Kultur 25.07.2008, 19:36 Uhr

Das größte Risiko bleibt ein Taifun  

VDI nachrichten, Hongkong, 25. 7. 08, rok – In Hongkong, dem Veranstaltungsort der olympischen Reitwettbewerbe, scheint alles etwas ruhiger abzulaufen als in der Hauptstadt. Und den einzigen Störfaktor, den die Verantwortlichen wirklich fürchten, einen Taifun, wollen sie dann einfach aussitzen. „So viel Zeit ist im Zeitplan drin.“

Wenig ist den Regierenden in Peking dieser Tage so zuwider wie der Gedanke daran, dass die olympischen Ereignisse Mitte August in der chinesischen Hauptstadt krisengeplagt über die Hürden gepeitscht werden müssen, während die Reitwettbewerbe in Hongkong wie eine freundliche Sommerparty abrollen.

„Vor allem soll das hier nicht als eine getrennte Veranstaltung gesehen und präsentiert werden, sondern als Teil der All-China-Show“, wiederholt ein Sprecher der Stadt die Botschaft des olympischen Organisationskomitees (Bocog). Verständlich, denn hier und da könnte der Schluss gezogen werden, dass das auch mit den politisch weniger verklemmten und drangsalierenden Verhältnissen in der Finanz- und Wirtschaftsmetropole am Südchinesischen Meer zu tun haben könnte.

Sei es wie es sei, Hongkong ist gerüstet und vermittelt den Eindruck, von einer „Pferde-Regierung“ gemanagt zu werden. Die Vierbeiner und die olympischen Ringe sind nicht zu übersehen, stets verbunden mit dem „Beijing 2008“, versteht sich. Vom Hong Kong Park, dem Kowloon- oder Victoria-Park bis zu den Shopping Malls, nirgendwo kommen Zweifel auf, wer dieser Tage den Ton angibt. Inmitten von all dem überschaut Winfried Engelbrecht-Bresges das bewegte Treiben. Der Pferdenarr aus dem Rheinland, seit einem guten Jahr CEO des renommierten Hong Kong Jockey Clubs, erlebt die Show seines Lebens. Gemeinsam mit der Equestrian Company (EC) und Bocog in Beijing managt der Club die Vorbereitung und den Ablauf der Spring-, Dressur- und Geländereitwettbewerbe in aufpolierten Anlagen in Sha Tin in den New Territories.

Runde 150 Mio. $ investierte die Regierung der Sonderverwaltungszone in den letzen beiden Jahren in die Operation Olympia. Nicht nur Engelbrecht-Bresges zählt das Reitstadion für 18 000 Zuschauer, Ställe für 300 Pferde und die benachbarten medizinischen Quartiere zu den modernsten der Welt. „Internationale Experten äußern sich sehr positiv über das, was wir auf die Beine gestellt haben“, sagt er und hofft, dass das seinen Landsleuten Glück bringt.

Auch Deutschlands Generalkonsul in Hongkong, Frank Burbach, sieht den Olympischen Spielen positiv entgegen: „International sitzt Deutschland prominent im Sattel“, meint er bedeutungsvoll. In Hongkong könnte das deutsche Team einen guten Teil der Medaillen ernten. Die Deutschen zählen zu den größten Mannschaften der am 9. August startenden Wettbewerbe. Insgesamt nehmen 204 Reiter aus 42 Ländern an der olympischen Konkurrenz teil.

Wo sind die Probleme? „Das Wohlergehen der Pferde war das heißeste Thema unserer letzten Pressekonferenz in Peking“, berichtet Mark Pinkstone Mitte Juli. Er ist der Sprecher der Equestrian Company. Warm war es allerdings auch 1996 in Atlanta, und im pferdevernarrten Texas sieht das Klima nicht viel anders aus. Denn auch in Hongkong wandert der potenziell problematischste Krisenfall der Manager des olympischen Reitfestes herum. „Das Anlanden eines Taifuns wäre unser größter Kopfzerbrecher“, sagt Pinkstone. Gemeinsam mit den Wetterstrategen der Stadt, die ein- bis zweimal im Jahr von einem Wirbelsturm gebeutelt wird, wurde eine Verteidigungsstrategie ausgearbeitet. Pinkstone: „Kommt es dazu, sitzen wir das schlicht und einfach aus. Im schlimmsten Fall sind das zwei Tage, wir haben diese zeitliche Flexibilität in den Plan eingebracht.“

Das ist auf Geheiß Pekings nicht alles, was in Hongkong an Sicherheitsmaßnahmen bewegt werden muss. 4000 Polizisten haben sich nach Verdächtigen umzuschauen, Urlaub gibt es im August für Ordnungshüter nicht. An den Grenzübergangsstellen werden schwarze Listen konsultiert, um unerwünschte Personen außen vorzuhalten und auch die Wasserwege in der Nähe Sha Tins werden verbarrikadiert.

Tibetanische Flaggen und Banner anderer politisch und religiös wenig geschätzter Gruppen dürfen nicht auf dem Wettbewerbsgelände gezeigt werden. Wie in Peking müssen die Eintrittskontrollen zwei Stunden vor dem Start passiert werden. Sogar einen Drill für den Fall einer biochemischen Attacke in Sha Tin hatte Peking angeordnet.

Bereits im Juni lief eine breite Säuberungsaktion an, um Drogenhändler, Bordelle, illegale Spielsalons und Händler von Kopieprodukten zurückzustemmen. 1600 Personen fanden sich in zeitweiliger Haft wieder, 300 zweifelhafte auf Touristen spezialisierte Plätze wurden ausgehoben. „Thunderbolt 08“ war der Kodename der Operation mit den Triaden im Fadenkreuz. „Hongkong ist bereit“, freut sich Lam Woon-Kwong, der CEO der Equestrian Company. Die Manager des Jockey Clubs schauen etwas weiter. Bei einem eindrucksvollen Erfolg, könne Hongkong durchaus zu einer der ersten Arenen für internationale Reitwettbewerbe aufrücken.

Nicht nur das. Das Wettgeschäft des Jockey Clubs könnte ebenfalls mehr Aufwind gebrauchen. Der gemeinnützige Club war auch im letzten Jahr Hongkongs erster Steuerzahler. Die lärmigen Casinos in der benachbarten Spielkapitale des Pazifiks, Macao, lenken zunehmend von den Pferderennen ab. Wenn international zugelegt werden könnte, wäre das sehr willkommen. Genau das will Engelbrecht-Bresges voranbringen. Seit letztem Herbst kann in Connecticut auf Pferde der Rennen in Hongkong gesetzt werden, in Fooxwoods Resort Casino, dem größten Spielpalast der Welt.

JAN HOEHN

Das Wohlergehen der Pferde ist Thema Nr. 1

Von Jan Hoehn

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