Technikgeschichte 29.01.2010, 19:44 Uhr

„Fabriken für die Entwicklung von Neuerungen“

Am kommenden Mittwoch jähren sich zum 151. Mal der Geburtstag und zum 75. Mal der Todestag des Ingenieurs und Unternehmers Hugo Junkers. Auf dem Gelände der ehemaligen Junkers-Flugzeugwerke sind im Technikmuseum „Hugo Junkers“ zahlreiche Originalflugzeuge und weitere rund 2000 Exponate zu sehen, die einen differenzierten Einblick in das schaffensreiche Leben des Multitalents bieten. VDI nachrichten, Berlin, 29. 1. 10, has

Alles überragt in der Halle das größte und zweifellos berühmteste Ausstellungsstück des Museums – ein ausgezeichnet restauriertes Exemplar der dreimotorigen Ju 52, jenes berühmten Passagier- und Transportflugzeugs, das zwischen 1932 und 1952 nahezu 5000 Mal von den Junkers-Flugzeugwerken in Dessau und Bernburg gebaut und in alle Welt ausgeliefert wurde.

Das Dessauer Exemplar brach 1940 bei der Invasion deutscher Truppen in Norwegen auf einem zugefrorenen See durch das Eis und wurde 1986 geborgen. Vom Förderverein des Technikmuseums sorgfältig rekonstruiert, kann es von den Besuchern hautnah in Augenschein genommen und betreten werden.

Die Konstruktion der Ju 52 stand fast am Ende der Weltkarriere des Unternehmers Junkers, die in den 1890er-Jahren in einem ganz anderen Industriesegment ihren Anfang genommen hatte. Auf Vermittlung von Adolf Slaby, bei dem Junkers an der TH Charlottenburg Vorlesungen in Elektro- und Thermodynamik gehört hatte, kam er nach Dessau, wo er für die Deutsche Continental Gasgesellschaft in die Entwicklung von Gasmotoren einstieg.

Sein erstes bedeutendes Patent erwarb er für ein Kalorimeter, ein Messgerät zur Ermittlung des Heizwertes von Gas, das bei den Motoren zum Einsatz kam. Um diese Erfindung wirtschaftlich zu verwerten, gründete Junkers noch 1892 seine erste Firma.

Diese Verknüpfung von Forschung und Entwicklung und anschließender Umsetzung in Produkte sollte das Junkers-Prinzip bleiben. Seine Firmen sah er als „Forschungsanstalten“ an, als „Fabriken für die Entwicklung von Neuerungen“. Von Henry Ford, der ein ähnliches ingenieurtechnisch-wirtschaftliches Doppeltalent war, ist die Aussage überliefert, dass ihm die Junkers-Werke als „eine Art Universität“ erschienen seien. In den 1890er-Jahren konzentrierte sich Junkers zunächst auf Gasbadeöfen, Durchlauferhitzer, Haushalts- und Heizgeräte. Bis heute ist Junkers unter dem Dach von Bosch eine Marke für Gasthermen. Ein Exemplar davon, ein Gas-Heizkessel mit 54 KW Leistung, beheizt auch die Dessauer Museumshalle und ist zugleich ein Exponat der Ausstellung.

Um 1910 kommt Junkers in Berührung mit dem Flugzeugbau. Auf seine Initiative wird in Aachen ein Windkanal gebaut, mit dessen Hilfe er Tragflächen aus Metall konstruiert. Eine Weiterführung dieses Windkanals ist heute im Freigelände des Dessauer Museums zu bestaunen.

Junkers“ Idee ist bahnbrechend: War es bislang allgemeine Auffassung gewesen, dass es beim Flugzeugbaubau vor allem auf die Verringerung des Gewichts ankomme, ist er überzeugt, dass die Verbesserung des Verhältnisses von Widerstand und Auftrieb zähle. So entwickelt er Ganzmetallflugzeuge mit der charakteristischen Wellblechverkleidung, die aerodynamisch optimiert sind.

In den 1920er-Jahren steigen die Junkers-Flugzeugwerke zur Weltfirma auf. Zugleich betreibt Junkers selbst einen Linienverkehr, was aber ein Verlustgeschäft bleibt. 1926 geht die Junkers Luftverkehr AG auf staatliches Betreiben in der Deutschen Lufthansa auf. Zu diesem Zeitpunkt läuft die Flugzeugherstellung im Namen von Junkers auf hohen Touren. 1926 werden 40 % des Weltluftverkehrs mit Junkers-Maschinen abgewickelt. Im April 1928 schafft der Pilot Hermann Köhl mit einer Junkers W 33 die erste Atlantik-Überquerung in Ost-West-Richtung mit einem Motorflugzeug. Die Weltwirtschaftskrise trifft die Unternehmen von Hugo Junkers schwer. Im März 1932 muss er Insolvenz anmelden. Durch den Verkauf seines Gasgerätewerks an Bosch kann er aber die Flugzeugwerke retten.

Was die Krise nicht geschafft hat, vollenden die Nazis. Hermann Göring, der neue Reichskommissar für Luftfahrt, sieht die Junkers-Werke als wichtigen Faktor bei der Aufrüstung Deutschlands. Noch 1933 muss Junkers die Mehrheit an seinen Flugzeugwerken und alle seine Patente entschädigungslos an den Staat abtreten, 1935 übernahm das Deutsche Reich auch die restlichen Anteile. Manche vermuten hinter der Enteignung eine Privatabrechnung Görings – zehn Jahre zuvor hatte er sich bei Junkers vergeblich um eine Anstellung als Testpilot beworben.

Junkers darf Dessau nicht mehr betreten und zieht sich nach München zurück. In den letzten beiden Lebensjahren beschäftigt er sich mit der Konstruktion von Häusern und Möbeln aus Metall. Im Dessauer Museum ist ein Versuchshaus aus Stahlblechen ausgestellt, das Junkers bereits in den 1920er-Jahren konstruiert hat. Damals pflegte er einen engen Kontakt zum benachbarten Bauhaus, in dem die industrielle Serienfertigung von Möbeln und Architektur das zentrale Thema war. J. WENDLAND

www.technikmuseum-dessau.de

Von J. Wendland

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