Kultur 27.10.2000, 17:27 Uhr

Damit es mit dem Nachbarn klappt

-Fusionen von Firmen und Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen scheitern nicht selten an Missverständnissen. Ein Fall für die Fachleute für „Interkulturelle Kommunikation“ an der Uni Jena.

Ihre Freunde in Deutschland sucht sich Sonja Bründl-Price stets nach deren Sinn für Humor aus. „Davon gibt es hier viele.“ Damit tritt die gebürtige Engländerin den Beweis an, dass pauschale Kritik an den vermeintlich humorlosen Deutschen unzutreffend ist. „Ebenso wie die Behauptung, dass die Engländer nicht kochen können.“
Als Tochter eines Deutschen und einer Engländerin ist die 40-Jährige seit langem zwischen zwei Ländern mit recht unterschiedlichen Kulturen unterwegs. Ihre Erfahrung im Umgang mit Menschen verschiedener Charaktere und Herkunft macht die studierte Volkswirtin zu einer gefragten Expertin im Wissenschaftsbereich Interkulturelles Management. Am Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation (IWK) der Friedrich-Schiller-Universität Jena promoviert Sonja Bründl-Price seit eineinhalb Jahren in Anglistik. Ihre enge Verbindung von soliden Kenntnissen der Betriebswirtschaft mit Sprach- und Literaturwissenschaften ist typisch für das breite Ausbildungsspektrum aller Mitarbeiter im Fachgebiet. Mit dem Leiter Prof. Dr. Jürgen Bolten und Agnes Sommer, Geschäftsführerin der Juniorenfirma IWK Consult & Training e.V., gibt es hier nur zwei Deutsche.
Das Studium und die Tätigkeit der wissenschaftlichen Mitarbeiter in der Praxis erfreuen sich einer ständig wachsenden Nachfrage. Als die heute 28-Jährige Agnes Sommer vor fünf Jahren mit ihrem Studium in Jena angefangen hatte, „waren wir gerade einmal 25 Personen im Fachgebiet IWK. Heute sind Seminare vor 120 Leuten keine Seltenheit mehr.“ Und erst kürzlich hatte bei ihr ein Pumpenhersteller aus Dortmund angerufen, weil im Umgang mit dessen französischer Niederlassung plötzlich Probleme auftauchten. Demnächst erhalten je fünf Ingenieure und Top-Manager aus Dortmund ein Vier-Tage-Training aus Jena.
Sonja Bründl-Price bezeichnet die fortschreitende Globalisierung der Märkte als hauptsächliche Ursache für die steigende Nachfrage nach Wissenschaftlern auf dem Gebiet. Bründl-Price, die seit 13 Jahren in Deutschland verheiratet ist und seit zwei Jahren in Weimar wohnt, ist sich sicher: „Ich unterrichte, was ich täglich erlebe. Was in Deutschland höflich erscheint, trifft noch lange nicht auf England zu.“ Persönliche Erfahrungen und Praxiswissen will Bründl-Price dort einsetzen, „wo es aufgrund unterschiedlicher Identitäten in Unternehmen zu Problemen kommen kann“. Zwischen 50 % und 60 % aller internationalen Fusionen drohten deshalb zu scheitern, weil Märkte nicht als Kulturen verstanden würden. Das Experiment von Rover und BMW ist dabei nur eines von vielen Beispielen aus jüngster Zeit. „Die Fusion ist nicht nur aus finanziellen Gründen gescheitert“, ist sich die Jenaer Wissenschaftlerin sicher.
Jürgen Bolten setzt auch deshalb auf die wachsende Bedeutung seines Fachgebietes, weil Interkulturelle Wirtschaftskommunikation immer mehr in Schulen Einzug hält, wie beispielsweise in diesem Jahr in Thüringen, als ein weiterer Bestandteil des Ethik-Unterrichts. „Interkulturelle Kommunikation hat in den vergangenen Jahren sowohl in der Forschung als auch in der Praxis erheblich an Bedeutung gewonnen. Dies betrifft sowohl den nationalen Unternehmensalltag, dessen Erfolg sich längst nicht mehr nur über die so genannten harten Faktoren definiert. Das betrifft auch den gesamten Bereich der Aus- und Weiterbildung: Interkulturelle Kommunikation ist heute ein universitäres Studienfach. Es zählt zu den wichtigsten Aufgabenbereichen internationaler Personalentwicklung. Dass ausgerechnet eine Mitarbeiterin aus der Gründertruppe der Jenaer Juniorenfirma IWK Consult & Training heute in der Öffentlichkeitsarbeit von BMW beschäftigt ist, nennt Bolten „Ironie des Schicksals“. M. KEIM

Von M. Keim
Von M. Keim

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