Datenschreiber besser schützen 01.04.2015, 11:59 Uhr

Schleudersitz für Blackbox: Airbus baut neue Technik in große Flieger ein

Airbus will in seine Großraummaschinen A350 und A380 neuartige Blackboxes einbauen, die bei einem Absturz herausgeschleudert werden. Dadurch sollen die Datenschreiber vor Zerstörung geschützt werken und leichter auffindbar sein. Nach dem Datenschreiber der abgestürzten Germanwings-Maschine wird dagegen weiter gesucht.

Großraumflugzeug A380 von Airbus: Der Flugzeughersteller hat jetzt entschieden, neuartige Flugschreiber in seinen Großraumflugzeugen einzubauen, die bei einem Absturz herausgeschleudert werden. Dadurch soll ihre Beschädigung verhindert werden.

Großraumflugzeug A380 von Airbus: Der Flugzeughersteller hat jetzt entschieden, neuartige Flugschreiber in seinen Großraumflugzeugen einzubauen, die bei einem Absturz herausgeschleudert werden. Dadurch soll ihre Beschädigung verhindert werden.

Foto: Bengt Lange/Airbus

Mit einer Geschwindigkeit von rund 800 Kilometern pro Stunde ist die Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen aufgeschlagen. Es war wohl ein glücklicher Zufall, dass schon kurz nach dem Absturz der Stimmenrekorder gefunden wurde, dessen Aufzeichnungen zeigten, dass der Co-Pilot die Maschine wohl absichtlich abstürzen ließ.

Die Ermittler wollen und dürfen sich damit allein aber nicht zufriedengeben. Und so suchen sie verzweifelt nach dem zweiten Datenträger, der sogenannten Blackbox, die über die gesamte Flugzeit Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit, Neigungswinkel des Flugzeuges und eine Reihe von Messparametern der Triebwerke aufzeichnet. Auch die Eingaben der Besatzung in den Bordcomputer werden darin gespeichert.

Erst, wenn dieser Datenschreiber gefunden und ausgewertet ist, wird sich definitiv sagen lassen, welche Manöver der Co-Pilot tatsächlich aktiv ausgeführt hat. Angesichts der Heftigkeit des Aufpralls könnte diese zweite Box allerdings auch zerstört und die Daten verloren sein.

Geschützt gegen schwere Stöße und Feuer

Flugzeughersteller Airbus hatte schon vor einigen Monaten angekündigt (LINK), die Blackboxes, die in Wirklichkeit nicht schwarz, sondern leuchtend orange lackiert sind, künftig noch besser zu schützen. Die Geräte halten zwar dank ihrer Stahlummantelung schwere Stöße und Feuer aus, aber oft dauert es sehr lange, bis sie gefunden werden – nach dem Absturz einer Air-France-Maschine im Atlantik hat es fast zwei Jahre gedauert, bis der Datenschreiber entdeckt wurde.

Und der Versuch, die Blackbox von MH370 nach dem Verschwinden über dem Indischen Ozean zu orten, war bislang völlig erfolglos. Kein Stück der Maschine ist bis heute gefunden. 

A 350 der Vietnam Airline: In den A380 und den A350 baut Airbus nun Blackboxes ein, die besser geschützt sind und nach einem Absturz leichter gefunden werden können.

A 350 der Vietnam Airline: In den A380 und den A350 baut Airbus nun Blackboxes ein, die besser geschützt sind und nach einem Absturz leichter gefunden werden können.

Foto: Alexandre Doumenjou/Airbus

Das Unglück in den französischen Seealpen hat nun noch einmal den Druck auf die gesamte Luftfahrtindustrie verstärkt. Die Suche ist hier auch deshalb besonders schwierig, will die Geräte nur bei Kontakt mit Wasser Funksignale aussenden.

Airbus hat nun entschieden, in die Großraummaschinen A350 und A380 neuartige Blackboxes einbauen, die wahrscheinlich direkt unter der Außenhaut angebracht sind und kurz vor einem Aufprall aus dem Flugzeug geschleudert werden sollen. Damit würden sie weniger stark beschädigt. Der Hersteller bestätigte jetzt, dass die Entwicklung dieser Geräte fortgeschritten ist und die Genehmigung der Behörden demnächst eingeholt werden soll.

Datenschreiber könnte weit entfernt liegen

Nachteil dieser Methode könnte allerdings sein, dass die Flugschreiber noch viel weiter entfernt vom Absturzort liegen könnten. Außerdem ist die Frage, ob diese Technik im Fall der Germanwings-Maschine geholfen hätte, denn diese schleudersitzartige Funktion braucht ja einen Auslöser, etwa einen Knopfdruck im Cockpit oder eine Kopplung an den ultimativen Notruf, den Piloten üblicherweise erst kurz vor einem schweren Unfall absetzen. Beides hat beziehungsweise hätte der Co-Pilot wohl nicht getan.

Von Werner Grosch Tags:

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