Privatsphäre to go 28.11.2014, 08:33 Uhr

Brotbeutel zum Überziehen für die kleine Pause zwischendurch

Nein, das ist weder eine Burka noch hat sich jemand als Raupe verkleidet. Das tragbare Gehäuse namens Lunch Sack der Kunststudentin Eden Lew ist vielmehr ein Versuch, an einem vollgepackten Tag eine stressfreie Pause zu machen – egal wie viele Menschen im selben Raum sind. 

Alles zuviel? Dann einfach den Lunch Sack über den Oberkörper ziehen und entspannen. Signal an die Mitmenschen: bitte in Ruhe lassen. 

Alles zuviel? Dann einfach den Lunch Sack über den Oberkörper ziehen und entspannen. Signal an die Mitmenschen: bitte in Ruhe lassen. 

Foto: Eden Lew

Das will die Kunststudentin Eden Lew der New Yorker School of Visual Arts mit ihrer Erfindung erreichen, die aus ein wenig Stoff und ein paar Streben zur Versteifung besteht: Will man kurz abschalten, nichts und niemanden sehen, sondern nur seinen eigenen Gedanken nachhängen, zieht man sich den Lunch Sack einfach über den Kopf. 

Es entsteht ein Mini-Zelt, das gerade einmal den Kopf und den vorderen Oberkörper umhüllt, dabei aber genügend Platz lässt, um eine Kleinigkeit zu essen, ein wenig zu dösen oder einfach seinen Gedanken nachzuhängen – dass man gerade nicht auf Empfang ist und für Gespräche bereitsteht, sehen zumindest halbwegs intelligente Mitmenschen auf einen Blick. Wird das kleine Privatzelt gerade nicht benötigt, kann es wie ein Schal um die Schultern gelegt werden – stets bereit für den nächsten Einsatz. 

Eigene Pausenerfahrung gab den Ausschlag

Mittagspausen sind nicht nur der Verwendungszweck für den Lunch Sack, sondern waren gleichzeitig auch Inspirationsquelle. Entwickelt hat Eden Lew ihr Zelt als Beitrag für ein Seminar namens Affirming Artifacts: Aus dem nächsten Gegenstand, den sie wegwerfen, sollten die Studenten ein Produkt entwickeln. 

Lews nächster Abfallgegenstand war eine Brottüte, die eine wahre Gedankenflut bei der Studentin auslöste. Ausschlaggebend für die Entwicklung ihrer Privatsphäre to go war am Ende ihre eigene Pausenerfahrung: Sie wähle immer das am schnellsten zu verzehrende Mahl, um ihren Arbeitsfluss nicht zu unterbrechen, erklärt sie. Und wenn sie sich schon fünf Minuten oder weniger für sich nehme, wolle sie die auch ungestört mit Denken verbringen.

Zeit für eine Lunch-Sack-Pause ist fast überall. Und in der Arbeitszeit lässt sich das Mini-Zelt wie einen Schal tragen. 

Zeit für eine Lunch-Sack-Pause ist fast überall. Und in der Arbeitszeit lässt sich das Mini-Zelt wie einen Schal tragen. 

Foto: Eden Lew

Sieben Wochen Entwicklungszeit später war der Lunch Sack geboren, bereitwillig getestet von Eden Lews Kommilitonen. Doch damit nicht genug: Ergänzend zum Lunch Sack entstanden noch weitere Produkte und als Klammer ein fiktives Unternehmen, das den Namen Nutshell trägt. Neben der hellen Variante, die Licht hindurchlässt, gibt es auch die Blackout-Variante, die die den geschaffenen Freiraum für ein Nickerchen verdunkelt, oder den Plüsch-Helm mit Kopfhörern namens Headshell für alle, die sich allein unter Menschenmassen auf ihre Musik konzentrieren und so abschalten wollen. 

Umsetzung steht bisher in den Sternen

Um in den Pausen auch möglichst produktiv und effektiv zu entspannen, entwickelte Eden Lew zusätzlich auch noch Ideen für Apps mit gelenkter Meditation, eine Nutshell-Community und Entspannungsmusik. Weitere Produkte sind ebenfalls schon angedacht – zumindest auf dem Internetauftritt ihres fiktiven Unternehmens, das sogar eine fiktive Forschungsabteilung namens Nutshell Labs besitzt, die sich um die psychologischen Effekte der Produkte kümmert. 

Ob Nutshell jemals Realität wird und die Privatzelte irgendwann einmal erwerbbar sind, steht derzeit in den Sternen – noch handelt es sich einfach um eine Seminararbeit. Einen Tipp hat Eden Lew jedoch bereits für die Nutzer: Es empfehle sich, den Lunch Sack und die anderen tragbaren Pausenräume unter Menschen zu nutzen, die man kennt. In der Öffentlichkeit könnten Mitmenschen so irritiert reagieren, dass jegliche Erholung sofort wieder dahin sei.  

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