Doch keine Außerirdischen 10.12.2015, 14:07 Uhr

Zwergplanet Ceres: Forscher lösen Rätsel der weißen Flecken

Nein, es ist keine außerirdische Stadt. Die weißen Flecken auf der Oberfläche des Zwergplaneten Ceres haben eine andere Ursache. Lesen Sie hier, was die Forscher vom Max-Planck-Institut herausgefunden haben. 

3D-Ansicht des Occator-Kraters: Die weißen Flecken sind sogenannte hydrierte Magnesiumsulfate – Rückstände verdunstenden Wassers.

3D-Ansicht des Occator-Kraters: Die weißen Flecken sind sogenannte hydrierte Magnesiumsulfate – Rückstände verdunstenden Wassers.

Foto: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Im September hatte die Nasa-Raumsonde Dawn ungewöhnliche Bilder vom Zwergplaneten Ceres geschickt. Darauf zu sehen: Weiße Flecken, mitten im 90 km großen Krater Occator. Was kann das sein? Darüber zerbrachen sich Wissenschaftler in den letzten Wochen den Kopf – einige Internetuser vermuteten sogar eine außerirdische Stadt. Jetzt hat das Spekulieren ein Ende. Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung haben das Rätsel gelöst.

Verdunstendes Wasser bildet weiße Flecken

Die Erklärung der Forscher: Vor gut 78 Millionen Jahren schlug ein Asteroid auf Ceres ein, sprengte bis zu 4 km der äußeren Gesteinsschicht weg und legte darunter liegendes Eis frei. „Wir sehen aktuell wahrscheinlich Überreste eines Verdunstungsprozesses, der an verschiedenen Stellen verschieden weit fortgeschritten ist“, erläutert Forscher Andreas Nathues.

Der 90 km große Occator-Krater, dargestellt in Falschfarben: Immer dann, wenn die Sonne auf den Kraterboden scheint, bildet sich ein Schleier – ein Beweis für verdunstendes Wasser. 

Der 90 km große Occator-Krater, dargestellt in Falschfarben: Immer dann, wenn die Sonne auf den Kraterboden scheint, bildet sich ein Schleier – ein Beweis für verdunstendes Wasser. 

Foto: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Auf einigen Aufnahmen sei zudem ein Schleier über dem Kraterboden zu erkennen, immer dann, wenn Sonnenlicht den Boden erreicht. Nathues: „Offenbar verdampft dort Wasser und trägt kleine Teilchen mit sich.“ Nach der Verdunstung blieben sogenannte hydrierte Magnesiumsulfate zurück – eine Klasse von Mineralsalzen. Sie erscheinen auf den Bildern als weiße Flecken. Insgesamt haben die Wissenschaftler 130 Flecken gefunden. Fast alle liegen in Kratern oder in deren Nähe. 

Verblüffend: Eis hält sich 414 km von der Sonne entfernt

Schön und gut, doch was bringt diese Erkenntnis den Forschern? Sie zeigt, dass gefrorenes Wasser seit der Geburtsstunde des Sonnensystems nicht nur in entlegenen Tiefen überdauern konnte. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich unterirdisches Eis möglicherweise auch im vergleichsweise sonnennahen Asteroidengürtel halten konnte“, erklärt Nathues. „Die oberflächliche Gesteinsschicht schützt es vor dem Einfluss der Sonne.“

Dawn geht im Dezember auf Tuchfühlung mit Ceres: Die Nasa-Raumsonde nähert sich der Oberfläche des Zwergplaneten dann auf 375 km. 

Dawn geht im Dezember auf Tuchfühlung mit Ceres: Die Nasa-Raumsonde nähert sich der Oberfläche des Zwergplaneten dann auf 375 km. 

Foto: Nasa/JPL

Ceres befindet sich in einem Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter – nur 414 Millionen km von unserem Zentralgestirn entfernt. Der Jupiter mit seinen eisspuckenden Monden befindet sich hingegen fast doppelt so weit entfernt. Und die wasserreichen Kometen befinden sich meist noch weiter draußen am Rande des Sonnensystems. 

Nasa-Raumsonde Dawn nähert sich Ceres auf 375 km

Vielleicht schickt Dawn den Wissenschaftlern noch weitere Rätselfotos. Denn die Sonde dringt Schritt für Schritt in immer tiefere Umlaufbahnen vor. Die aktuellen Fotos schoss sie noch aus einer Höhe von 1470 km. Doch schon Mitte Dezember soll sie sich der Oberfläche des Zwergplaneten auf 375 km nähern.

Von Patrick Schroeder

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