Ausstellung 13.06.2013, 13:30 Uhr

Ästhetik in allen Lebensbereichen

Der belgisch-flämische Architekt und Designer Henry van de Velde wird gerne als Universalkünstler bezeichnet. Anlässlich seines 150. Geburtstags zeigt eine Ausstellung im thüringischen Weimar bis zum 23. Juni 2013 seine breite Schaffenspalette.

Das Foto zeigt den belgisch-flämischen Architekten und Designer Henry van de Velde um 1908. Der Universalkünstler wurde vor 150 Jahren geboren. Weimar feiert dies mit verschiedenen Ausstellungen. 

Das Foto zeigt den belgisch-flämischen Architekten und Designer Henry van de Velde um 1908. Der Universalkünstler wurde vor 150 Jahren geboren. Weimar feiert dies mit verschiedenen Ausstellungen. 

Foto: Louis Held/Klassik Stiftung Weimar

Seine Eltern hätten ihn lieber in der Laufbahn als Verwaltungsangestellten gesehen, aber Henry van de Velde entschied sich für ein Studium der Malerei an der Kunst-Akademie in Antwerpen. Der 1863 geborene Belgier wird später zu einer bedeutenden Größe in Kunst und Architektur. Van de Velde zeichnet sich vor allem durch seine Idee eines Gesamtkunstwerks aus, bei dem jedes künstlerische Detail mit seinem Umfeld harmoniert.

Die Ausstellung „Leidenschaft, Funktion und Schönheit“ in Weimar bildet bis zum 23. Juni 2013 anhand von rund 700 Exponaten aus zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen ein Spektrum der vielfältigen Werke van de Veldes von 1890 bis Ende der 1930er-Jahre ab.

Künstlerische Sinnkrise

Nach seinem Studium und einigen Experimenten mit von Punkt- und Komma-dominierten Bildern, erlebt van de Velde eine künstlerische Sinnkrise. Infolgedessen wendet er sich von der Malerei ab, hin zu Architektur und angewandter Kunst. Er schreibt in seinen Memoiren, dass er sich zu dem „Dämon der Linie“ hingezogen fühlte und hält sich fortan an einen von Dynamik geprägten Stil.

1902 kam der Belgier als künstlerischer Berater nach Weimar und gründete dort eine Kunstgewerbeschule. Seine Weimarer Zeit, von 1902 bis 1917, kann als seine kreativste Phase bezeichnet werden. Mit seiner Kunstgewerbeschule schuf er zudem die Basis für die Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar.

Menschliches Lebensumfeld in Kunstwerk verwandeln

Van de Velde war stets davon überzeugt, dass Gebrauchsgegenstände solide und handwerklich nach einer vernunftgemäßen Formgebung gestaltet werden sollten. „Die Gestaltung eines Gegenstandes ist umso vollkommener, desto exakter sie dessen Zweck entspricht“, formulierte der Künstler. Daher widmete sich der Designer der Intention, das menschliche Lebensumfeld mit all seinen Bereichen in ein Kunstwerk zu verwandeln.

Van de Velde gestaltete alle Lebensbereiche. So auch den Sessel um 1896/97.

Van de Velde gestaltete alle Lebensbereiche. So auch den Sessel um 1896/97.

Foto: Klassik Stiftung Weimar

Er setzte als Architekt nicht nur den Bau eines Hauses um, sondern gestaltete zudem die Innenräume, von Möbelstücken und Leuchtkörpern über Porzellan und Tafelsilber bis hin zu Schmuck und seidenbestickten Wolltüchern. Van de Velde bevorzugte helle, klare Linien und verband Nutzen mit Ästhetik. So entwarf er auch ein bequemes Reformkleid für Frauen, das diese im Gegensatz zu den geschnürten Miedern und schweren Reifröcken atmen ließ.

Sein privates Wohnhaus Hohe Pappeln in Weimar gestaltete er nach eigenem Konzept: Die innere Raumgestaltung steht im Vordergrund. Die Form des Hauses wird mit schlichten, von Knicken durchzogenen Fassaden an die Räume angepasst. Zudem achtete er stets auf kleine Details, die den Alltag erleichterten. So baute er beispielsweise eine Kupferplatte in die Mitte des familiären Essholztisches, auf die die heißen Töpfe mit den Speisen abgestellt werden konnten.

Zu seinen Werken gehört auch das Nietzsche-Archiv, das van de Velde komplett einrichtete. 

Von Nora Nuissl
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