Satelliten 28.05.1999, 17:21 Uhr

Weltweiter Pionier Iridium in Finanznöten

Auf dem Satelliten-Mobilfunk-Markt weht ein rauhes Lüftchen. Pionier Iridium bekommt zur Zeit als erster zu spüren, daß sich weit weniger Mensch als gedacht auf die Handys stürzen, die weltweite Kommunikation über das All garantieren.

Der Pionier der weltweiten „Anywhere“-Mobiltelefonie, das Konsortium Iridium, mit über 66 erdumrundende LEO-(Low Earth Orbit)Satelliten, rotiert in heftigen Turbulenzen. Das ambitionierte System, zehn Jahre in der Planung, war im November 1998 endlich gestartet. Doch die Iridium-Infrastruktur hat deutliche Lücken, trotz ihrer 200 vertraglichen Service-Partner in 190 Ländern (in Deutschland z. B. Otelo, in den USA z. B. Sprint) und 14 Gateways zur dualen Nutzung von nationalen Funk- und Festnetzen. Die Iridium-Handys, noch klobig und bis zu 3000 Dollar teuer, aber GSM-kompatibel, verbinden noch nicht überall mit der terrestrisch gewohnten Qualität.
Vor allem aber, und schlimmer für die wagemutigen Investoren: Die Zahl der angepeilten Abonnenten hinkt weit hinter den Projektionen zurück. Ganze 10 000 Kunden haben bislang ein Iridium-Handy erstanden und sich fürs globale Roaming angemeldet. Eigentlich hätten es Ende 1998 schon 250 000 sein sollen. Jetzt rechnet man realistischer mit 100 000 zum Ende dieses Jahres.
Das bescherte den Iridium-Investoren einen Quartalsverlust von 505 Mio. Dollar, bei einem Umsatz von 1,45 Mrd. Dollar. Das Break-even-Limit für die erhoffte Gewinnzone liegt bei 500 000 Abonnenten. Doch die sind weit und breit außer Sicht. „Diese Firma braucht zweierlei: Kunden und Geld“, bringt US-Börsenanalyst Tim O“Neill von der SoundView Technology Group die aktuelle Malaise bei Iridium auf den Punkt. „Im Moment hat sie Probleme mit beidem.“
Konsequenz: Wenn nicht bis Ende Mai mindestens 27 000 Iridium-Abonnenten „on air“ sind, drohen die Kreditlinien für 800 Mio. Dollar der Gesamtschulden von 2 Mrd. Dollar zu platzen. Eilends wurde vorletzte Woche ein Finanzberater engagiert, damit laufende Kredite umstrukturiert und weiter bedient werden können. Dafür nahm der hochrenommierte Motorola-Technologe und Iridium-CEO Ed Staiano nach nur einem Jahr Amtszeit seinen Hut. Iridium, der 98er Shooting Star der US-Aktienbörse, gilt nach dem Kurssturz von 70 Dollar auf wenig mehr als 10 Dollar als flügellahme Ente. So richtig pleite gehen kann das Iridium-Konsortium natürlich nicht. Dafür stehen zuviele technische und finanzielle Vorleistungen der Konsortialführer Motorola und Kyocera auf dem Spiel. Trotzdem gab Motorola Anfang dieser Woche leise Zeichen einer Distanzierung.
Wo liegen die Probleme? Ist die ultimative Telekommunikations-Phantasie weltweiter portabler Konnektivität im Taschenformat nicht realisierbar? Vor allem, wenn man die Einkommensklassen in Schwellenländern einbezieht? Ein Handy für 2000 Dollar bis 3000 Dollar und Minutenpreise von 7 Dollar – wer kann und will sich das selbst in der halbwegs florierenden G8-Geographie schon leisten?
Zudem stehen weitere Wettbewerber für die Satelliten-Telefonie schon an der Startrampe. Globalstar, ein Gemeinschaftsunternehmen des US-Rüstungskonzerns Loral und der High-Tech-Schmiede Qualcomm, ist mit einer Investition von 3 Mrd. Dollar der nächste Hoffnungsträger im niedrigen Orbit. Noch in diesem Jahr sollen die 48 Satelliten von Globalstar in ihre Umlaufbahnen geschossen werden. Zweckoptimismus auch bei Globalstar: Als Kunden gelten gut betuchte Geschäftsmenschen der Industrienationen, zugleich aber auch Einwohner von infrastrukturschwachen Schwellenländern. Bis Mitte 2000 will Globalstar 220 000 Mobilkunden gewonnen haben, bis Ende 2000 sogar 500 000. Aus diesem Cashflow sollen die Kreditzinsen beglichen werden. Wiederholen sich da die gleichen Gedankenspiele wie bei Iridium? Nein, meint man bei Globalstar: Die Gesprächstarife liegen mit maximal 1,20 Dollar pro Minute substantiell unter denen von Iridium.
