Mysteriöse Überflüge 06.11.2014, 15:39 Uhr

Festnahmen nach Drohnenflügen über französische AKWs

Atomkraftwerke in ganz Frankreich sind in den vergangenen Wochen von Mini-Drohnen überflogen worden – warum, weiß bisher niemand. Jetzt sind drei Personen mit einer Drohne in unmittelbarerer Nähe zu einem Kraftwerk festgenommen worden. Die Behörden erhoffen sich Aufschluss von der Befragung des Trios. 

AKW Belleville-sur-Loire: Zwei Männer und eine Frau, die sich unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerkes befanden und eine Drohne dabei hatten, wurden von der Polizei in Verwahrung genommen. Frankreich ist in heller Aufregung, weil seit Wochen Drohnen die Kernkraftwerke des Landes überfliegen. Bislang ist ungeklärt, wer dahinter steckt und welche Motive. 

AKW Belleville-sur-Loire: Zwei Männer und eine Frau, die sich unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerkes befanden und eine Drohne dabei hatten, wurden von der Polizei in Verwahrung genommen. Frankreich ist in heller Aufregung, weil seit Wochen Drohnen die Kernkraftwerke des Landes überfliegen. Bislang ist ungeklärt, wer dahinter steckt und welche Motive. 

Foto: Flickr/Alexandre Duret-Lutz

In Frankreich sind drei Personen festgenommen worden, die etwa hundert Meter entfernt vom Atomkraftwerk (AKW) Belleville-sur-Loire mit einer Drohne angetroffen wurden. An sich ist es zwar weder verboten, sich in der Nähe eines AKWs aufzuhalten, noch mit einer Drohne in der Hand spazieren zu gehen – allein die Kombination und der Zeitpunkt machen die Behörden misstrauisch.

Der Hintergrund: In den vergangenen Wochen sind immer wieder mal französische AKWs von kleinen unbemannten Flugkörpern überflogen worden – immer nachts, mal jeweils einer, mal mehrere gleichzeitig. Das wiederum ist in Frankreich verboten: Überflüge gleich welcher Art sind erst ab einer Höhe von 1000 Metern erlaubt, und Flugzeuge müssen so oder so einen Sicherheitsabstand von fünf Kilometern halten.

Drohnenüberflüge machen das ganze Land nervös

Der Grund für diese Regelung liegt auf der Hand: Atomenergie basiert ja bekanntermaßen auf der Kanalisierung von gewaltigen Kräften, gebändigt durch ausgeklügelte Mechanismen und Sicherheitsvorkehrungen in den Meilern. Geht dabei mal etwas schief, ist direkt die Hölle los – siehe Fukushima, siehe Tschernobyl. Entsprechend nervös werden auch alle Beteiligten, wenn sich den Anlagen wiederholt und ganz offenbar gezielt unbekannte Flugobjekte egal welcher Größe nähern.

Fliegende Drohnen über Kernkraftwerken machen derzeit Frankreich nervös. 

Fliegende Drohnen über Kernkraftwerken machen derzeit Frankreich nervös.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Insgesamt 15 Werke waren von den Überflügen in den vergangenen Wochen betroffen. Zwar habe es keine Störung des Betriebsablaufs gegeben, und außerdem seien die gesichteten Drohnen nicht groß genug gewesen, um zum Beispiel Sprengladungen in relevanter Menge zu transportieren, betonte Drohnenexpertin Elizabeth Quintana vom britischen Forschungsinstitut für Sicherheitsfragen RUSI gegenüber der Zeitung Die Welt. Dennoch sind Regierung, Polizei und natürlich die Betreiber der AKWs alarmiert.

Greenpeace bestreitet jegliche Beteiligung

Wer oder was genau dahinter steckt, weiß bisher niemand: Die Vermutungen reichen von Werbeaktionen von Drohnenherstellern über das Ausspähen von Abläufen bis hin zu Aktionen von Umweltaktivisten. Letzteres wäre nicht das erste Mal: Die Umweltorganisation Greenpeace hatte mit Ähnlichem schon einmal Schlagzeilen gemacht, um auf Sicherheitsmängel in französischen Atomkraftanlagen aufmerksam zu machen. Sie bestreitet jedoch, etwas mit den jüngsten Überflügen zu tun zu haben. Aufschlüsse erhofft sich die Justiz jetzt von den Festgenommenen, zwei Männern und einer Frau im Alter von 21, 24 und 31 Jahren.

Auch über dem Atomkraftwerk Cattenom wurde bereits eine Drohne gesichtet.

Auch über dem Atomkraftwerk Cattenom wurde bereits eine Drohne gesichtet.

Foto: dpa

Bis die ganze Angelegenheit geklärt ist, wird also erst einmal weiter spekuliert – und inzwischen auch scharf geschossen: Seit Ende Oktober hat die französische Polizei die Erlaubnis, die Flugobjekte abzuschießen. Entsprechende Schrotmunition sei bereits ausgegeben worden. Großartig anders ist den kleinen, leichten Flugobjekten auch nicht beizukommen: Die an den französischen Atomanlagen standardmäßig angebrachten Radaranlagen erfassen sie nicht – sie fliegen einfach zu tief. Und zu schnell sind sie auch: Bis die französische Luftwaffe angerückt ist, die regulär für die Überwachung des Luftraums über Kernkraftwerken zuständig ist, sind die kleinen Flugobjekte schon längst wieder weg.

 

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