Gute Nerven auf dem Weg zum Mond 10.01.2019, 16:58 Uhr

Was das Raumfahrtjahr 2019 in Europa verspricht

Im vor uns liegenden Raumfahrtjahr wird der nächste Europäer das Kommando auf der Internationalen Raumstation übernehmen. Die Nasa bereitet sich außerdem auf eine Reise zum Mond vor – mit starker europäischer Beteiligung. Zum Ende des Jahres werden schließlich die Minister der 22 ESA-Mitgliedsstaaten beschließen, welche Programme die europäische Raumfahrt in den kommenden Jahren angehen wird.

Künstlerische Darstellung der Ariane 6 Trägerrakete

Die Trägerrakete Ariane 6 der ESA befindet sich gerade in der Entwicklung.

Foto: ESA/David Ducros

Nächster Auftritt für den nervenstarken Luca Parmitano

ESA-Astronaut Luca Parmitano

ESA-Astronaut Luca Parmitano.

Quelle: ESA/A. Conigli

Der sizilianische Astronaut Luca Parmitano wird der nächste europäische – und der erste italienische – Kommandant auf der Internationalen Raumstation ISS werden. Die Mission mit dem Namen „Beyond“, zu der Parmitano 2019 aufbricht, ist die zweite Reise zur ISS für den 42-Jährigen. Schon 2013 war der Testpilot, der auch einen Abschluss als Politikwissenschaftler hat, für ein halbes Jahr im All. Damals hatte Parmitano spektakulär bewiesen, wie belastbar die Nerven eines Astronauten sein müssen.

Bei einem Außeneinsatz waren insgesamt anderthalb Liter Wasser in seinen Helm gedrungen und Parmitano drohte zu ertrinken. Er kämpfte sich mit Mühe in die Raumstation zurück. Dort sagte er später, es sei ein Gefühl gewesen, als ob man mit geschlossenen Augen, den Kopf in einem Goldfischglas, hätte herumlaufen müssen. Wie sich herausstellte, war ein defektes Pumpensystem die Ursache für den lebensbedrohlichen Vorfall.

Wie sich Luca Parmitano auf den seinen dritten Einsatz im All vorbereitet, kann man unter lucaparmitano.esa.int. verfolgen.

Rückkehr zum Mond – mit europäischer Beteiligung

Am 3. Januar 2019 setzte die chinesische Sonde Chang’e 4 auf der Rückseite des Mondes auf und lieferte mit diesem schwierigen Manöver den Beweis dafür, dass mit der jungen Raumfahrtnation China zu rechnen sein wird. Zugleich macht sich die Nasa bereit für die nächsten Ausflüge in Richtung Mond – und darüber hinaus. Seit Jahren bauen die Amerikaner an der Raumkapsel Orion, mit der Astronauten den Mond umrunden und irgendwann zu Asteroiden und auch zum Mars fliegen sollen. Für diese Erkundungen in den Tiefen des Alls leisten die Europäer einen wesentlichen Beitrag in Form eines Service Moduls. Das hört sich eher unbedeutend an, ist aber neben dem Crewmodul die zentrale Komponente der Orion Raumkapsel.

Das 4,5 Meter große Modul wird Energie, Wasser, Atemluft und Elektrizität für Orion und die vierköpfige Besatzung bereitstellen und den nötigen Schub liefern. Das Modul, an dem 20 europäische Unternehmen mitgebaut haben, ist Teil des Kompensationsgeschäftes mit den USA, mit dem die ESA sich an den Kosten für die Raumstation beteiligt. Im November 2018 erreichte das Europäische Service Modul von Deutschland aus seinen vorläufigen Bestimmungsort – das Kennedy Space Center in Florida. Der erste unbemannte Testflug zum Mond ist für Mitte 2020 geplant. Ursprünglich sollte Orion sogar 2019 erstmals zum Mond starten.

Illustration des Aufbaus von Crew und Service Modul bei Orion

So wird die Raumkapsel Orion aufgebaut sein, mit der künftig Menschen zum Mond und darüber hinaus sollen.

