Fotoausstellung zeigt Zeppeline 27.06.2013, 10:30 Uhr

Flug nach Neuyork

Eine Berliner Ausstellung dokumentiert im Jahr des 175. Geburtstages des Erfinders Graf Zeppelin die Begeisterung der Menschen für Zeppeline anhand von Amateurfotografien.

Im Berliner Literaturhaus sind noch bis zum 12. Juli zeitgenössische Original-Fotos von Zeppelinen zu sehen, die Günter Karl Bose, Professor für Typografie und Schrift an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, gesammelt hat. 

Im Berliner Literaturhaus sind noch bis zum 12. Juli zeitgenössische Original-Fotos von Zeppelinen zu sehen, die Günter Karl Bose, Professor für Typografie und Schrift an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, gesammelt hat. 

Foto: Günter Karl Bose

„Leb wohl! Da ist der Zeppelin, mit dem fahr nach Neuyork ich hin.“ So ist, etwas ungelenk, unter einer Zeichnung von einem großen Luftschiff in einem Kinderbuch zu lesen, das Ende der 1920er-Jahre erschien. Nachdem das Bauverbot von Luftschiffen durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs gefallen war, entstand in Deutschland eine riesige Begeisterung für die Luftschiffe. Überall, wo die fliegenden Riesenzigarren am Himmel auftauchten, versammelten sich Menschenmassen. Der Zeppelin wurde zu einem Symbol der Modernität, das schließlich auch in der zeitgenössischen Literatur und Kinderliteratur seine Spuren hinterließ.

Rund 300 Aufnahmen in Bildband veröffentlicht

Kein Wunder, dass Zeppeline auch als beliebtes Motiv in den Fotoalben der damaligen Zeit auftauchten. Seit vielen Jahren sammelt Günter Karl Bose, Professor für Typografie und Schrift an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, zeitgenössische Zeppelinfotos von Amateur- und professionellen Fotografen. Eine Auswahl von rund 300 Aufnahmen hat er nun in einem schön gestalteten Bildband veröffentlicht. Und die Originale sind derzeit in der kleinen, aber sehenswerten Ausstellung „Big Zep. Fotos von Zeppelinen“ im Berliner Literaturhaus zu sehen.

Die frühesten Aufnahmen stammen aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Obwohl es immer wieder zu Abstürzen kam, entwickelte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg ein bescheidener ziviler Luftverkehr mit den mit Wasserstoff gefüllten starren Luftschiffen. Die technische Weiterentwicklung erhielt mit dem Ersten Weltkrieg einen Schub, in dem die Luftschiffe zur Aufklärung, aber auch für Bombenangriffe eingesetzt wurden. Die Blütezeit der Zeppeline kam Ende der 1920er-Jahre, als die großen Luftschiffe über 200 m maßen und aufsehenerregende Atlantiküberquerungen, Polarfahrten und Weltumrundungen unternahmen.

Symbol für Fernweh

Wie dies alles im Alltag der Menschen wahrgenommen wurde, dokumentieren die Fotografien in der Ausstellung. Immer wieder dienen Kirchtürme, Häuser oder Brücken als Maßstäbe, um die zum Teil unfassbare Größe dieser Luftschiffe zu zeigen. Starts, Landungen und Überfliegungen wurden festgehalten. Immer wieder sind winkende Menschen zu sehen. Zeppeline waren ein Symbol für Fernweh. Einige Bilder zeigen auch den Bau der Luftschiffe in riesigen Hangars.

Da die Herstellung der Zeppeline von Anfang an immer finanzielle Wagnisse und Werbemaßnahmen erforderten, hielten sich häufig Fotografen, Reporter und Schriftsteller an Bord auf. Welche Atmosphäre dort herrschte, schilderte der spätere Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse 1911: „Wenn der Deutsche sich sehr erhoben fühlt, so trinkt er Sekt, und Sekt war auch im Luftschiff zu haben und wurde hübsch und nett serviert, und er war auch sehr gut, aber ich fand diese Beigabe doch als das einzig Stillose und Entbehrliche an der Fahrt.“

Kleine Kulturgeschichte des Zeppelins

Textauszüge, zeitgenössische Filmdokumente und populärwissenschaftliche Bücher ergänzen die Fotos in der Berliner Ausstellung, die eine kleine Kulturgeschichte des Zeppelins entwirft.

In Großaufnahmen wird auch die Katastrophe gezeigt, die schließlich das Ende der großen Luftschiffe besiegeln sollte – die Explosion der „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 in Lakehurst. Über Kopfhörer ist die Originalreportage des US-Reporters Herbert Morrison zu hören, der zunächst freudig mitteilt, welchen Aufwand es ihm abverlangte, zur Landung des damals größten Luftschiffes der Welt anwesend zu sein. Als das sich nähernde Luftschiff plötzlich Feuer fängt und in wenigen Sekunden verbrennt, bricht dem erschütterten Reporter die Stimme. Tränenerstickt führt er seine Berichterstattung weiter – und tut in diesem Moment schon seine Ahnung kund, dass gerade eine Epoche zu Ende gegangen ist.   

Von Johannes Wendland Tags:

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