sport und Sozialberatung bei BASF.

Für die umfangreiche Kulturförderung der BASF ist „Listen to our Future“ exemplarisch, weil es, wie Seif ausführt, der BASF auch darum geht, Kultur, Bildung und Integration miteinander zu verknüpfen.

Ob als Veranstalter, Kooperationspartner oder als Sponsor – für seine kulturellen Aktivitäten stellt das Unternehmen pro Jahr 5 Mio. € bis 6 Mio. € bereit. Zum Vergleich: Der Kulturetat der Stadt Ludwigshafen ist rund doppelt so hoch.

Im Vordergrund steht – neben Tanztheater, Ballett, bildender Kunst und Film – die Musik. Mit über 60 Konzertveranstaltungen pro Jahr im firmeneigenen Konzerthaus bietet das BASF-Konzertprogramm eines der vielfältigsten Musikprogramme in der Region Rhein-Neckar.

Das Spektrum reicht von Symphoniekonzerten bis zur Nachwuchsförderung, für die die Konzertreihe „Stars & Friends“ beispielhaft steht: Jedes Jahr treten Künstlerpersönlichkeiten wie Mstislav Rostropovich (2004), Gidon Kremer (2005) oder Claudio Abbado (2006) zusammen mit talentierten jungen Musikern auf. Für diese Veranstaltungsreihe, die stets mit einer Spende für eine renommierte Institution der musikalischen Nachwuchsförderung verbunden ist, erhielt die BASF den Kulturförderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.

Aber auch Popmusik kommt zu ihrem Recht. Die Popakademie Baden-Württemberg profitiert vom Engagement der BASF: „brand.pool“ heißt ein bundesweites Coachingprojekt für die besten Nachwuchsbands, in dem diese auf ihre Zukunft als professionelle Musiker vorbereitet werden.

Weshalb fördert die BASF Kultur? Klaus Philipp Seif: „Kultur stiftet Identität und Sinn. Kultur bildet Image. Kultur ist ein wichtiger Standortfaktor.“ Damit sind die Ziele definiert, die die BASF mit ihrem Kulturengagement verfolgt. Der Standort Metropolregion Rhein-Neckar soll gestärkt werden, denn die BASF benötigt exzellente Wissenschaftler und Ingenieure.

Die wollen mit ihren Familien in einer kulturell attraktiven Region leben und sollen sich mit dem Unternehmen und seinem Image identifizieren. Außerdem sollen sie in einem kreativen und innovativen Umfeld arbeiten. „Wir leisten mit unseren Aktivitäten einen positiven Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung“, ist Seif überzeugt, „und einen Beitrag für die Kreativität und Innovationskraft unserer Mitarbeiter.“

Die würden das Kulturprogramm in regelmäßigen Feedbacks überwiegend mit sehr gut beurteilen. Das hat dazu beigetragen, dass das BASF-Kulturbudget in den letzten Jahren nicht gekürzt, sondern aufgestockt wurde.

Für Unternehmen gibt es vielfältige Möglichkeiten, Kunst und Kultur zu fördern – auch für mittelständische Unternehmen, die nicht die Finanzkraft der BASF haben. Wichtige Kriterien für ein stimmiges Konzept sind: Die Art der Förderung muss zum Unternehmen passen die Kontinuität der Förderung muss gewährleistet sein die Mitarbeiter müssen eingebunden sein die Kommunikation nach innen und außen muss stimmen.

Auf das IT-Unternehmen Columbus AG in Ravensburg trifft all das zu. Seit 1995 fördern die Inhaber Götz-Wolf und Gertraud Wagener junge bildende Künstler. Inzwischen ist die Columbus Art Foundation mit einer umfangreichen Sammlung, einer eigenen Ausstellungshalle und Publikationsreihe ein fester Bestandteil des Kunstbetriebs. Daher war es keine Überraschung, dass die Columbus AG mit dem Deutschen Kulturförderpreis 2006 des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet wurde.

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im Industrieverband BDI kann auf eine über 50-jährige Erfahrung mit unternehmerischer Kulturförderung zurückblicken. Er wurde 1951 von Unternehmen und Unternehmern gegründet. „Dies geschah“, so Sandra Wilgenbusch vom Kulturkreis, „im Bewusstsein, dass neben dem wirtschaftlichen Wiederaufbau auch eine Förderung der Künste für die bundesrepublikanische Gesellschaft sehr wichtig war.“ Wirtschaft kann nicht ohne Kultur gedeihen, so könnte man die damalige Motivation auf den Punkt bringen.

Der Kulturkreis fördert mäzenatisch junge Künstler am Anfang ihrer Karriere. Die Liste der Geförderten liest sich wie ein Who-is-Who des Kulturbetriebs. Zwei aktuelle Beispiele: Daniel Kehlmann, dessen Roman „Die Vermessung der Welt“ Ende letzten Jahres viele Wochen die Bestsellerlisten anführte, erhielt 1998 einen Förderpreis des Kulturkreises – als noch niemand mit dem anschließenden Erfolg rechnen konnte. Auch auf den Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk wurde der Kulturkreis früh aufmerksam und ermöglichte 1990 die erste Übersetzung seiner Werke ins Deutsche.

Aber der Kulturkreis fördert nicht nur Literatur, sondern auch Musik, Bildende Kunst und Architektur aus seinem Gesamtetat von rund 1 Mio. € im Jahr. Doch es geht nicht nur ums Geld. „Wichtig ist auch der persönliche Kontakt und die Auseinandersetzung der Unternehmer und Manager mit den Künstlern“, betont Wilgenbusch.

Das beginnt mit einem aufwändigen Auswahlverfahren. Zahlreiche Atelierbesuche und Jurysitzungen sind notwendig, bis etwa die Preisträger in der Sparte bildende Kunst ermittelt sind. Zwei bis vier Künstler werden jedes Jahr mit einem Preisgeld in Höhe von je 5000 € ausgezeichnet, dazu kommt eine Katalogfinanzierung und die Teilnahme an der Ausstellungstournee „ars viva“, die jedes Jahr durch drei namhafte Museen und Kunstvereine führt.

Der Kulturkreis umfasst zurzeit 379 fördernde Mitglieder, darunter 177 private Mitgliedschaften und 182 Firmenmitgliedschaften. Im Internet sind zahlreiche Beispiele aufgeführt, wie Unternehmen Kulturförderung organisieren.

Neueinsteigern bietet der Kulturkreis Beratung in Sachen Kulturförderung an, Profis treffen sich regelmäßig im Arbeitskreis Kultursponsoring oder im Arbeitskreis Kunst- und Kulturstiftungen. Auch um den eigenen Nachwuchs kümmert sich der Kulturkreis. „Bronnbacher Stipendium – Kulturelle Kompetenz für Führungsnachwuchs“ heißt ein Projekt, das seit 2004 gemeinsam mit der Universität Mannheim realisiert wird.

Studierende aller Fakultäten, insbesondere der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, erhalten zwei Semester lang die Gelegenheit, in einer Kombination aus Vorträgen, Exkursionen und Projektarbeit künstlerische Prozesse zu erleben. Das Stipendium, lautet die Selbstbeschreibung, „will Interesse und Begeisterung für Kunst und Kultur wecken und dazu befähigen, als Unternehmer kreativ zu handeln“.

Das macht Hoffnung auf ein neue Führungselite, der kulturelle Fragestellungen vertraut sind. Denn wenn es stimmt, dass eine Gesellschaft Kunst- und Kulturförderung für ihre Entwicklung dringend nötig hat, dann verpflichtet das auch die Wirtschaft. KLAUS HEID

Von Klaus Heid

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