Luftfahrt 18.06.1999, 17:21 Uhr

Wann kommt die nächste Konsolidierungswelle?

Die Airbus-Konsolidierung hakt noch immer an der unvollständigen Privatisierung des französischen Partners. Auch im Raumfahrtsektor versuchen die Unternehmen ihre Abhängigkeit vom Staat zu reduzieren.

Einen Coup landete die DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) schon vor Beginn der Messe in Le Bourget: Sie kündigte ihre Fusion mit dem spanischen Luft- und Raumfahrtunternehmen Casa an.
Mit der Casa, die einen Anteil von 4,2 % an Airbus hielt (Dasa und die französische Aerospatiale Matra je 37,9 %, British Aerospace 20 %) ist die Dasa jetzt größter Shareholder am Airbus Konsortium, hält zudem jetzt auch 43 % am Eurofighter (British Aerospace 36 %, die italienische Alenia 21 %) und 38,5 % an der Airbus Military Company, die für sieben europäische Nationen einen neuen Militärtransporter, den A400M, entwickeln und bauen will – geschätzte Entwicklungskosten: 6 Mrd. Euro.
Dasa und Casa machen gemeinsam knapp 10 Mrd. Euro Umsatz und beschäftigen 53.000 Menschen.
Die Dasa-Manager konnten ihre Freude über den gelungenen Deal mit Casa kaum verbergen. Nachdem Matra sich in Frankreich mit Aerospatiale und British Aerospace in Großbritannien mit der GEC-Tochter Marconi zusammengetan hatten, sah es kurzfristig so aus, als spielte die Dasa im Konzert der europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen nur noch eine nachgeordnete Rolle. Das hat sich nun deutlich geändert. Als „ersten großen grenzüberschreitenden europäischen Zusammenschluß“ bezeichnte so auch Gustav Humbert, Chef der Dasa-Airbus Filiale in Hamburg den Dasa-Casa-Deal und fügte hinzu: „Das war nur der erste Schritt. Es wird ganz sicher eine nächste Runde geben“.
Mit dieser nächsten Runde tun sich derzeit aber die großen europäischen Luftfahrtunternehmen schwer. Denn die nächste Runde kann nur heißen, daß sich die Airbus-Partner endgültig zu einem einheitlichen Unternehmen mit zentraler Führung und Verantwortung, einer Single Corporate Entity (SCE) zusammenschließen.
Aber sowohl British Aeropace (BAe) wie die Dasa lassen keinen Zweifel daran, daß es die Franzosen sind, die den engeren Zusammenschluß des derzeitigen losen Airbus- Verbundes zu einem eigenverantwortlichen europäischen Unternehmen bremsen. BAe und Dasa sind privatisiert, Aerospatiale Matra gehört noch immer zu 48% direkt dem französischen Staat.
Auch Airbus-Chef Noel Forgeard drängte in Le Bourget auf eine Umwandlung von Airbus in ein zentral geführtes europäisches Unternehmen. Denn Airbus will noch in diesem Jahr die Entscheidung über Bau und Produktionsstandort des Super-Airbusses A3XX für 550 und mehr Passagiere treffen. „Wenn wir nicht auspassen“, so Forgeard, „stellen wir eines Tages fest, daß Boeing seine Produktionsprobleme gelöst hat und besser ist als wir.“ Und bevor das geschieht, müsse Airbus sich zu einem schlagkräftigen europäischen Unternehmen wandeln.
So haben auch die Regierungen der Sitzländer der Airbuspartner in Le Bourget Dasa/Casa, Aerospatiale Matra und British Aerospace aufgefordert, innerhalb der nächsten drei Monate endlich ein Konzept vorzulegen, wie die neue Struktur von Airbus aussehen werde. Beeindruckt hat das die Unternehmen nicht: Schon einmal, im Dezember 1997, hatten die Regierungen ähnliches von ihnen verlangt, aber außer einem Papier hat es seitdem nicht viele konkrete Fortschritte gegeben.
Und Forgeard ebenso wie die Spitzen der Airbus-Unternehmen lassen keinen Zweifel daran, daß sie sich auch von der Politik nicht in unternehmerische Sackgassen treiben lassen werden.
Aus einer Sackgasse versuchen sich andere Sektoren der Luft- und Raumfahrt derzeit zu befreien – der Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln. Private public partnership lautet hier zunehmend die Botschaft. „Dabei ist die Industie stärker als bisher bereit, Risiken zu übernehmen“, so Josef Kind, im Dasa-Konzern für die Raumfahrt-Infrastruktur zuständig.
Kind hat in Le Bourget noch einmal für den Plan der Dasa plädiert, gemeinsam mit einem europäischen Industriekonsortium Betrieb und Nutzung des europäischen Anteils an der Internationalen Raumstation ISS komplett zu übernehmen. Die Industrie bietet das zu einem Fixkostenpreis von 3 Mrd. Euro für die Zeit von 2001 bis 2013 an. „Eine solche Industrialisierung“, hofft Kind, „kann auch der Anfang einer stärkeren Kommerzialisierung der Raumstation sein.“ Die Europäische Weltraumagentur ESA will sich im Frühjahr zu diesem Angebot äußern.
Ähnliches versucht die Dasa auch mit ihrem Satellitenbereich. Zusammen mit dem britischen Unternehmen Matra Marconi Space und dem deutschen und dem britischen Forschungszentren für Luft- und Raumfahrt will sie Anfang nächsten Jahres ein Unternehmen mit Namen InfoTerra gründen, das Erdbeobachtungsdaten kommerziell anbieten wird. Zu diesem Zweck will InfoTerra zwei eigene Satellite entwickeln und ins All schießen. Auch das einen private publiv partnership: Gut 50% der Entwicklungskosten von 450 Mio. Euro. soll die öffentliche Hand tagen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre, so das Ziel von Klaus Enßlin, Chef des Dasa-Satellitenbereichs, „wollen wir mit solchen Projekten unsere Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln von derzeit 70% auf 50 % senken.“
moc
Die Trägerrakete Ariane 5 der ESA und ein Modell des Erdbeobachtungssatelliten konnten die Besucher der 43. Luftfahrtschow in Le Bourget bei Paris besichtigen. Der 6-t-Satellit soll im kommenden Jahr in seine Umlaufbahn gebracht werden.
Josef Kind: „…ist die Industrie stärker als bisher bereit, Risiken zu übernehmen.

Stellenangebote im Bereich Luft- und Raumfahrt

Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Entwicklungsingenieur Mechanik/Mechatronik (m/w/x) Oberkochen
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH Flugsicherungsingenieur (m/w/d) mit Schwerpunkt Streckennavigationsanlagen München
Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Entwicklungsingenieur Beleuchtungsoptik – Design-Architektur EUV Systems (m/w/x) Oberkochen
ESO - European Southern Observatory-Firmenlogo
ESO - European Southern Observatory Opto-Mechanical Engineer (f/m/d) Garching bei München
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH Projektmanager (m/w/d) Nördlingen
Hochschule Stralsund-Firmenlogo
Hochschule Stralsund Professur (W2) "Konstruktion, Fahrzeugtechnik" in der Fakultät für Maschinenbau Stralsund

Alle Luft- und Raumfahrt Jobs

Top 5 Raumfahrt