Luftfahrt 15.03.2002, 17:33 Uhr

Start und Landung ohne Zwischenfälle

Gabriela Kroll hat seit ihrem Check-in bei der Lufthansa 1986 einen Steilflug hingelegt. Die 41-jährige promovierte Maschinenbau-Ingenieurin leitet nach einigen anderen Management-Etappen bei der Kranich-Linie seit kurzem die „Strategischen Airline Allianzen“ bei der Frachttochter Lufthansa Cargo in Frankfurt am Main.

Heute hier, morgen dort… Für Gabriela Kroll ist das Alltag. Als Managerin für ein wahrlich interkulturelles Projekt sitzt sie häufig im Flieger und düst über Kontinente und Ozeane. Ihre Basisstation hat sie im LH-Gebäude 451 am Frankfurter Flughafen mit Blick aufs Rollfeld. Sie checkt gerade die E-Mails. Zu den Routinearbeiten kommt sie meist erst abends. „Bis 18 Uhr bin ich meist zügig durchgeplant.“ Noch gerade eben schritt sie die Gangway hinunter – nach 13 Stunden über den Wolken, Abflugort Singapur. Dort ist sie häufig, denn Singapore Airlines ist eine der drei Luftfrachtgesellschaften, die neben Lufthansa Cargo und der skandinavischen SAS Cargo die Allianz bilden. Gabriela Kroll richtete im Sommer 2000 vier so genannte Business Integration Teams ein, die jeweils mit Mitarbeitern aller drei Frachtfluggesellschaften besetzt sind.

Die Verantwortlichen hatten alle ihr Päckchen zu tragen: Die Standardisierung der Abfertigungsprozesse und die Vernetzung der IT-Systeme stehen beispielsweise auf dem Plan – viele Hürden sind bereits genommen. So unterschiedlich wie die Aufgaben sind die kulturellen Zusammenhänge, aus denen sich die Personen der Allianz-Teams rekrutieren. Eine Herausforderung für die Projektmanagerin aus Deutschland, die es aber als Erfolg des ganzen Teams wertet, dass die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten so gut klappt. Mit dem bislang Erreichten ist sie zufrieden und hat weitere Pläne für die Allianz – in absehbarer Zeit soll ein weiterer Partner mit an Bord gehen. „Wichtig ist, dass man klar und deutlich macht, was man eigentlich verstanden hat, damit man sich innerhalb der verschiedenen Kulturen nicht missversteht“, sagt sie.

Da werden Protokolle geschrieben und E-Mails verfasst, zu komplex sind die Zusammenhänge, um sich auf bloße Absprachen zu verlassen. Das hört sich nach endlosen Formalien an. Doch das würde – einfach so hier hingeschrieben – der gebürtigen Wuppertalerin nicht gerecht werden. Denn die natürlich wirkende Managerin zeichnet sich durch eine Reihe von Merkmalen aus, die für diesen Job unerlässlich sind und die nicht jeder Ingenieur von Haus aus mitbringt: Kompromissfähigkeit, diplomatisches Geschick, Kommunikationstalent, interkulturelles Know-how, Kenntnisse der betriebswirtschaftlichen Abläufe…

Die Liste ließe sich fortsetzen. Sie hat auf ihrem Weg nach oben nie thematisiert, dass sie eine Frau ist. „Umgekehrt habe ich aber auch nie einen Nachteil davon gehabt. Ich hatte immer das Gefühl, dass leistungsbezogenes Arbeiten honoriert wurde.“ Aber sie kann natürlich auch kleine Geschichten aus dem Alltag erzählen, die ein Schlaglicht darauf werfen, wie wenig die Gesellschaft an Frauen in Positionen gewöhnt ist, die sonst eher von Männern besetzt sind – und lacht darüber herzlich und gern. Beispielsweise die, als sie mit gerade 24 Jahren Leiterin der Ground Support Equipment der Lufthansa Technik war, Chefin von 24 Ingenieuren, und ein Meister sie während einer Kontrolle am Dock mit Worten wie “Frollein, jetzt gehen Sie da mal weg“ oder so anrief – er hatte sie schlichtweg für eine Stewardess gehalten. „Ich fand“ das lustig“, sagt Gabriela Kroll. Das macht wohl einen Teil ihres Erfolges aus: Sie ist akribisch, arbeitet planvoll – und gleichzeitig wirkt sie locker und gelöst. „Ich habe aus meinem Studium ziel- und prozessorientiertes Arbeiten mitgenommen, ich brauche immer eine Struktur als Basis.“

Die Arbeitsweise kam ihr schon in frühen Jahren zugute: Ihr Spaß an den Fächern Mathematik und Physik brachte sie auf das Maschinenbaustudium. Ihre schwerste Entscheidung war die, sich aus dem technischen Sektor zu verabschieden und ins Lager der Konzernstrategie zu wechseln. „Ich habe lange überlegt, ob ich das machen soll“, sagt Gabriela Kroll. Es war im Prinzip so etwas wie ein kompletter Neuanfang mit einer „Phase der Behauptung“ – wie sie es selbst nennt. Sie hat in England, Kanada, Indien und Japan studiert, erlangte 1997, zwei Jahre nach dem Doktortitel an der Bergischen Universität, am Insead-Institut in Fontainebleau/Frankreich das Diplom im International Masters Programme in Management (IMPM). Ein Jahr später setzte sie den MBA in Management an der Mc Gill University in Montreal/Kanada drauf – damals war sie schon General Manager Corporate Strategy in der Lufthansa Cargo, es folgten Stationen als Vice President in den Abteilungen Quality Management und Corporate Strategy. „Ich hatte immer Spaß an herausfordernden Themen und Aufgaben. Natürlich wollte ich mich auch ganz klar weiterentwickeln und habe neue Herausforderungen gesucht – diese Strategie hat sich bewährt. Habe mir immer gesagt, du musst eine interessante Position finden, und dann habe ich überlegt, wie ich die nächste Stufe erreichen kann. Und es hat immer geklappt.“ Sie fühlt sich in ihrer jetzigen Position gut verankert. Und nach den anstrengenden Tagen und nicht selten arbeitsreichen Wochenenden entspannt sie gern beim thailändischen Kochen, meist mit einem Kochbuch daneben, obwohl sie die Zutaten meist nicht genau abwiegt und bei Gramm und Kilo auch gern Fünfe mal gerade sein lässt. Im Buch erfreut sie sich eher an den schönen Bildern. „Da ist mir die Präzision dann eher egal, beim Kochen muss man sich auf sein Gefühl verlassen können.“ Wenn es irgendwie möglich ist, hält sie sich auch den einen oder anderen Montagabend frei. Dann greift sie zu Pinsel und Farbe. Ein Produkt ihrer Teilnahme am Malkurs steht auf einem Regal im Büro. Das farbenprächtige Motiv ist ein klein wenig außergewöhnlich: Fenchel vor rotem Hintergrund.

CLAUDIA HANTROP

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