Exo-Evolution in Karlsruhe 02.11.2015, 09:13 Uhr

Ausstellung: Wie der Mensch seine Körperfunktionen auslagert

Eine Art künstlerische Praline für Ingenieure ist die neue Ausstellung Exo-Evolution in Karlsruhe. Hier gehen Kunst und Wissenschaft Hand in Hand, neue Technologien werden von den Künstlern angewandt. Die groß angelegte Schau im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) will auch Visionen und Lösungen für Probleme des 21. Jahrhunderts liefern.

Unsere neue Realität ist auch von Robotern geprägt. Zur Ausstellungseröffnung wird die Roboterperformance „Inferno“ von Louis-Philippe Demers und Bill Vorn gezeigt. Die Besucher schlüpfen dabei selbst in Roboterhüllen, haben aber keine Kontrolle mehr über ihre Exo-Skelette.

Unsere neue Realität ist auch von Robotern geprägt. Zur Ausstellungseröffnung wird die Roboterperformance „Inferno“ von Louis-Philippe Demers und Bill Vorn gezeigt. Die Besucher schlüpfen dabei selbst in Roboterhüllen, haben aber keine Kontrolle mehr über ihre Exo-Skelette.

Foto: Louis-Philippe Demers

Von manuellen bis zu mentalen Werkzeugen, vom Hammer bis zur Sprache, hat der Mensch im Laufe der Jahrtausende eine Werkzeugkultur, eine „engineering culture“, hervorgebracht, die die Grenzen der Wahrnehmung und der Welt erweiterte. Inzwischen ist unsere Welt geprägt von 3D-Druckern und Robotern, Cyborgs und Chimären, Sensoren und Gen-Pools, von tragbaren Technologien und medizinischen Wundern, von synthetischen Lebewesen, bionischen Anzügen und Silikonnetzhäuten, künstlichem Gewebe und Reparaturtechniken.

Mit diesen quasi ausgelagerten Organen tritt der Mensch aus der Evolution aus, er befreit sich von der Gewalt der Natur und schafft mit seinen Werkzeugen eine künstliche Exo-Evolution.

Unsere technologisch geprägte Welt hat auch Eindruck auf die zeitgenössische Kunst hinterlassen, die sich zum Beispiel mit dem Medium der Fotografie oder mithilfe des Computers längst apparative Wahrnehmungen zueigen gemacht hat.

„Artificial Nature“ gehört zu einem Forschungsprojekt der beiden Künstler Haru Ji und Graham Wakefield. In den dazugehörigen Installationen zeigen sie ein programmiertes digitales Ökosystem mit Organismen, die in einem endlosen Fluidum wachsen, verdauen, sich fortpflanzen und sterben. Diese „künstliche Natur“ ist keine Simulation, sondern gehorcht einer eigenen Logik.

„Artificial Nature“ gehört zu einem Forschungsprojekt der beiden Künstler Haru Ji und Graham Wakefield. In den dazugehörigen Installationen zeigen sie ein programmiertes digitales Ökosystem mit Organismen, die in einem endlosen Fluidum wachsen, verdauen, sich fortpflanzen und sterben. Diese „künstliche Natur“ ist keine Simulation, sondern gehorcht einer eigenen Logik.

Foto: Graham Wakefield

Dadurch entsteht ein neues Bewusstsein für die Verschränkung verschiedener Wahrnehmungen, von Gegenstandswelt und Medienwelt, Kunst und Wissenschaft. Hier entstehen auch die Schnittstellen zur Konstruktion neuer Wirklichkeiten und neuer Kommunikationsformen.

Künstler simulieren biologisches Zellwachstum

Mehr als 100 Positionen zur Verschränkung von Kunst und Wissenschaft zeigt die Schau im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM). So hat sich die Architektin und Designerin Alisa Andrasek mit dem 3D-Druck beschäftigt und simuliert in ihren „XenoCells“ biologisches Zellwachstum, das sich örtlich differenziert, um auf Nährstoffe und Hemmstoffe zu reagieren.

Allison Kudla druckt ebenfalls, aber mit einer selbstgebauten CNC-Maschine. Auf einem Positionierungstisch lässt sie Muster aus Algen und Samen entstehen, die von Algorithmen gesteuert werden.

Die 35-jährige Allison Kudla aus Seattle druckt mit einer selbstgebauten CNC-Maschine bio-architektonische Konstrukte aus Algen und Samen. Dafür nutzt sie einen computergesteuerten Positionierungstisch. Werden die Samen in das Wachstumsmedium – ein durchsichtiges Gel – eingebracht, wachsen die Algen weiter und die Samen keimen. So verknüpfen sich die Konzepte „Stadt“ und Organismus“. 

