Luftfahrt 10.12.1999, 17:23 Uhr

Vorsorge für Flugbetrieb

Pannen bei der Stromversorgung zum Jahr-2000-Wechsel wären für einen Airport ein Problem. Der Frankfurter Flughafen sieht sich jedoch gut vorbereitet, wie Karl-Heinz Kratz und Hermann-Josef Wester von der FAG bzw. ETA-plus hier schildern.

Seit dem Februar dieses Jahres befasst sich der Frankfurter Flughafen (FAG) durch ein Y2K-Programmbüro (Y2K, Jahr 2000) mit den Fragen zur Sicherung der Stromversorgung zum Jahr-2000-Wechsel. Bis dahin waren die Energieexperten davon ausgegangen, gestützt durch die Statements der EDV-Experten, dass das Y2K-Problem ausschließlich mit veralteter Digitaltechnik bzw. Soft- und Hardware in Rechneranlagen zu tun habe. Das Programmbüro griff das Thema in enger Zusammenarbeit mit dem für die Gesamtversorgung des Flughafens zuständigen strategischen Geschäftsbereiches GTS-E (Gebäude, Technik, Service-Energie und Versorgung) und der FAG-Tochter energie air auf.
Ein im Programmbüro integriertes Supply-System-Projektbüro, besetzt mit Energie- und Versorgungswirtschaftlern sowie Ingenieuren und Experten der technischen Gebäudeausrüstung, der Automatisierungs- sowie der Informations- und Kommunikationstechnik, bearbeitete den Themenkomplex. Die Fachleute nahmen zunächst alle Versorgungsmedien wie Strom, Wasser, Kälte, Brennstoffe, sowie Abwasser und Abfall auf und erfassten alle Ver- und Entsorgungsanlagen zwischen der externen Übergabe und der internen Haupt- bzw. Unterverteilung. In Schnittstellen, Schemata, Schalt- und Blockbildern wurde dieser Zustand dokumentiert und anschließend analysiert.
Die Sicherung der Stromversorgung zum Jahr-2000-Wechsel war, so die einhellige Ansicht des Expertenteams, nicht nur über den Austausch bzw. den Umbau der Soft- und Hardwaresysteme zu beantworten. Vielmehr setzte sich die Auffassung durch, dass hier nur ein konzeptioneller und alle Partner integrierender Ansatz zum Ziel führt.
Dabei einigten sich alle Projektbeteiligte auf einen Status, der Projektziel und -struktur, die Arbeitsteilungen, die fachlichen und personellen Verantwortungen beschrieb. Die Zusammenarbeit entwickelte sich sehr kooperativ und konstruktiv. Ein für alle Seiten vorteilhaftes Ergebnis liegt nun auf dem Tisch.
Das Ergebnis geht von der Annahme aus, dass die einzelnen Versorgungskomponenten auf Y2K-Tauglichkeit untersucht sind und in den Tests keine Funkionseinschränkungen und Fehler registriert werden konnten. Vorsorglich waren darüber hinaus Not- und Störfallszenarien zu betrachten, die für vitale Systeme Ersatzlösungen auswiesen. So auch für die Stromversorgung. Den Ausfall der Stromversorgung unterstellt, hätte dies bedeutet, dass für eine große Zahl wichtiger Systeme und Arbeitsabläufe Ersatzmaßnahmen hätten vorgesehen werden müssen.
Der Weg zu der mittlerweile entschiedenen Versorgungsstrategie zum Jahr-2000-Wechsel führte einerseits über die Verteilungsnetze und Kraftwerke der Versorger und andererseits über den Betrieb der Tesis mit der Hauptschaltleitung der RWE Energie AG in Brauweiler bei Köln. Die Sicherstellung der Stromversorgung ist aus dem Verbundnetzbetrieb heraus begründet.
Technisch sind die Leit- und Schaltebenen der Energieversorgung so aufgebaut, dass in den Schaltanlagen des Verbundnetzes keine Y2K-anfälligen Geräte enthalten sind. Die Fernwirkzentralen sind mit digitalen Systemen bestückt, die keiner Datumsverarbeitung unterliegen. Nur bei der Netzsteuerstelle sind digitale Systeme eingebaut, die Datumsrelevanz haben.
Der Flughafen als Verbraucher liegt versorgungsseitig im Verbundnetzbereich der Stromversorger RWE AG und der PreussenElektra AG. Die FAG erwartet für den Jahreswechsel einen Leistungsbedarf zwischen 50 MW bis 55 MW.
Der Frankfurter Flughafen wird über zwei unabhängige Einspeisungen, die durch bewusstes Schalten auch gekoppelt werden können, versorgt. Somit kann, unabhängig von der Übertragung aus dem Hochspannungs- auf den Mittelspannungsbereich, eine Aussage zur Ausfallwahrscheinlichkeit des Verbundnetzes einerseits und einer definierten Insellösung der Mainova andererseits gemacht werden.
Für das europäische Verbundnetz einschließlich der Erzeugung-, Schalt- und Netzeinrichtungen wurde eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 7 x 10-6 ( als Mittelwert) und für den Inselbetrieb der Mainova (Heizkraftwerk Niederrad) von 7 x 10-3 (Mittelwert) berechnet und durch die Statistik untermauert.
Die Gesamtausfallwahrscheinlichkeit unter Berücksichtigung der Y2K-Problematik wurde so mit 5 x 10-6 ermittelt. Dies ist ein Wert, der eine um rund 30 % höhere Sicherheit der Stromversorgung im Vergleich zum Normalbetrieb darstellt.
Zum Jahr-2000-Wechsel wird der Frankfurter Flughafen wie im Normalbetrieb von den Mainkraftwerken und der Mainova mit Strom versorgt. Vorsorglich, so sieht es die Versorgungslösung vor, bereitet die Mainova das Heizkraftwerk Niederrad auf Inselbetrieb vor. Sollte das Verbundnetz ausfallen, ist damit gesichert, dass der Flughafen über dieses Kraftwerk komplett mit Strom versorgt wird.
Damit ist der Flughafen auf den Jahreswechsel vorbereitet, die Komponenten der Ver- und Entsorgung sind fit für das Jahr 2000. Quasi im Nebeneffekt hat dieses Projekt eine Fülle von möglichen Optimierungen technischer, wirtschaftlicher und organisatorischer Art bei der Ver- und Entsorgung aufgezeigt. mg
Keine Betriebsstörungen durch Stromausfälle befürchtet der Flughafen Frankfurt zum Jahr-2000-Wechsel. Im Krisenfall könnte allein das Kraftwerk Niederrad ausreichend Strom liefern.

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