Berliner Museum für Kommunikation 22.06.2012, 11:55 Uhr

Ausstellung untersucht Do-it-yourself-Trend

Das Berliner Museum für Kommunikation untersucht den Do-it-yourself-Trend. Ich bastele, also bin ich! Diese Einstellung hat Tradition.

Ich gebe zu: Ich bin kein Do-it-yourself-Typ. Vor einigen Tagen habe ich diese Tatsache wieder einmal deutlich vor Augen geführt bekommen. Da hatte ich den billig auf eBay ersteigerten Tischkicker, der völlig zerlegt in einem riesigen Paket per Post eingetroffen war, mit viel Mühe und Schweiß wieder auf die Beine gestellt. Die Kopfseiten standen etwas schräg heraus und das Spielfeld hatte eine sichtbare weiße Kante, aber der Ball rollte. Zum Grillabend, an dem wir den Kicker zünftig einweihen wollten, war auch ein befreundeter Nachbar eingeladen, ein studierter Maschinenbauingenieur, der sein eigenes Haus in Fachwerkbauweise weitgehend selbst errichtet hat. Er sah den Kicker, bat um einen Inbusschlüssel – und nach zehn Minuten sah der Tisch aus wie neu. Das ist echter DIY-Geist!

Selbermachen ist angesagt. Ja, das massenhafte Tüfteln, Heimwerken und Basteln ist nicht nur ein gesellschaftlicher Megatrend, sondern nichts weniger als eine Revolution. Das behauptet zumindest das Museum für Kommunikation in Berlin, das dem Phänomen Do-it-yourself jetzt eine äußerst unterhaltsame und zugleich informative Sonderausstellung widmet. Während sich Technik und Wissenschaft immer weiter spezialisieren, reagieren darauf viele Menschen mit Eigensinn. Sie finden eigene Lösungen, handwerkern lieber selbst, erfinden selbst und stellen dadurch das Vorgegebene auf ihre Weise infrage.

Von Do-it-yourself bis zur Gegenbewegung Hyperspezialisierung

Die Berliner Ausstellung schlägt einen sehr weiten Bogen, um diese gesellschaftliche Gegenbewegung zur Hyperspezialisierung in möglichst vielen Facetten darzustellen – er reicht vom selbst gebauten Puppenhaus bis zu den Online-Mitmachforen Wikipedia und YouTube, vom benutzerfreundlichen Akkuschraubenzieher für den Heimgebrauch bis zu den autonomen, selbst gefertigten Zeitschriften und Rundfunksendern der Alternativ- und Subkultur der 1970er-Jahre, vom Eigenbau in der deutschen Nachkriegszeit und der Mangelwirtschaft der DDR bis zu den Experimentierkästen für Kinder und Jugendliche, die bis heute für viele die Einstiegsdroge für eine lebenslange Do-it-yourself-Karriere sein können.

Es gibt wunderbare Dinge zu sehen in dieser Ausstellung. So erfährt man z. B., dass es eine weltweite, über das Internet verbundene Bewegung von Enthusiasten gibt, die versuchen, aus den Bestandteilen von Ikea-Produkten völlig neue Dinge herzustellen. Der schwedische Möbelkonzern kann als eine Ikone des Do-it-yourself angesehen werden, der auch völlig unbeleckte Zeitgenossen zu überzeugten Bastlern und Tüftlern werden lässt – mitunter unfreiwillig. Doch wie ein Engländer aus den Holzteilen des berühmten Schwingsessels „Poäng“ den markenrechtlich nicht geschützten Schlitten „Gopan“ zusammengefügt hat, das ist schon beeindruckend. Alle Originalteile des Sessels wurden dabei verbaut, und der Schöpfer hat sogar eine Bauanleitung im Ikea-Stil angefertigt!

Von solchen Enthusiasten lebt die ausgerufene „Do-it-yourself-Revolution“. Und ihnen ist in der Ausstellung auch gebührend Raum gewidmet. Etwa dem Kronberger Apotheker Julius Neubronner, der zu Beginn des 20. Jhd. Fotoapparate entwickelte, die er seinen Brieftauben umschnallte. Per Zeitschaltung entstanden so frühe Luftaufnahmen, die, wie sollte es anders sein, rasch das Interesse des Militärs weckten. Oder Konrad Adenauer, der neben seiner Tätigkeit als deutscher Bundeskanzler noch die Zeit fand, das von innen beleuchtete Stopfei zu erfinden.

Do-it-yourself: Hobby, Arbeit, Wissen und mehr

Die Ausstellung schlägt mit fünf Kapiteln Schneisen durch das Materialdickicht – Hobby, Arbeit, Gegenkulturen, Wissen und Medien. Einleuchtend ist etwa die Darstellung, wie der Verbraucher in der heutigen Zeit zunehmend zum aktiven Kunden wird – oder zum „Prosumer“, wie das betreffende soziologische Schlagwort lautet. Das begann in den 1950er-Jahren mit der Einführung des Selbstbedienungsladens, was damals noch ungewohnt war, wie ein zeitgenössischer Wochenschau-Beitrag belegt.

Heute gibt es – wieder ist Ikea ein Vorreiter – Kassen zum Selbereinscannen. Auch verlangt der Kunde zunehmend individualisierte Produkte – die selbstverständlich so kostengünstig und verfügbar wie Massenprodukte sein sollen. Ein frühes Beispiel war eine Sportschuhserie von Adidas aus dem Jahr 1983, die vollkommen in Weiß gestaltet war.

Dazu gab es die Möglichkeit, Farben für eine individuelle Gestaltung zu erwerben. Im Zeitalter des Internet ist die „Customization“, also die individuelle Gestaltung von Massenprodukten, längst ein gängiger Verkaufsmodus geworden.

Do-it-yourself-Haltung reicht in nahezu alle Lebensbereiche

Die Do-it-yourself-Haltung, so erfährt man, reicht also in fast alle Lebensbereiche hinein. Ein besonderes zeitgeschichtliches Kapitel blättert die Ausstellung im Kapitel „Gegenkulturen“ auf. Im Zentrum steht die Protest- und Alternativbewegung der 1970er-Jahre, die ohne den Hang zum Selbermachen nicht zu denken war. So wurden aus Misstrauen gegenüber den vorhandenen Medien eigene geschaffen, wie etwa den Piratensender Radio Dreyeckland, der aus der Anti-Atomkraft-Bewegung erwuchs, oder das Frankfurter Spontimagazin „Pflasterstrand“. Heute sind „selbst gemachte“ Medien vor allem im Internet zu finden, als Blogs oder Twitter- und Facebook-Seiten.

Natürlich darf in dieser Ausstellung auch gebastelt werden. Am Ausgang liegen Materialien etwa für kleine elektronische Konstruktionen bereit. Für Kinder und Jugendliche, aber auch für das Kind im Mann oder der Frau. Selbst DIY-Ignoranten wie ich können da kaum widerstehen.

Von Johannes Wendland

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