PLAN DES AUFSICHTSRATES 11.12.2015, 10:18 Uhr

Hängt Gehalt des Bahnchefs bald von Pünktlichkeit der Züge ab?

In Zukunft sollen die Gehälter von Rüdiger Grube und anderen Vorständen der Deutschen Bahn direkt daran gekoppelt werden, wie pünktlich die Züge sind. Eine Idee, die man weiterdenken und auch auf Ingenieure übertragen kann…

Bahnchef Rüdiger Grube: Offenbar gibt es Pläne des Aufsichtsrates die Gehälter der Bahnvostände an die Pünktlichkeit der Züge zu koppeln.

Bahnchef Rüdiger Grube: Offenbar gibt es Pläne des Aufsichtsrates die Gehälter der Bahnvostände an die Pünktlichkeit der Züge zu koppeln.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Eigentlich klingt das logisch. Der Bahnchef soll weniger Geld bekommen, wenn die Züge unpünktlicher werden. So jedenfalls sieht es ein Plan des DB-Aufsichtsrates vor, über den die Wirtschaftswoche berichtet. Aktuell würde das bedeuten, dass Rüdiger Grube dieses Jahr einige Einbußen hinnehmen müsste, denn mit der Pünktlichkeit ist es schlechter geworden dieses Jahr.

Nach Ansicht von Kritikern wie dem Fahrgastverband Pro Bahn hat das vor allem damit zu tun, dass die DB jahrelang zu sehr auf die Kostenbremse drückte, bei der Wartung sparte, Gleise nicht erneuerte und mit zu alten Zügen herumzuckelte. Da fragt sich doch: Ist das nun Grubes Schuld? Laut Pro Bahn ausdrücklich nicht! Dem seit 2009 amtierenden Vorstandschef hat der Verband schon 2012 seinen Fahrgastpreis verliehen, weil er sich verstärkt um die Belange der Kunden gekümmert habe – und vor wenigen Tagen lobte die Organisation Grubes neue Qualitätsoffensive über den grünen Klee.

Mehdorn ist schon eher schuld

Müsste man also Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn noch nachträglich Lohn abziehen? Eher schwierig. Dann käme als nächstes die Berliner Flughafengesellschaft, für die Mehdorn ja noch halbwegs pünktlich einen Airport hätte liefern sollen…

Abgesehen davon: Die Deutsche Bahn sagt ja immer, dass 95 % ihrer Züge pünktlich seien. Was im Verständnis des Unternehmens bedeutet, dass sie maximal fünf Minuten und 59 Sekunden später ankommen beziehungsweise abfahren als geplant. Gute Quote eigentlich. Im Oktober 2015 lag die allerdings nur noch bei 92 Prozent. Als Hauptgrund dafür gibt die Bahn den Stellwerksbrand in Mülheim an der Ruhr an.

Zugausfall, Verspätungsalarm der Bahn: Da steigt in Zukunft wohl der Blutdruck der Bahnvorstände, wenn sich dies direkt aufs eigene Einkommen auswirkt. 

Zugausfall, Verspätungsalarm der Bahn: Da steigt in Zukunft wohl der Blutdruck der Bahnvorstände, wenn sich dies direkt aufs eigene Einkommen auswirkt. 

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Herr Grube hat den Brand wohl eher nicht gelegt und auch sonst kaum zu verantworten. Nach der veralteten Technik, die in dem Stellwerk lief, könnte man natürlich wiederum Herrn Mehdorn fragen.

Auch Einbußen für Ingenieure?

Dennoch hat der Pünktlichkeitsbonus als PR-Coup natürlich seinen Charme. Die bisherigen Kriterien sind wohl auch ungeeignet, denn der Aufsichtsrat stört sich vor allem daran, dass sich die Zuschläge für die Bahn-Vorstände im Jahr 2014 verdoppelten, obwohl der operative Gewinn doch gesunken war.

Die Zweifel am Sinn leistungsabhängiger Boni wachsen in der Wirtschaft ja derzeit insgesamt. Denn die Berichte darüber, dass Manager nur noch ihren Zielvereinbarungen nachjagen und dabei das große Ganze aus den Augen verlieren, häufen sich. Andererseits ist die Sache auch verlockend. Ingenieuren zum Beispiel könnte man ja das Gehalt kürzen, wenn ihr neuer Motor zu viele Schadstoffe ausstößt und dann wieder extra eine Software angeschafft werden muss, die die Werte besser aussehen lässt. Oder man streicht die kostenlosen Getränke derer, die die Entrauchungsanlage am besagten neuen Berliner Flughafen bei offenbar viel Schnaps geplant haben.

Es gäbe noch viel mehr Kriterien…

Im Falle der Deutschen Bahn täte aber wohl vor allem Transparenz gut. Als der Gewinn des Konzerns 2013 einbrach, sank Grubes Gehalt noch um eine satte Million. Ein Jahr später gab es diesen Zusammenhang eben nicht mehr. Seltsam. Womöglich sind ja noch Kriterien hinzugekommen, die sich positiv auswirkten. Konnten 2014 schon mehr Zugbegleiter ein englisches „th“ aussprechen als im Jahr zuvor? Drang der Satz „Dieser Zug führt heute kein Bordbistro“ seltener aus den Lautsprechern? War die Zahl der im Hochsommer ausfallenden Klimaanlagen gesunken? Wurden kaum noch Radfahrer, die mit ihrem Gefährt in den Zug stiegen, erschossen? Alles Dinge, die man in den Vorstandsboni berücksichtigen sollte…

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