Industrie 05.08.2005, 18:39 Uhr

Denkmal mit Zukunft

VDI nachrichten, Sulzbach-Rosenberg, 5. 8. 05 – Die Schlote des alten Stahlwerkes Maxhütte rauchen nicht mehr. Doch dem schwärzesten Tag in der Geschichte der Stadt Sulzbach-Rosenberg folgte der Entschluss, auf den Festen der Vergangenheit neue Industrien anzusiedeln. Verfahren und Werkstoffe für die Energietechnik, eine gesunde wirtschaftliche Mischkultur und Initiativen zum Strukturwandel haben seitdem Einzug gehalten.

Die Luft flimmert. Bis zu 50° C wird es im Rohrwerk Maxhütte, wenn die Stahlknüppel auf 1100° C erhitzt, in der Presse bei 180 bar bis 200 bar gelocht und geformt, in der Stoßbank verlängert und schließlich zum Rohr werden. Zum „Qualitätsstahlrohr aus Bayern“, genauer gesagt, nahtlos gefertigt für hohe Drücke und schwierige Atmosphären. „Das hier ist keine Schokoladenfabrik“, sagt Alfred Kummert, Sicherheitsfachkraft bei „MH Rohr“ und lacht die schwitzende Reporterin an.

Dem Eisenerzvorkommen in der Region hatten zu Blütezeiten über 8000 Menschen ihre Arbeit im Stahlwerk Maxhütte zu verdanken nach dem zweiten Konkurs im Jahr 2002 ist nur noch die Rohrfertigung mit 450 Mitarbeitern übrig geblieben.

Die Geschichte der Stadt Sulzbach-Rosenberg ist aber deshalb nicht traurig, denn mit der Schließung der Maxhütte habe sich die Stadt eher „zu ihrem Vorteil entwickelt“, so Hans-Jürgen Winter, Amtsleiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Weg von der Montan-Monokultur hat sich ein Strukturwandel vollzogen.

Und doch ist die Vergangenheit mit der Zukunft verbunden. Das ATZ-Entwicklungszentrum etwa ist aus der Klöckner-Stahlforschung hervorgegangen. Heute wird hier erfolgreich an Verfahren und Werkstoffen für die Energietechnik geforscht. Im Mittelpunkt stehen die Verbrennung und Vergärung von Biomasse und Abfall für die dezentrale Energieerzeugung. „Damit leistet diese außeruniversitäre Forschungseinrichtung auch einen Beitrag, Unternehmen in der Region technologisch up to date zu halten,“ meint Martin Faulstich, Vorstandsvorsitzender des ATZ und Begründer des ersten Lehrstuhls für „Technologie der Biogenen Rohstoffe“ der TU München.

Die Region sei „arg gebeutelt“, deshalb sei es auch so wichtig, dass die Pilotanlagen, die im ATZ gebaut werden, draußen mit kommerziellen Partnern seriell gebaut werden. Grundlagenforschung wird im Netzwerk mit den umliegenden Hochschulen FH Amberg-Weiden, TU München, Uni Erlangen-Nürnberg und den Universitäten Regensburg und Bayreuth betrieben.

Wo Sulzbach aufhört und Rosenberg anfängt, weiß keiner so genau außer, dass Rosenberg eben „oben“ liegt. Rosenberg war schon immer die Bergstadt mit historischem Kern. Es geht zum ehemaligen Lustschloss Franziskaruh, hinauf auf den Schlossberg. Der Rundblick auf die Stadt und die alten Werksanlagen der Maxhütte ist grandios. Die erloschenen Hochöfen stimmen nachdenklich. Wie aber aus Geschichte Projekte werden, erzählt Karl Reyzl: Nur 300 m von der Maxhütte entfernt wurde Reyzl 1948 geboren, absolvierte auf der Hütte eine Lehre als Starkstromelektriker, dann das Ingenieurstudium. Mit dem Diplom in der Tasche, fiel ihm „nichts besseres ein“ als in die Maxhütte zurückzukehren. Heute ist Karl Reyzl Geschäftsführer des Rohrwerkes und beschäftigt sich auch damit, wie man den alten Charme des 60 ha großen Maxhütte-Areals vermarktet.

