Europäischer Erfinderpreis 2013 04.06.2013, 08:00 Uhr

Kein Top-Erfinder aus Deutschland

Der Europäische Erfinderpreis 2013, vergeben vom Europäischen Patentamt, geht an Erfinder aus Frankreich, Österreich, Schweden, der Schweiz, Spanien und den USA. Ausgezeichnet wurden bahnbrechenden Leistungen auf den Gebieten LCD-Technologie, Nanomedizin, DNA-Sequenzierung, USB, Möbelbau und Radaufhängung von Schienenfahrzeugen.

Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Beatrix der Niederlande inmitten der Gewinner des Europäischen Erfinderpreises. 

Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Beatrix der Niederlande inmitten der Gewinner des Europäischen Erfinderpreises. 

Foto: EPA

Martin Schadt ist mit dem Europäischen Erfinderpreis 2013 des Europäischen Patentamts (EPA) in der Kategorie „Lebenswerk“ ausgezeichnet worden. Im Jahr 1970 entwickelte der Schweizer Physiker die weltweit erste flache flüssigkristalline Anzeige, besser bekannt als LCD.

Während seiner Forschungstätigkeit beim pharmazeutischen Unternehmen F. Hoffmann-La Roche in Basel entdeckte er, dass Flüssigkristalle unter dem Einfluss von Elektrizität ihre spiralförmigen Molekülstrukturen „auflösen“ und lichtundurchlässig werden.

Martin Schadt wurde für sein Lebenswerk

Martin Schadt wurde für sein Lebenswerk „LCD“ ausgezeichnet.

Quelle: EPA

Der nächste Schritt bestand darin, die Kristalle zwischen zwei Kunststoffplatten mit Stromnetzanbindung zu bringen. Durch Ansteuerung von nur jeweils kleinen Bereichen des Netzes entdeckte Schadt, dass sich einzelne Bildelemente („Pixel“) mit Elektrizität so beeinflussen lassen, dass sich ihre Lichtdurchlässigkeit ändert. Wegen ihres geringen Energiebedarfs konnten LCDs mit gewöhnlichen Batterien betrieben und somit für die Nutzung durch den Verbraucher optimiert werden.

Markt für Flüssigkeitskristalle inzwischen riesig

Der Markt für Flachbildschirme und insbesondere Flüssigkristallanzeigen dürfte wegen der allgegenwärtigen Tablet-Computer, Mobiltelefone und Personal Computer weiter wachsen. Im Jahr 2012 wurde mit Flüssigkristallanzeigen weltweit ein Umsatz von über 100 Mrd. $ erzielt.

In der Kategorie Industrie hat sich Claus Hämmerle vom Vorarlberger Möbelzulieferer Julius Blum GmbH durchgesetzt. Gemeinsam mit Klaus Brüstle hat er „Blumotion“ entwickelt. Dahinter verbirgt sich ein Dämpfungssystem für Scharniere, das heute etwa in jeder modernen Küche verbaut ist. Es ist vollkommen geräuschlos und praktisch unsichtbar. Die Funktionsweise ist ähnlich wie bei Stoßdämpfern im Auto: In einem Druckrohr, das mit Hydraulikflüssigkeit gefüllt ist, bewegt sich ein Kolben. Durch diesen lassen sich Türen, Klappen und Auszüge sanft und leise schließen.

Seit der Markteinführung von „Blumotion“ ist der Gewinn von Blum sprunghaft auf rund 1,3 Mrd. € pro Jahr angestiegen. Dies sichert die Arbeitsplätze von 5500 Mitarbeitern.

Gewinner in der Kategorie „KMU“ (Kleine und mittelständische Unternehmen) ist der schwedische Professor Pål Nyrén. Er hat die Pyrosequenzierung erfunden. Das ist ein schnelles und kostengünstiges Verfahren zur Sequenzierung von DNA-Strängen. Niedrige Kosten verbunden mit einer hohen Sequenzierungsgeschwindigkeit haben die Analyse der Bausteine des Lebens revolutioniert und eröffnen neue Möglichkeiten zur Erforschung personalisierter Behandlungs- und Heilverfahren für Krankheiten wie Krebs.

2008 wurde das von Nyrén für die Markteinführung der Pyrosequenzierung mitbegründete Unternehmen von Qiagen für 53 Mio. $ übernommen. Zurzeit erzeugt der Sequenzierermarkt einen Jahresumsatz in Höhe von 1,6 Mrd. $. Für die nächsten vier Jahre wird ein Anstieg auf 2,2 Mrd. $ erwartet.

Nanokapseln für die Chemotherapie

Den Wettbewerb in der Kategorie „Forschung“ hat der Franzose Patrick Couvreur für sich entschieden. Gemeinsam mit drei weiteren Wissenschaftlern hat er an der Universität Paris-Sud Nanokapseln entwickelt, die 70-mal kleiner als rote Blutkörperchen sind. Vor dieser Erfindung, die dem gezielten Wirkstofftransport dient, bewegten sich Onkologen im Rahmen von Chemotherapien auf einem schmalen Grat zwischen Heilung und schwerwiegendem Schaden. Die aggressiven Chemotherapeutika stoppten nicht nur die Vermehrung der Krebszellen, sondern schädigten auch gesundes Gewebe. Mit den Nanokapseln können die Wirkstoffe nun sicher durch die Blutbahn zu den betroffenen Zellen transportiert werden.

Die Nanomedikamente von Couvreur, die sich zurzeit in klinischen Versuchen der Phase III befinden, eröffnen eine ganz neue Dimension in der Behandlung von Krebstumoren. Seit seiner Gründung im Jahr 1997 hat das von Couvreur gegründete Unternehmen BioAlliance Pharma Kapital im Umfang von 20,8 Mio. € einwerben können.

USB als Standard

Sieger in der Kategorie „Außereuropäische Staaten“ wurde Ajay V. Bhatt. Ihm verdankt die Welt den Universal Serial Bus (USB). Vor seiner Erfindung kommunizierten Computer mit Peripheriegeräten anhand verschiedener Treiber. Die Befehle, die von diesen Treibern ausgingen, standen oft miteinander im Widerstreit. Beim Einrichten eines Druckers für seine Frau musste Bhatt seinen Computer umkonfigurieren und neu starten. Außerdem kämpfte er mit unübersichtlichen Anschlüssen an der Geräterückseite. Das alles war für ihn sehr frustrierend.

Bhatt beschloss, eine Verbindungsschnittstelle zu schaffen, die neue Geräte automatisch erkennt und ausführt, sobald diese an den Computer angeschlossen werden. Die USB-Schnittstelle „übersetzt“ die Signale der Peripheriegeräte und überträgt sie in einem zentralen Datenstrom an das Betriebssystem des Computers.

Dieser Erfindung einen monetären Wert beizumessen, ist fast unmöglich, denn USB wird nicht als Produkt vertrieben, sondern hat sich als Standard in der Computerindustrie durchgesetzt.

Gewinner des Publikumspreises ist der Spanier José Luis López Gómez. Dank seiner Erfindung bleiben Hochgeschwindigkeitszüge stets dort, wo sie hingehören: auf den Schienen. Bei seiner Technologie ermittelt ein elektronisches System die Drehgeschwindigkeit der einzelnen Räder. Ein mechanisches System bringt sie beim Befahren einer Kurve in eine Stellung, in der die Drehgeschwindigkeit der kurveninneren und kurvenäußeren Räder gleich ist. Möglich macht das die leicht konische Form der Räder.   

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