Nächster Bewerber: Ellipso Inc. in Washington, ein 2,4-Mrd.-Dollar-Projekt mit 17 Satelliten auf ausgeprägt elliptischen Umlaufbahnen. Ellipso soll im Jahr 2002 abheben. Hauptinvestor ist die kapitalstarke Aerospace-Firma Boeing auf der Suche nach komplementären Geschäftsfeldern. Bislang hat sich Boeing mit 225 Mio. Dollar engagiert. Weitere 500 Mio. Dollar bis 700 Mio. Dollar werden fällig, wenn das Projekt gedeihen soll. Damit gewinnt Boeing an Einfluß.
Dann ist da die ICO Global Communications Ltd., wie die anderen in Washington angesiedelt. ICO ist eine Tochter der multinationalen Inmarsat-Organisation in London, die bereits heute einen professionell genutzten, recht erfolgreichen Satellitendienst mit koffergroßen Terminals bietet. Diesen Markt würden Iridium, Globalstar, Ellipso und ICO gern mit ihren Handys übernehmen und expandieren.
Der Haken: Alle Systeme bieten nur Schmalband-Telefonie. Das läßt sich auch für Fax- und Internet-Zugang nutzen, aber nur mit archaischen 2,4 kbit/s – Verbindungsgeschwindigkeiten, die längst überholt sind, bevor es am Himmel Wirklichkeit wird. Doch es warten schon die weltweiten Breitband-Satellitendienste. Sie machen sich außerdem Hoffnungen auf die letzte Meile im Ortsdienst. Allen voran Teledesic, vom Mobil-Pionier Craig McCaw konzipiert und vom Microsoft-Chef Bill Gates enthusiastisch unterstützt.
Teledesic scheint breitere Erfolgsaussichten zu haben und setzt von vornherein begrenzten Wettbewerb. Deswegen hat Motorola sein „Celestri“-System aufgegeben und sich mit 750 Mio. Dollar (26 %) als Hauptauftragnehmer bei Teledesic eingeklinkt. Auch Boeing ist an Teledesic beteiligt.
Doch es gibt noch einen Breitband-Kandidaten für die weltweite Satellitenkommunikation: Astrolink. Über Astrolink wollen auch die anderen großen US-Rüstungsfirmen Lockheed Martin und TRW mit 3,5 Mrd. Dollar in die kommerzielle Telekommunikation diversifizieren. Dienstbeginn: 2003. Hier waltet gebührende Vorsicht: Bisher sind nur 1 Mrd. Dollar wirklich gezeichnet. Astrolink wirkt mit seinen vier höher fliegenden High-Power-Satelliten (später könnten noch fünf weitere hinzukommen) im Vergleich zu Teledesic geradezu schlicht.
Im Gefolge der Iridium-Schwierigkeiten ist bei allen Satelliten-Providern eine Strategie-Revision angesagt. Neben den globetrottenden G8-Handy-Profis im Nadelstreifen soll jetzt auch der „Village Market“ der Schwellenländer für die drahtlose globale Telefonie erschlossen werden: abgelegene Dörfer in Asien, Afrika und Lateinamerika ohne Telecom-Infrastruktur. ICO will 10 % seines Umsatzes in diesen ländlichen Marktflecken machen. „Unsere Forschungen zeigen“, meint Juliet Lecciri von ICO, „daß Sie, unabhängig davon, wie hoch Ihr Einkommen ist, immer noch etwas übrig haben, um einen Telefonanruf zu machen.“
Skeptischer ist Marktforscher Bruce Kasrel von Forrester Research in Cambridge, Massachusetts: „Es gibt nur wenige Leute, die globale Dienste bis zur Wüste Gobi brauchen. Die Mehrheit der drahtlosen Anrufe läuft in urbanen Regionen. Dafür brauchen Sie keine Satelliten.“
WERNER SCHULZ
Ganz so strahlend wie zur CeBIT 99 tritt das Iridium-Konsortium in diesen Tagen nicht auf. Die geringe Anzahl von Kunden beschäftigt die Satelliten-Mobilfunker.

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