An diesem Tag ist eine Vernissage in der alten Hauptverwaltung dran. Zwischen Ölgemälden von den 6000ern dieser Welt sollen neue Mieter gefunden werden, die dem bereits eingezogenen Rechtsanwalt und Steuerberater Gesellschaft leisten.

Andere Unternehmen haben schon ihren Platz gefunden – in den Industriegebieten Unterschwaig-Eisenhämmerstraße, Kauerhof-West und Kropfersricht mit einer Gesamtfläche von über 90 ha, Erweiterung um 50 ha in Planung. Im Kauerhof hat sich die Firma Elastoform niedergelassen, ein „Spezialist in Sachen Werbemittel“. „Ja, es ist ländlich“, räumt Marketingleiter Markus Kreuzer ein. Dafür sei Sulzbach-Rosenberg gut erreichbar. Über die A 6 brauche man mit dem Auto keine 40 Minuten nach Nürnberg.

300 Mitarbeiter produzieren für Elastoform, was Aufsehen erregt: bunte Space-Flyer (besser bekannt als Frisbee-Scheibe), Eiskratzer, Wasserbälle, Schneeflitzies, aufblasbare Hände. Auch die 2006 anstehende Fußball-WM wird vermarktet. Obligatorisch sind die Trainingsbälle, die Kür stellt das Programm „Kick & Fun“ dar: Drückt man den „Manderln“ (Männchen) auf den Kopf, holt der Plastik-Kicker zum gezielten Schuss aus. Das gleiche Prinzip gibt es auch noch als „leere“ Flasche Trappatoni lässt grüßen…

Zurück in die Zukunft. Impulsgeber und „Stachel im Fleisch“ will die Zukunftsagentur Plus sein, die Entwicklungsgesellschaft der Region. „Damit der Strukturwandel nicht ins Stocken gerät“, erklärt Geschäftsführer Florian Rieder die drastische Wortwahl. Alle Projekte, die die Agentur betreut, dienen dem gleichen, übergeordneten Ziel: der Sicherung und Neuschaffung von Arbeitsplätzen.

„Die Agentur fasst all das zusammen, was zur Entwicklung der Stadt Sulzbach-Rosenberg und der Region beiträgt“, sagt Rieder und zählt auf: Etablierung als Kompetenzregion für Energie und Umwelt Unterstützung der regionalen Unternehmen Beratung auch bei grenzüberschreitenden Projekten, insbesondere für die überdurchschnittlich hohe Anzahl von Planungs- und Ingenieurbüros. Schließlich ist die Grenze zu Tschechien nur 35 km entfernt.

Aufträge für Handwerk und Dienstleistung erhofft man sich vom Ausbau des US-Truppenübungsplatzes in Gravenwöhr und durch die geplante Sanierung des aus der Erzverhüttung stammenden Schlackeberges. Und nicht zuletzt soll der Tourismus angekurbelt werden. Sulzbach-Rosenberg will als Urlaubsgebiet, aber auch als Tagungszentrum stärker auf sich aufmerksam machen. Vor allem der Stadtteil Sulzbach, den Kaiser Karl IV. sogar zur Hauptstadt „Neuböhmens“ machte, kann mit einem bemerkenswerten Mix von Kultur und ausgezeichneter Gastronomie werben.

Dass das Unternehmen „Stadt“ sich erfolgreich positionieren konnte, liegt zu einem guten Teil am funktionierenden Netzwerk, ist Bürgermeister Gerd Geismann überzeugt. „Sulzbach-Rosenberg ist zu klein, um selbstständig existieren zu können“, sagt Geismann durchaus selbstbewusst. Der Botschaft lässt er Taten folgen: Seit kurzem sitzt Geismann als stellvertretender Vorsitzender im Rat der Metropolregion Nürnberg – um mit dem alten Glanz des Stahles neue Wege zu bescheinen. ISABELLE KECK

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