Krisentreffen zum BER 28.02.2014, 14:53 Uhr

Trotz Rücktrittsgerüchten: Mehdorn bleibt Berliner Flughafenchef

Hartmut Mehdorn bleibt Chef der Berliner Flughafengesellschaft. Eine Demission lehnte der Aufsichtsrat in einer Sondersitzung am Freitag ab.Alle weiteren Fragen zum geplanten Hauptstadtflughafen BER bleiben auch nach dem Krisentreffen im Roten Rathaus unbeantwortet. Es gibt weiterhin keinen Eröffnungstermin und keine Antwort darauf, wie die weiter steigenden Kosten gedeckt werden sollen.

Mit Kerzen und Transparenten haben Anwohner des künftigen Hauptstadtflughafens für ein Nachtflugverbot vor dem Landtag in Potsdam protestiert. Das Nachflugverbot ist zwischen Berlin und Brandenburg umstritten. BER-Chef Mehdorn hat vor zu großen Einschränkungen des Flugverkehrs gewarnt.

Mit Kerzen und Transparenten haben Anwohner des künftigen Hauptstadtflughafens für ein Nachtflugverbot vor dem Landtag in Potsdam protestiert. Das Nachflugverbot ist zwischen Berlin und Brandenburg umstritten. BER-Chef Mehdorn hat vor zu großen Einschränkungen des Flugverkehrs gewarnt.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Zum Krisentreffen waren neben Mehdorn der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke, Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, und Berlins Regierender Bürgermeister und BER-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Wowereit am Freitag morgen zusammengekommen. Die Runde beschäftigte sich mit Mehdorns Vorwürfen an den Aufsichtsrat, er werde nicht ausreichend unterstützt. Auch hatte Mehdorn die Absage des geplanten Testbetriebs am Nordpier, die öffentliche Diskussion um den Schallschutz und die Aussage kritisiert, dass der Flughafenbetrieb auch im kommenden Jahr keinesfalls aufgenommen werden kann.

Wowereit lobt die Arbeit Mehdorns

Am Ende des Treffens sprach Klaus Wowereit, der als BER-Aufsichtsratsvorsitzender selbst umstritten ist, dem Flughafenchef sein Vertrauen aus. Mehdorn bearbeite die Baustellen des BER-Projektes „mit Verve“, sagte Wowereit vor dem Roten Rathaus. „Er kniet sich voll rein und lässt nicht locker“, lobte er Mehdorn.

Alle weiteren Fragen blieben unbeantwortet. Auf einen Eröffnungstermin wird sich nach Aussagen Wowereits der Aufsichtsrat auch bei seiner nächsten Sitzung im April nicht festlegen. Es könne auch ein anderes Jahr als 2016 sein, so Wowereit. „Es kann auch 2015 sein.“ Auf die Auseinandersetzungen mit Brandenburg über den Lärmschutz am BER wollte er ebenfalls nicht eingehen, auch wenn er das Thema als „ganz wichtig“ bezeichnete.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (2.v.r) kommt am Freitag, 28.2.2014, in Berlin zum BER-Gipfeltreffen im Roten Rathaus: Eine Entlassung von BER-Chef Hartmut Mehdorn lehnte das Gremium ab.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (2.v.r) kommt am Freitag, 28.2.2014, in Berlin zum BER-Gipfeltreffen im Roten Rathaus: Eine Entlassung von BER-Chef Hartmut Mehdorn lehnte das Gremium ab.

Foto: dpa/Paul Zinken

Ebenso nichtssagend äußerte sich Wowereit zu den Kosten des BER. Man könne Zahlen erst erörtern, wenn sie auf dem Tisch lägen. Und dass bei Aufsichtsratssitzung im April ein neuer Kostenplan vorliegen wird, daran hat er Zweifel.

4,6 Milliarden Euro für Flughafenbau fast verbraucht

Dabei wird es höchste Zeit für einen neuen Kostenplan. Nach Informationen des Berliner Tagesspiegel sind die bisher für den Bau zur Verfügung gestellten 4,6 Milliarden Euro nahezu verbraucht. „Das Jahr 2014 ist gesichert“, sagte Mehdorn dazu. Die Verzögerungen kosten den Steuerzahler viel Geld. Mehdorn kalkuliert derzeit für jeden Monat Verzögerung mit 17 Millionen Euro. Nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen sind es aber „nur“ zwischen sieben und neun Millionen Euro.

Wie viel weiteres Kapital benötigt wird, dazu gibt es bislang keine Aussage. Da Mehdorn aber noch vor der Eröffnung bereits die Erweiterung des BER plant, wird es noch teurer als bisher abzusehen. Der BER ist für 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Schon jetzt fertigen die Berliner Flughäfen aber rund 25 Millionen Passagiere jährlich ab. Und Mehdorn sagte: „Wir erwarten 2016 rund 30 Millionen Passagiere.“

Wegen des Lärmschutzes war Mehdorn zuletzt in die Kritik geraten. Erst am Donnerstagabend musste er sich dem Flughafen-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags Kritik stellen. Der Flughafenchef hatte neue Behörden-Auflagen für die Verschiebung der Nordbahn-Sanierung am neuen Hauptstadtflughafen für Verzögerungen verantwortlich gemacht. 

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