Milliarden Jahre alt 29.10.2015, 12:55 Uhr

Überraschung: Komet Tschuri besteht teilweise aus Sauerstoff

Sensationsfund im Weltraum: Die Gaswolke um den Kometen Tschuri enthält Milliarden Jahre alte Sauerstoffmoleküle. Das konnten Wissenschaftler mit Messdaten der Raumsonde Rosetta nachweisen. Die Erkenntnisse mischen die Karten auf der Suche nach außerirdischem Leben neu. 

Komet Tschuri: Forscher haben uralte Sauerstoffmoleküle in seiner Gaswolke gefunden und gehen nun davon aus, dass ein Teil des Kometenmaterials älter als unser Sonnensystem ist. 

Komet Tschuri: Forscher haben uralte Sauerstoffmoleküle in seiner Gaswolke gefunden und gehen nun davon aus, dass ein Teil des Kometenmaterials älter als unser Sonnensystem ist. 

Foto: ESA

Forscher der Universität Bern haben die Gaswolke des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenki mit einem Massenspektrometer der Raumsonde Rosetta unter die Lupe genommen. Dabei staunten sie nicht schlecht. Denn die Gaswolke des Kometen, der derzeit auf die Sonne zurast, besteht zu 3,8 % aus molekularem Sauerstoff (O2).

„Das ist der überraschendste Fund, der uns bisher bei 67P gelungen ist“, sagte Forscherin Kathrin Altwegg auf einer Pressekonferenz. Warum? Weil er belegt, dass Sauerstoffmoleküle auch im Schweif eines toten Kometen existieren und somit keine zweifelsfreie Signatur des Lebens sind – eine wichtige Entdeckung für Forscher, die auf der Suche nach außerirdischem Leben erdähnliche Planeten nach Spuren von Sauerstoff abtasten.

Sauerstoffmoleküle sind Milliarden Jahre alt

Der Sensationsfund kam völlig unerwartet. Denn Kometen gelten als 4,5 Milliarden Jahre alte Urmaterie aus der Frühzeit des Sonnensystems. Und bislang sind die Forscher davon ausgegangen, dass sich der chemisch sehr reaktive Sauerstoff mit Wasserstoff hätte verbinden müssen. Der war im frühen Sonnensystem nämlich reichlich vorhanden. Trotzdem existieren immer noch Sauerstoffmoleküle im Schweif des Kometen. „Wir hätten nie gedacht, dass Sauerstoff Jahrmilliarden überleben kann, ohne sich mit anderen Stoffen zu verbinden“, sagt Altwegg.

Raumsonde Rosetta: Sie hat ein Massenspektrometer an Bord, mit dessen Hilfe die Forscher Tschuris Gaswolke untersuchen konnten. 

Raumsonde Rosetta: Sie hat ein Massenspektrometer an Bord, mit dessen Hilfe die Forscher Tschuris Gaswolke untersuchen konnten.

Foto: ESA

Es ist das erste Mal, dass man Sauerstoff in der Umgebung eines Kometen nachweisen konnte. „Erstaunlich für uns war auch die Feststellung, dass das Verhältnis von Wasser zu Sauerstoff sich weder mit dem Ort auf dem Kometen noch mit der Zeit änderte ­– es also eine stabile Korrelation zwischen Wasser und Sauerstoff gibt“, so Altwegg weiter. Ihre Erkenntnisse veröffentlichen die Forscher in der britischen Fachzeitschrift Nature.

Neue Modelle über die Bildung des Sonnensystems?

Und wo kommen die Sauerstoffmoleküle her? Laut Forschern ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass ein großer Teil des Kometenmaterials älter ist als unser Sonnensystem und der Sauerstoff schon vor dessen Bildung entstand. Und wie? Hochenergetische Teilchen seien auf Eiskörner in den kalten und dichten Geburtsstätten der Sterne, den sogenannten dunklen Molekülwolken, getroffen und hätten Wassermoleküle gespalten. „Dieser Hinweis auf Sauerstoff als uraltes Material wird wahrscheinlich einige theoretische Modelle über die Bildung des Sonnensystems über den Haufen werfen“, ist Altwegg überzeugt.

Sauerstoffatome (O) auf Tschuri haben die Wissenschaftler übrigens schon vor längerer Zeit nachweisen können. Sie entstehen während des Flugs des Kometen ständig neu, wenn die ultraviolette Strahlung der Sonne verdampfende Wassermoleküle aufspaltet.

 

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