Goal Control bei der WM 24.03.2014, 15:56 Uhr

Bundesliga-Clubs gegen die Einführung der Torlinientechnik

Mit einer deutlichen Mehrheit haben sich die Clubs von 1. und 2. Bundesliga am Montag gegen die Einführung der Torlinientechnik ausgesprochen. Damit wird es weder das Hawk Eye geben, das im Profi-Tennis und der britischen Profiliga genutzt wird, noch das von deutschen Ingenieuren entwickelte Goal Control, das die Fifa erstmals bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien einsetzt. Auch der Chip im Ball ist damit erstmals passé.

Bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika schoss der Engländer Frank Lampard ein klares Tor, das der Schiedsrichter aber nicht anerkannte. Daraufhin entschied Fifa-Chef Blatter, dass bei der WM 2014 Torlinientechnik eingesetzt wird.

Bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika schoss der Engländer Frank Lampard ein klares Tor, das der Schiedsrichter aber nicht anerkannte. Daraufhin entschied Fifa-Chef Blatter, dass bei der WM 2014 Torlinientechnik eingesetzt wird.

Foto: dpa

Obwohl sich im Vorfeld der Entscheidung viele Clubs wie Bayern München, Bayer Leverkusen, die TSG Hoffenheim und die auch die Schiedsrichter für die Einführung einer Torlinientechnik ausgesprochen hatten, war die Ablehnung überraschend groß: Nur 9 der 36 Bundesliga-Club stimmt für die Einführung der Technik, die klärt, ob ein Ball die Torlinien überschritten hat.

„Insgesamt war die Haltung in der Bundesliga sehr aufgeschlossen bei dem Thema“, sagte Helmut Sandrock, Generalsekretär des Deutschen Fußballbundes (DFB), vor der Abstimmung der Nachrichtenagentur dpa. Er sollte irren. Nach der Abstimmung sagte der Präsident des Ligaverbandes DFL, Reinhard Rauball: „Bis auf weiteres hat sich dieses Thema für uns damit erledigt.“

Torlinientechnik des deutschen Unternehmens Goal Control: Sieben Hochgeschwindigkeitskameras haben das Tor im Blick und können genau berechnen, ob ein Ball die Torlinie überschritten hat. Das System wird  von der Fifa bei der Fußball-WM in Brasilien eingesetzt. Die Bundesliga hat sich jetzt gegen die Einführung einer Torlinientechnik entschieden.

Torlinientechnik des deutschen Unternehmens Goal Control: Sieben Hochgeschwindigkeitskameras haben das Tor im Blick und können genau berechnen, ob ein Ball die Torlinie überschritten hat. Das System wird  von der Fifa bei der Fußball-WM in Brasilien eingesetzt. Die Bundesliga hat sich jetzt gegen die Einführung einer Torlinientechnik entschieden.

Foto: Goal Control

Gerade in der laufenden Saison hatte das Thema durch das Phantomtor des Leverkusener Stürmers Stefan Kießling in Hoffenheim neue Nahrung bekommen. Im Oktober vergangenen Jahres hatte Kießling knapp neben das Hoffenheimer Tor geköpft. Der Ball schlüpfte jedoch durch ein Loch im Netz noch ins Tor. Hoffenheim musste jüngst im Spiel gegen Nürnberg einen klaren Treffer abgeben.

„Im Fußball geht es um so unglaublich viel: Ehre, Erfolg oder Geld. Ich finde, da müssen wir alles tun, um einen ordentlichen Spielerfolg zu garantieren“, hatte Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade vor der Entscheidung für die Torlinientechnik geworben. Gegner der Technologie ist dagegen Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Meine Position ist klar: Ich bin dagegen. Mir ist das Ganze noch nicht ausgereift genug.“ Schalkes Manager Horst Heldt lehnte die Technik als zu teuer ab für die Masse der Clubs und die wenigen umstrittenen Entscheidungen.

Torkameras aus Würselen für die WM 2014 in Brasilien

Trotzdem werden die deutschen Fußball-Profis schon bald die ersten Erfahrungen mit der neuen Technik sammeln können. Bei der Fußballweltmeisterschaft im Sommer in Brasilien wird das System des deutschen Unternehmens Goal Control aus Würselen bei Aachen zum Einsatz kommen.

