Luftfahrt 02.06.2000, 17:25 Uhr

Standorte in aller Welt

Bei Lufthansa Technik entwickeln Ingenieure zwar keine Flugzeuge, doch sie warten sie und bauen sie für wohlhabendere Zeitgenossen zu luxuriösen, fliegenden Palästen um.

Die Lufthansa Technik AG (LHT), seit fünf Jahren eine eigenständige 100 %-ige Tochter des Lufthansa-Konzerns, beschäftigt weltweit etwa 800 Ingenieure, davon ungefähr zwei Drittel am Firmensitz in Hamburg, die übrigen in Frankfurt und an anderen Standorten in aller Welt. Heute entfällt nur noch etwa die Hälfte der Arbeiten auf Lufthansa selbst. Dazu beigetragen haben Wartungsarbeiten an Flugzeugen anderer Airlines, aber auch das in den letzten Jahren stark gewachsene Geschäft mit der Innenausstattung von VIP-Flugzeugen. Zu den Herrschern aus vornehmlich arabischen Ländern, die ihre Boeings zu fliegenden Palästen umbauen ließen, kommen immer mehr Besitzer von Geschäftsreiseflugzeugen hinzu.

Ein interessantes Arbeitsumfeld für einen jungen Ingenieur, eine junge Ingenieurin. Schließlich gilt es, sich mit einer Vielzahl von Anforderungen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt auseinander zu setzen – Sprachkenntnisse (Englisch!) natürlich vorausgesetzt.

Welche Aufgaben warten nun auf Jungingenieure, von denen Lufthansa Technik innerhalb der letzten beiden Jahre immerhin 70 eingestellt hat? Trainee-Programme gibt es bei LHT (noch) nicht. Statt dessen wird dem „Direkteinstieg mit unmittelbarer Verantwortungsübernahme und individuell ausgestaltetem Einarbeitungs- und Entwicklungsprogramm“ (O-Ton Lufthansa Technik) der Vorzug gegeben. Selbstverständlich findet, wer auf der Suche nach einer „klassischen“ Ingenieursbeschäftigung ist, bei den Hamburgern eine Entwicklungsabteilung, in der unter anderem die Kabinen der Businessjets entworfen werden.

Siegfried Pfaffenberger, Leiter des Fachbereichs Lufttüchtigkeit im Bereich Entwicklungs-Engineering, ist ein gutes Beispiel für die Vielseitigkeit der Ingenieursaufgaben innerhalb der Lufthansa-Tochter. In seiner Abteilung befassen sich acht Ingenieure ausschließlich mit der Musterprüfung, d.h. mit jenem Nachweis der Einhaltung von Bauvorschriften, der letztlich zur Zulassung einer Neuentwicklung oder Modifikation führt. Aufgabe eines Musterprüfers ist es, zusammen mit dem Entwicklungsingenieur zu definieren, was für ein bestimmtes Bauteil im Rahmen einer Musterprüfung nachgewiesen werden und in welcher Form dies geschehen muss. Der Muster-Prüfingenieur verfügt über eine Zulassung durch das Luftfahrt-Bundesamt (LBA), wirkt damit quasi als verlängerter Arm der Luftfahrtbehörde.

Pfaffenberger, der in München Maschinenbau studiert hat und seit fast 39 Jahren im Lufthansa-Konzern beschäftigt ist, hat auch eineinhalb Jahre als LH-Vertreter beim Flugzeughersteller Boeing in Seattle verbracht. Dort war er für die Bauüberwachung und Abnahme von für Lufthansa bestimmte Flugzeugen zuständig.

Ingenieure, die mittlerweile nicht mehr für einen längeren Zeitraum bei Airbus oder Boeing vor Ort sind, sondern nur noch bei einer anstehenden Auslieferung, achten auch darauf, dass die in der Spezifikation festgelegten Eckwerte – etwa hinsichtlich Verbrauch, Leistung oder Lärmemission – beziehungsweise Lufthansa-eigene Vorstellungen beim Bau eingehalten werden.

Ganz andere Aufgaben erwarten einen Berufseinsteiger im Bereich Product Engineering. Hier sind nicht nur Diplom-Ingenieure aus dem Maschinenbau oder der Luft- und Raumfahrttechnik gefragt. „Wir haben erst kürzlich mehrere frische Wirtschaftsingenieure eingestellt, die bei uns die Chance erhalten, gemeinsam mit gestandenen Produktionsleuten Angebotskalkulation und Ablaufplanung zu machen“, beschreibt Bernhard Schöning, Leiter der Abteilung PEP (Product Engineering and Planning) ein mögliches Arbeitsfeld für Berufsanfänger. Schöning und seine Leute sind gefragt, wenn sich etwa während der Überholung einer älteren Maschine herausstellt, dass die Befestigungselemente der Bordküche ersetzt werden müssen, der seinerzeitige Hersteller dieser Befestigungen aber längst nicht mehr existiert und im günstigsten Fall vielleicht noch ein paar alte Zeichnungen aufgetrieben werden können. Dann müssen die Produkt-Ingenieure unter hohem Zeitdruck das kaputte Bauteil neu fertigen lassen oder gegebenenfalls ganz neu entwerfen. Gleiches gilt, wenn Korrosionsschäden festgestellt werden, die über das in den Handbüchern beschriebene Maß hinausgehen, oder Oberflächenbeplankung oder tragende Teile neu konstruiert und gefertigt werden müssen. Das Product Engineering ist sozusagen das letzte Glied in einer Kette von Ingenieurabteilungen, die dafür Sorge tragen, dass Verbesserungen vorgenommen oder Kundenwünsche umgesetzt werden.

Da gibt es zunächst die Entwicklungingenieure, auf deren Computern Kabinen-Inneneinrichtungen oder neue Antennen entstehen. Diese Ideen müssen anschließend von den System-Ingenieuren unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeits- und Verfügbarkeitskriterien (für welche Maschine ist wann und wo ohnehin eine längere Liegezeit geplant) für ein bestimmtes Flugzeugmuster in der Flotte umgesetzt werden. Die Produkt-Ingenieure schließlich setzen diese Vorgaben in die Praxis um. Ausreichend Aufgaben also für Ingenieure bei Lufthansa Technik.

Von Achim Figgen

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