Satelliten 22.06.2001, 17:30 Uhr

Satellit bringt Hand(y)schlag mit arabischer Welt

Satellitentelefonsysteme haben“s nicht leicht. Frühstarter Iridium hat Pleite und Sanierung hinter sich. Globalstar, die technisch bessere Lösung, schrammte am Konkurs vorbei. Nun geht mit Thuraya ein System aus den arabischen Emiraten mit einfachem Konzept ambitioniert an den Start.

Thuraya, das Satellitentelefonie-System aus den Vereinten Arabischen Emiraten hat Charme. Gegenüber seinen Konkurrenten Iridium und Globalstar überzeugt die Lösung vor allem durch ihr einfaches Konzept. Statt 66 bzw. 48 Satelliten wie bei den mehr oder weniger global verfügbaren Konkurrenten arbeitet Thuraya mit einem geostationären Satelliten in 35 767 km Höhe, 44° Ost über dem Äquator. Auch die Inmarsat-Satelliten operieren in ähnlichen Höhen, sind aber nur mit Laptop-ähnlichen Funkgeräten, die ausgerichtet werden müssen, erreichbar.

Das System aus Abu Dhabi bietet dagegen zwei Handys von Hughes und Ascom an, die auch in den erdgebundenen digitalen GSM-Mobilfunknetzen funken können. „GSM hat in Saudi-Arabien nur eine Netzabdeckung von 25 %“, begründet Thuraya-PR-Manager Marwan Lufti das Konzept.

Anstatt die ganze Erde versorgen zu wollen, haben die Araber bescheidenere Pläne. Der am 21. Oktober letzten Jahres mit einer Zenit-3SL ins All geschossene Satellit erreicht nur den Mittleren Osten, den indischen Subkontinent, Nord- und Zentralafrika sowie Europa bis zur Nord- und Ostsee. Deutschland, Dänemark, die baltischen Staaten, Russland und Großbritannien bilden die nördliche Grenze.

„Thuraya benötigt wenig Investitionen und hat einen langlebigen Satelliten“, rühmt Lufti das System. An den Investitionskosten von 1 Mrd. Dollar sind mehrere saudi-arabische Firmen beteiligt, die Boeing Satellite Systems, Telefongesellschaften u. a. aus Kuwait, Libyen, Bahrein, Ägypten, Marokko, Tunesien und aus dem Sudan. Einen kleinen Anteil hält auch die Detecon, eine 49 %-Tochter der Deutschen Telekom, die auch in Saudi-Arabien beratend tätig ist. Die Mehrheit an Detecon besitzen die Banken SEB, Deutsche und Dresdner Bank.

Der Satellit soll 12 bis 15 Jahre lang den Erdumdrehungen folgen und hält sich zwei bis drei Mal so lang wie die Himmelskörperkompanien der Konkurrenten in der Umlaufbahn. Das hält die Kosten niedrig und wirkt sich auch auf die Preise aus. Auf dem GSM-Kongress in Cannes im Februar 2001 war von 50 US-Cent für Verbindungen zwischen Thuraya-Handys die Rede. Die Obergrenze werde bei 2 Dollar liegen, erwartete PR-Manager Lufti.

Doch aus der für Ende März 2001 geplanten Inbetriebname ist nichts geworden. „Early 2001“ verkündet die Website noch immer. Immerhin präsentiert Thuraya schneller als seinerzeit Iridium eine lange Liste von Roaming- und Kooperationspartnern in Europa und Asien. Deutschland ist noch nicht dabei, soll aber ebenso einbezogen werden wie bereits Frankreich, Großbritannien und Italien.

Insgesamt, rechnet Thuraya, leben im 99 Länder umfassenden Einzugsgebiet 2,3 Mrd. Menschen. Zielgruppen sind in erster Linie jedoch dieselben Kunden wie bei Iridium und Globalstar: die Mitarbeiter der zahlreichen Ölfelder im Nahen Osten, die private und kommerzielle Schifffahrt auf dem Mittelmeer und vor den Küsten Europas, Asiens und Nordafrikas, außerdem Weltreisende, die Fahrer von Speditions-Lkws und Rettungsdienste. Aber auch ganz gewöhnliche Mobilfunkkunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen bei Bedarf zwischen den GSM-Netzen und dem Kommunikationssatelliten wählen können. Die erste Bodenstation, von der aus der Satellit gesteuert wird, steht in Sharjah in Saudi-Arabien. Telecom Egypt betreibt die zweite in Almaadi, Ägypten.

Die Satellitenhandys von Hughes und Ascom sind im Gegensatz zu den mit fingerdicken Stabantennen ausgestatteten Konkurrenzprodukten fast so handlich wie GSM-Handys. Sie bieten einiges mehr als die Globalstar- und Iridium-Handys und sind serienmäßig mit einem GPS-Empfänger zur Positionsbestimmung ausgerüstet.

Sprache und Daten werden mit Geschwindigkeiten von bis zu 9,6 kbit/s übertragen. „Später werden wir ISDN-Geschwindigkeit erreichen“, verspricht Lufti. Nächstes Ziel ist aber die Implementation von WAP-Diensten. 700 bis 800 Dollar sollen die Handys kosten. Die Bereitschaftszeit im Satellitenbetrieb reicht je nach Akku nur 34 bis 63 Stunden. Hier werden die engen Grenzen der Satellitentechnik sichtbar.

Auch wenn die Betreiber eine GSM-vergleichbare Sprachqualität versprechen und zusätzlich stationäre Telefone installieren wollen, sind Zweifel angebracht. 72 000 km Entfernung für den Weg bis zum Satelliten und zurück sorgen durch die lange Laufzeit für eine hörbare Verzögerung. Doch wer auf diese Art der Kommunikation angewiesen ist, wird solche Kritik eher als zu vernachlässigend ansehen. Thuraya glaubt jedenfalls an den Erfolg seines Angebots und plant für Ende 2002 den Start eines zweiten Satelliten. Der soll weitere Teile der Erde abdecken.

FRIEDHELM WEIDELICH

www.thuraya.com

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