In den Stadien sind auf Höhe des Stadiondaches 14 Hochgeschwindigkeitskameras – sieben für jedes Tor – installiert, die bis zu 500 Einzelbilder pro Sekunde schießen. Mit Hilfe einer Software ermitteln sie die Position des Balls in drei Dimensionen, mit einer Genauigkeit von fünf Millimetern. Faktoren wie Spieler oder Schiedsrichter blendet die Software aus.

Wenn der Ball die Torlinie überschritten hat, zeigt das System von Goal Control das dem Schiedsrichter auf einer Armbanduhr an.

Wenn der Ball die Torlinie überschritten hat, zeigt das System von Goal Control das dem Schiedsrichter auf einer Armbanduhr an.

Foto: Goal Control

Sobald der Ball über die Torlinie rollt oder fliegt, sendet Goal Control ein Signal an die Uhr des Unparteiischen. Eine Replay-Funktion macht es möglich, den Weg des Balles exakt nachzuzeichnen. Ganz billig ist die Technologie nicht: Rund 200.000 Euro soll sie pro Stadion kosten. Die englische Premier-League vertraut seit der Saison 2013/2014 auf ein ähnliches Kamerasystem namens Hawk Eye, das allerdings noch deutlich teurer ist.

Zu den umstrittensten Schiedsrichterentscheidungen in der Geschichte des Sports zählt das berühmte Wembley-Tor im WM-Finale 1966. Damals schoss der englische Nationalspieler Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Torlatte des deutschen Torwarts Hans Tilkowski. Der Ball prallte auf die Torlinie, Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied auf Tor. Eine Entscheidung, die seit Jahrzehnten Zankapfel ist.

Für eine Art Versöhnung sorgte ein ähnlicher Schicksalsschlag beim WM-Achtelfinale zwischen Deutschland und England im Jahr 2010. Der Ball des englischen Spielers Frank Lampard prallte von der Latte eindeutig mehr als einen Meter hinter die Torlinie, trotzdem erkannte der Schiedsrichter das Tor nicht an. Grund genug für den Weltfußballverband Fifa, bei der WM 2014 in Brasilien Torlinientechnik einzuführen.

Das Goalref-System des Fraunhofer-Instituts arbeitet mit einem Magnetfeld. Somit kann es die Position des Balls auch dann zuverlässig erkennen, wenn ihn der Spieler verdeckt.

Das Goalref-System des Fraunhofer-Instituts arbeitet mit einem Magnetfeld. Somit kann es die Position des Balls auch dann zuverlässig erkennen, wenn ihn der Spieler verdeckt.

Foto: Fraunhofer IIS

Magnetfeldsystem des Fraunhofer-Instituts als Alternative

Alternativ zum Kamerasystem haben die Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) in Nürnberg das System Goalref entwickelt. Das funktioniert wie folgt: Im Tor herrscht ein schwaches Magnetfeld, im Ball befinden sie zwischen Blase und Außenhülle Spulendrähte. Sie bauen mittels Induktion ein eigenes Feld auf, sobald sie in das Tormagnetfeld gelangen. Antennen erfassen dann die Magnetfeldänderungen. Sobald der Ball die Torlinie vollständig überquert, erscheint das Wort Goal auf der Uhr des Schiedsrichters.

Unternehmen Cairos setzt auf Chip im Ball

Ähnlich wie Goalref funktioniert Cairos, ein weiteres Magnetfeldsystem des deutschen Unternehmens Cairos aus Karlsbad bei Karlsruhe. Dabei verlegen Techniker 15 Zentimeter unter dem Rasen ein dünnes Kabel, ein weiteres im Torgehäuse. So entsteht ein Magnetfeld hinter dem Tor.

Gemeinsam mit Adidas hat das Unternehmen einen passenden Ball entwickelt, in dessen Mitte ein Chip auf einem mehrfüßigen Stützsystem installiert ist. Sobald sich der Ball der Linie nähert, registriert der Chip das Magnetfeld und sendet Daten an Antennen neben dem Tor. Eine Software berechnet dann, ober der Ball die Linie vollständig überquert hat. 

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