Quelle: ESA / K. Oldenburg

Cheops untersucht Exoplaneten in Erdnähe

Der Name Cheops steht hier ausnahmsweise nicht für eine Pyramide, sondern ist die Abkürzung für eine geplante Mission der ESA und der Schweiz, in der Exoplaneten in der näheren Umgebung der Erde untersucht und charakterisiert werden: CHaracterising ExOPlanets Satellite. Exoplaneten sind planetare Himmelskörper, die nicht unserem Sonnensystem, sondern einem anderen Planetensystem angehören. Der Satellit wird mit einem hochpräzisen Teleskop dreieinhalb Jahre lang in rund 700 Kilometern über der Erde fliegen und von dort aus helle Sterne beobachten, von denen man bereits weiß, dass ein Planet um sie kreist.

Der Satellit soll dann die Helligkeit des Sterns durch hochpräzise Helligkeitsmessungen mit einem Teleskop von 32 Zentimeter Öffnung und 1,2 Meter Länge überwachen. Auf diese Weise soll er nach Hinweisen für Transits, also vorüberziehenden Planeten, suchen. Die Astronomen erhalten Hinweise auf Durchmesser und Masse der so inspizierten Exoplaneten und können daraus deren Dichte berechnen, die wiederum Rückschlüsse auf die Beschaffenheit zulässt. So lässt sich feststellen, ob der Planet überwiegend aus Gestein, Eis oder Gas besteht. Cheops, der im Oktober oder November 2019 mit einer Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof in Kourou starten wird, gehört zu den relativ neuen „S-Klasse-Missionen“ der ESA. Das sind eher kleine Missionen mit einem für die Raumfahrt relativ geringem Budget von maximal 150 Millionen Euro. Mit ihnen sollen innovative Ideen schnell in die Realität umgesetzt werden.

Minister der ESA-Mitgliedsstaaten beraten in Sevilla

Alle drei Jahre kommen die für Raumfahrt zuständigen Minister der 22 ESA-Mitgliedsstaaten zusammen, um über die Ausrichtung der europäischen Raumfahrt zu beraten. Das ist immer spannend, unter anderem deshalb, weil die ESA keinen eigenen Etat hat, sondern einen Projekthaushalt, der von den ESA-Mitgliedsstaaten bezahlt wird. So wurden 2016 rund 10,3 Milliarden Euro für fortlaufende und neue Programme bewilligt. Im November 2019 steht die nächste Ministerratskonferenz an, diesmal unter spanischem Vorsitz in Sevilla.

In Vorbereitung auf „Space19+“ hatten sich die ESA-Minister im Oktober 2018 bereits in Madrid getroffen und über den Kurs der europäischen Raumfahrt beraten. Demnach verfolgt die ESA mit Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner „die Positionierung Europas als Hauptakteur der neuen Ära des globalen Vorhabens zur Exploration des Weltraums – auf zum Mond und anschließend zum Mars“. Selbstverständlich soll das in Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern wie den USA und neuen Partnern wie China geschehen.

Weiteres Thema in Sevilla wird der an Bedeutung zunehmende Bereich des Schutzes und der Sicherheit im und aus dem Weltraum sein. Irdische Infrastrukturen müssen vor Weltraumwetter, etwa Sonnenwind und kosmischer Strahlung, vor erdnahen Objekten und Weltraumtrümmern geschützt werden. Neben der Cybersicherheit wird außerdem die weitergehende Nutzung von Weltraumtechnologie für konkrete Anwendungen im Bereich Schutz und Sicherheit auf der Erde vorgeschlagen, zum Beispiel in der autonomen Schifffahrt, im Katastrophenmanagement oder in der Sicherheit des Flugverkehrs durch satellitengestützte Kommunikation.

Am Rande der Tagung in Madrid haben Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die Schweiz außerdem eine Erklärung über den Einsatz der Trägerraketen Ariane-6 und Vega-C unterzeichnet. Die ESA hofft, mit den beiden Raketen auch künftig beim lukrativen Wettbewerb um Marktanteile für Satellitenstarts mithalten zu können.

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