Spielend warten 17.11.2014, 09:39 Uhr

Erste StreetPong-Ampel wird frei geschaltet

Mit StreetPong wird am Dienstag in Hildesheim eine Ampel ausgestattet. Weltweit die erste. Dann lädt die Signalanlage die Wartenden auf beiden Seiten der Straße ein, gegeneinander anzutreten – statt auf die Straße. Das Kult-Computerspiel „Pong“ vertreibt  die sonst empfundene lange Weile bei Rot. 

Wer auf eine besonders coole Weltpremiere für den Zeitvertreib von gelangweilten Fußgängern an nervenden Verkehrsampeln teilnehmen möchte, der sollte sich den 18. November 2014 in seinen Kalender notieren und schon einmal freinehmen. An diesem Tag wird um 15 Uhr an der Ampel vor dem Gebäude der Hochschule für Angewandte Kunst und Wissenschaft, kurz HAWK, am Goschentor in Hildesheim das Ampelspiel StreetPong erstmals öffentlich präsentiert.

Streetpong ist obercool

StreetPong? Ein Ampelspiel? Ja. Und was für eines. StreetPong ist so obercool, das es wehtut: Keine Luftlöcher mehr starren in den gefühlten Stunden, ehe die rote Ampel endlich das Go für den wartenden Geher gibt.

StreetPong, das ist ein Duell quer über die Straße, mit einem Unbekannten, der mit einem das gleiche schwere Schicksal teilt – bei Rot warten zu müssen.

Kampf mit dem Unbekannten von gegenüber

Dank StreetPong ist die Sehnsucht nach Grün als Signal für die Mobilität auf zwei Beinen gar nicht mehr so schlimm. Die Füße im Ruhemodus, die geballte Energie in den Fingern, kämpft man gegen einen unbekannten Passanten auf der anderen Seite der Straße – dort wo man sein möchte, aber wegen des roten Ampelsignals nicht ist. Und hier wie dort ist ein drahtlos verbundener kleiner Touchscreen angebracht, auf dem man gegeneinander beim langen Rot spielen kann.

Nicht nur wer den Schlagabtausch an der Ampel gewinnt ist offen, sondern ob sich überhaupt ein gewillter Gegenspieler auf der anderen Straßenseite findet auch.

Nicht nur wer den Schlagabtausch an der Ampel gewinnt ist offen, sondern ob sich überhaupt ein gewillter Gegenspieler auf der anderen Straßenseite findet auch.

Foto: HAWK (Screenshot Ingenieur.de)

„Warten auf Spieler gegenüber“, verkündet die weiße Schrift auf rotem Grund. Und dann geht es los: Es befinden sich zwei Balken auf dem Display, mit denen – gesteuert vom Finger – ein Ball hin und her gespielt werden muss. In Anlehnung an die Mutter aller Computerspiele, an Pong. 

Hauch von High-Noon

Es hat mehr etwas von High-Noon, als von Hightech, was sich die beiden Studierenden des Studiengangs Gestaltung der HAWK Sandro Engel und Holger Michael da mit StreetPong vor zwei Jahren ausgedacht – und ins Netz gestellt haben: Es gibt einen Punkt, wenn der Gegner von der gegenüberliegenden Straßenseite den Ball nicht pariert und ihn durchlässt. Unaufhaltsam wandert währenddessen der rote Grund weiter nach unten und weicht einem neutralen Grau: Das ist die farbliche Umsetzung der verbleibenden Rotphase. Dann wird es wieder grün: Und die jeweiligen Kontrahenten begegnen sich in der Straßenmitte „und kommen vielleicht miteinander ins Gespräch“, sagt Michael. Und das könnte an dieser Stelle lebensgefährlich werden.

Der Ungeduldige kann vor der Ampel zuschauen, wie die Zeit des Umschaltens näher rückt.

Der Ungeduldige kann vor der Ampel zuschauen, wie die Zeit des Umschaltens näher rückt.

Foto: HAWK (Screenshot Ingenieur.de)

Ab dem nächsten Dienstag ist der weltweit erste Prototyp von StreetPong für eine Testphase von vier Wochen am Goschetor scharfgeschaltet. Mit von der Partie sind neben den beiden Erfindern auch HAWK-Präsidentin Prof. Dr. Christiane Dienel und der Hildesheimer Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer.

Zufall übernimmt Regie

Die StreetPong-Idee ist aufregend: Denn es entstehen immer neue Situationen, weil jede Rotphase neue Kontrahenten zu Gegnern macht. Es ist der pure Zufall, der bald am Goschetor in Hildesheim die Regie übernimmt. Die zufällige Begegnung an einer Ampel wird zur Arena, in der die großen Fragen des modernen Lebens konzentriert gestellt werden: Bin ich ruhigen Fußes schneller als mein Gegenüber? Das ist doch echt Pong.

Von Detlef Stoller

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