Cassis aus Bern 11.11.2015, 07:59 Uhr

Warum eine Schweizer Kamera zum Mars fliegt

In Rekordzeit von 27 Monaten haben Schweizer Forscher eine Hochleistungskamera namens Cassis entwickelt. Sie soll im März 2016 zum Mars fliegen. Aber warum?

Forscher bereiten die Hochleistungskamera Cassis für Tests in der Vakuumkammer vor. Sie simuliert die Kälte des Weltalls. 

Forscher bereiten die Hochleistungskamera Cassis für Tests in der Vakuumkammer vor. Sie simuliert die Kälte des Weltalls. 

Foto: UniBE

Die Hochleistungskamera der Schweizer Forscher hört auf den Namen „Colour and Stereo Surface Imaging System“ (Cassis) und soll ganz schön was auf dem Kasten haben. „Cassis ist das beste System, das wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln bauen konnten“, zeigt sich Projektleiter Nicolas Thomas vom Physikalischen Institut der Universität Bern überzeugt. „Aus rund 100 km Entfernung könnten wir mit dieser Kamera ein Auto präzise abbilden – in Farbe und stereo.“

Die Ingenieure haben Cassis in einer Rekordzeit von 27 Monaten gebaut. Normalerweise rechne man mit 38 Monaten für ein derart kompliziertes Instrument.

Schweizer Kamera fliegt am 12. März 2016 zum Mars

Cassis ist am Montag Richtung Frankreich aufgebrochen. Auf dem Gelände des Raumfahrtunternehmens Thales-Alenia Space in Cannes werden Techniker die Kamera auf die Sonde ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO) montieren. Am 12. März 2016 soll die TGO-Sonde dann vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All starten und den Planeten Mars im Oktober erreichen.

Die Steuereinheit (li.) kontrolliert das Teleskop von Cassis (re.).

Die Steuereinheit (li.) kontrolliert das Teleskop von Cassis (re.).

Foto: UniBE

Sobald die Sonde den Mars erreicht, bremst sie ab und lenkt in einen tiefen Orbit ein – etwa 400 km über der Oberfläche. Und das geht gar nicht mal schnell. „Dieser Prozess wird etwa ein Jahr dauern, sodass wir die besten Daten ab Mitte 2017 erwarten“, sagt Thomas.

Cassis sucht Spuren flüssigen Wassers auf der Marsoberfläche

Cassis wird dann beginnen, nach Hinweisen auf flüssiges Wasser auf der Marsoberfläche zu suchen.

Die Hochleistungskamera Cassis: In der Mitte ragt ein in Folie eingehülltes Teleskop in die Luft. 

Die Hochleistungskamera Cassis: In der Mitte ragt ein in Folie eingehülltes Teleskop in die Luft. 

Foto: UniBE

Für die Forscher sind zudem Quellen sogenannter Spurengase von Interesse, die für die geologische und biologische Erforschung der Planeten von Bedeutung sein könnten. „Wir wissen inzwischen, dass sich die Marsoberfläche ständig verändert und nun haben wir das Werkzeug, um diese Veränderungen verfolgen zu können.“

Nasa hat bereits Spuren flüssigen Wassers gefunden

Erst im September 2015 hat die US-Weltraumbehörde gemeldet, dass sie flüssiges Wasser auf dem Roten Planeten gefunden hat. „Der Mars ist nicht der trockene, ausgedörrte Planet, für den wir ihn in der Vergangenheit gehalten haben“, sagte Planetenforscher Jim Green.

Und wie viel Wasser gibt es? Laut Nasa handelt es sich zwar eher um eine Art feuchten Boden als um ein stehendes Gewässer. Doch Green ist überzeugt: „Damit revolutioniert sich unser Verständnis des Planeten.“ Unter anderem könnte es bedeuten: Leben auf dem Mars ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. 

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