Komet Tschuri erkunden 24.08.2014, 06:55 Uhr

Suche nach perfektem Landeplatz beginnt

In drei Monaten soll erstmals ein wissenschaftliches Modul, Philae genannt, auf einem Kometen landen. Bis dahin müssen die Wissenschaftler auf der Erde den idealen Standort auf Tschuri finden. 

Das Modell zeigt die Beleuchtung der Oberfläche und Regionen auf dem Kometen Tschuri, die für eine Landung infrage kämen.

Das Modell zeigt die Beleuchtung der Oberfläche und Regionen auf dem Kometen Tschuri, die für eine Landung infrage kämen.

Foto: CNES

Philae ist ganz schön anspruchsvoll. Er braucht eine Menge Sonne und liebt extreme Kälte ebenso wenig wie holprigen Untergrund. Felsbrocken machten ihm gar den Garaus. Philae ist ein so genannter Lander, was sich englisch ausspricht. Philae soll das erste von Menschenhand geschaffene Modul sein, das auf einem Kometen landet, auf Tschuri, der mit vollem Namen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko heißt. Derzeit ist Philae noch an Bord des Mutterschiffs Rosetta, das um den Kometen kreist und ihn akribisch unter die Lupe nimmt. Gesucht wird ein Landeplatz, der den gehobenen Ansprüchen des Landers gerecht wird.

Bordinstrumente identifizieren Areale

Sonne braucht er, damit seine Solarzellen genügend Strom erzeugen, um die wissenschaftlichen Geräte an Bord zu versorgen. Kälte mag er nicht, weil darunter die Elektronik leidet. Und unebene Untergründe oder gar Felsbrocken sind ihm ein Graus, denn er würde bei der Landung gleich umfallen – Mission gescheitert. Am 25. November soll er auf einem von fünf Arealen niedergehen, die die Betreuer an Hand der Bordinstrumente derzeit identifizieren. Am 25. August fällt die Entscheidung.

Tschuri flitzt derzeit in einer Entfernung von 600 Millionen Kilometern durchs All. 

Tschuri flitzt derzeit in einer Entfernung von 600 Millionen Kilometern durchs All. 

Foto: ESA/Rosetta/NAVCAM

Es handelt sich jeweils um Gebiete mit einem Radius von 500 Metern, die in den kommenden drei Monaten noch genauer untersucht werden sollen, um den idealen Landeplatz zu finden. Der muss nicht nur die bisher genannten Kriterien erfüllen, sondern auch wissenschaftlich ergiebig sein. Immerhin wollen die Forscher im Rahmen der Rosetta-Mission herausfinden, was die Welt einst im Innersten zusammenhielt, unmittelbar nach dem Urknall, bei dem das Weltall entstand. Tschuri stammt noch aus dieser Zeit.

In den vergangenen Wochen hat er die Forscher auf der Erde schon mehrfach überrascht, vor allem durch seine Form. Er ähnelt einem Quietscheentchen, nicht einer Kartoffel, wie ursprünglich angenommen. Am 6. August erreichte die Rosetta-Sonde schließlich den Kometen und schwenkte auf eine Umlaufbahn ein, aus der ihn die Bordinstrumente erkunden.

Landung ohne Hilfe von der Erde

Tschuri flitzt derzeit in einer Entfernung von 600 Millionen Kilometern durchs All. Die schiere Entfernung ist eine gewaltige Herausforderung für die Wissenschaftler im Lander Control Center (LCC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln. Weil alle Signale aus dem LCC Rosetta und Philae mit rund 30 Minuten Verspätung erreichen, kann die Sonde nicht handgesteuert gelandet werden. Sie wird völlig auf sich selbst gestellt sein und sich nur an einer zuvor festgelegten Prozedur orientieren können, die neben dem Zielpunkt beispielsweise auch die Aufsetzgeschwindigkeit festlegt. Hat Philae die Oberfläche des Kometen erreicht schießen zwei Harpunen in den Untergrund, die verhindern, dass der Lander gleich wieder davon fliegt. Die geringe Gravitationskraft des nur vier Kilometer langen Kometen, der 4,64 Milliarden Jahr alt ist, reicht nicht, um Philae am Boden zu halten. 

Von Wolfgang Kempkens Tags:

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