Die 35-jährige Allison Kudla aus Seattle druckt mit einer selbstgebauten CNC-Maschine bio-architektonische Konstrukte aus Algen und Samen. Dafür nutzt sie einen computergesteuerten Positionierungstisch. Werden die Samen in das Wachstumsmedium – ein durchsichtiges Gel – eingebracht, wachsen die Algen weiter und die Samen keimen. So verknüpfen sich die Konzepte „Stadt“ und Organismus“. 

Foto: Miha Fras

Die Künstlerin Maja Smrekar macht mit ihrer Arbeit auf biotechnologisch inspirierte Ansätze der Nahrungsmittelindustrie aufmerksam. Für die Ausstellung wird ein Joghurt hergestellt, der das Produkt eines Enzyms der Künstlerin enthält und öffentlich zum Konsum angeboten wird.

Das Projekt Hu.M.C.C – Human Molecular Colonization Capacity der slowenischen Künstlerin Maja Smrekar beschäftigt sich mit den biotechnologischen Ansätzen der Nahrungsmittelindustrie. Hergestellt wird ein Joghurt, der das Produkt eines Enzyms der Künstlerin enthält und öffentlich zum Konsum angeboten wird.

Das Projekt Hu.M.C.C – Human Molecular Colonization Capacity der slowenischen Künstlerin Maja Smrekar beschäftigt sich mit den biotechnologischen Ansätzen der Nahrungsmittelindustrie. Hergestellt wird ein Joghurt, der das Produkt eines Enzyms der Künstlerin enthält und öffentlich zum Konsum angeboten wird.

Foto: Maja Smrekar/Joze Suhadolnik

In weiteren Bereichen der Ausstellung geht es außerdem um anthropogene, also von Menschen erschaffene Mineralien oder um die Automatisierung in der Industrie mithilfe von Robotern.

Die Anthropozän-These

Die Ausstellung in Karlsruhe darf man in ihrer Gesamtheit wohl als Argument für die sogenannte Anthropozän-These verstehen. Vor 15 Jahren wurde der Begriff vom Nobelpreisträger und früheren Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, dem niederländischen Meteorologen Paul Crutzen eingeführt.

Die These geht davon aus, dass wir den jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte, das Holozän, bereits verlassen haben. Das neue Erdzeitalter Anthropozän wäre bestimmt von immer weniger Natur und immer mehr Technik und menschlichem Gestaltungswillen.

Das “ecoLogicStudio” von Claudia Pasquero und Marco Poletto ist ein Architektur- und Designbüro in London. Hier versuchen die Designer die Stadt neu zu definieren, indem sie modernes digitales Stadtleben mit ökologischen Aspekten zusammenbringen.

Das “ecoLogicStudio” von Claudia Pasquero und Marco Poletto ist ein Architektur- und Designbüro in London. Hier versuchen die Designer die Stadt neu zu definieren, indem sie modernes digitales Stadtleben mit ökologischen Aspekten zusammenbringen.

Foto: Pasquero/Poletto

Damit verbunden sind Begleiterscheinungen wie zunehmender Plastikmüll, vermehrter Ausstoß von Treibhausgasen, Abholzungen riesiger Waldgebiete, steigende Meeresspiegel oder ausgestorbene Pflanzen- und Tierarten.

Alexandra Daisy Ginsberg aus London rüstet sich für das „sechste große Artensterben“ und fragt sich, wie die Welt mit einer synthetischen Biologie aussehen könnte. Könnte eine freigesetzte synthetische Biologie – eine Rückverwilderung – die Natur vielleicht sogar „besser“ machen?

Alexandra Daisy Ginsberg aus London rüstet sich für das „sechste große Artensterben“ und fragt sich, wie die Welt mit einer synthetischen Biologie aussehen könnte. Könnte eine freigesetzte synthetische Biologie – eine Rückverwilderung – die Natur vielleicht sogar „besser“ machen?

Foto: Alexandra Daisy Ginsberg

Demgegenüber stehen neu gewonnene technische Möglichkeiten, etwa in der Raumfahrt, oder immense medizinische Fortschritte. Die Ausstellung Exo-Evolution liefert die Plattform, um über beides nachzudenken.

Die israelische Künstlerin Nurit Bar-Shai beschäftigt sich in „Soundscapes“ mit dem chemischen Austausch von Mikroorganismen und ihrem Sozialleben. Mithilfe von Klangwellen hat sie die Botschaften der Mikroorganismen, die sich in Kolonien mit komplexen architektonischen Strukturen zusammenfinden, visualisiert.

Die israelische Künstlerin Nurit Bar-Shai beschäftigt sich in „Soundscapes“ mit dem chemischen Austausch von Mikroorganismen und ihrem Sozialleben. Mithilfe von Klangwellen hat sie die Botschaften der Mikroorganismen, die sich in Kolonien mit komplexen architektonischen Strukturen zusammenfinden, visualisiert.

Foto: Nurit Bar-Shai

Die Ausstellung läuft vom 31.10. 2015 bis 28.2.2016 im ZKM Karlsruhe, Lorenzstraße 19.

Von Gudrun von Schoenebeck

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