Kultur 05.05.2000, 17:25 Uhr

„Die WM macht ökonomisch Sinn“

Anfang Juli entscheidet die Fifa, ob Deutschland die Fußball-WM 2006 ausrichtet. Sportlich wie wirtschaftlich würde unser Land gewinnen.

Balljungen trugen T-Shirts mit dem WM-2006-Logo drauf, die Profis signierten Trikots, die später im Fernsehen verlost wurden. Am vergangenen Bundesliga-Spieltag wollte der Deutsche Fußball Bund (DFB) noch einmal auf sein Anliegen aufmerksam machen: Die Fußball-WM 2006 soll in Deutschland stattfinden.
Der Tag der Entscheidung naht. Am 6. Juli vergeben die 24 Mitglieder des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes (Fifa) in Zürich die 18. WM. Deutschlands Konkurrenten um die Austragung sind England, Brasilien, Südafrika und Marokko.
Der DFB lässt sich seine Kandidatur rund 20 Mio. DM kosten. Das Geld bringen Sponsoren und der Verband auf. Auch die WM selbst soll den Steuerzahler nicht belasten, im Gegenteil. Zu diesem Ergebnis kommen die Studien zweier wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute.
Die Forscher um den Paderborner VWL-Professor Bernd Rahmann errechneten im Auftrag des DFB alle Kosten und Erträge für die Jahre 2000 bis 2015. Die Zahlen wurden mit 4 % pro Jahr auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Übrig blieb eine einzige, stark komprimierte Größe, der „Nettogegenwartswert“. Im günstigsten Falle steigt danach der Wohlstand in Deutschland in den nächsten 15 Jahren um knapp 6 Mrd. DM. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Nettogegenwartswert von rund 3 Mrd. DM.
Im ungünstigsten Fall könnte jedoch ein Verlust von gut 600 Mio. DM entstehen: Allerdings nur, wenn aus politischen Gründen viele Spielorte mit hohen Investitionskosten und geringer Nachnutzung ausgewählt werden (wie etwa Leipzig).
Die FIFA schreibt den Ausrichtern genau vor, welche Größe die Stadien haben müssen: Vorrunde, Achtel- und Viertelfinale mindestens Platz für 40 000 Zuschauer, Eröffnungsspiel, Halbfinale und Finale mindestens 60 000 Zuschauer. Zudem müssen den Fans Sitze mit Rückenlehnen angeboten werden, Stehplätze sind unerwünscht. Das meiste Geld muss deshalb in den Umbau der Stadien gesteckt werden. Schließlich sind nicht alle so modern wie die neuen Arenen in Hamburg oder auf Schalke. Noch stehen 16 Spielorte auf der Liste, gespielt wird jedoch in zehn bis zwölf, so der DFB.
Generell gilt: Durch Bauaufträge und die Touristenausgaben kann die WM als Katalysator der gesamten Wirtschaftsentwicklung fungieren. Die Produktion als auch das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte wird erhöht. Diese schaffen wiederum zusätzliche Konsum- bzw. Investitionsnachfrage oder sie wandern als zusätzliche Steuereinnahmen in die Staatskassen. Ein expansiver Kreislauf beginnt, der sich auch nach 2006 noch auswirkt.
Zum grundsätzlich gleichen Ergebnis kommen Wissenschaftler der Uni Osnabrück. „Eine Austragung der WM ist – unter normalen Voraussetzungen – ökonomisch sinnvoll, Investitionen werden nicht in die falsche Richtung gelenkt“, sagt Mitautor Gerd Ahlert.
Die Osnabrücker bauten teilweise auf der Paderborner Studie auf und rechneten die ihnen realistischste Variante durch. Sie gingen aus von zusätzlichen Investitionen des Staates in Höhe von 600 Mio. DM für die WM sowie relativ hohen Ausgaben der ausländischen Touristen (gut 1,7 Mrd. DM). Unter diesen Umständen steigt 2006 durch die WM die Beschäftigung um knapp 8000 Arbeitsplätze. Zudem liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) rund 2,5 Mrd. DM höher. Auch in den Folgejahren ist noch ein positiver Effekt zu spüren.
Im Jahre 2009 sollen es durch die Multiplikatoreffekte noch immer rund 1500 Extra-Arbeitsplätze und fast 700 Mio. DM zusätzliches BIP sein. Spötter haben noch einen weiteren Grund ausgemacht, warum sich der DFB so vehement um die WM bemüht. Der Gastgeber ist automatisch qualifiziert. MARC THYLMANN
Wish you were here: Die Arena auf Schalke, die im nächsten Jahr fertig gestellt wird, könnte zum Spielort für die Fußball WM 2006 werden.

Von Dm.
Von Dm.

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