Unbemanntes Flugsystem MALE2020 19.05.2014, 13:05 Uhr

Rüstungskonzerne planen europäisches Drohnenprojekt

Drei Rüstungskonzerne planen ein neues europäisches Drohnenprojekt: Der deutsch-französische Rüstungskonzern Airbus Defence and Space will zusammen mit dem französischen Unternehmen Dassault Aviation und dem italienischen Konzern Alenia Aermacchi den Verteidigungsministern Frankreichs, Deutschlands und Italiens eine Drohne vorstellen. Sie ist speziell für Langstreckenmissionen in mittlerer Flughöhe vorgesehen – und soll kostengünstig sein.

Morgen beginnt die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin, die den Drohnen einen eigenen Schwerpunkt widmet – auf dem Messegelände neben dem Flughafen Schönefeld sollen 46 Drohnen von 20 Ausstellern aus acht Ländern gezeigt werden.

Ein Konsortium von Rüstungsfirmen unter Führung von Airbus will offensichtlich die ILA dafür nutzen, um für ihr neues Projekt einer europäischen Drohne mit hoher Reichweite zu werben. Unter der Bezeichnung MALE2020 will die Airbus-Rüstungssparte Airbus Defence and Space zusammen mit dem französischen Unternehmen Dassault Aviation und der italienischen Firma Alenia Aermacchi bis 2020 eine „kostengünstige und zulassungsfähige Drohne“ für Langstreckenmissionen in mittlerer Flughöhe mit langer Flugdauer entwickeln.

Bei einem Besuch im Bundesverteidigungsministerium am letzten Donnerstag machte Airbus Defence and Space-Chef Bernhard Gerwert Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein konkretes Angebot dazu – fertig abgestimmt mit der französischen Dassault Aviation und der italienischen Alenia Aermacchi. Ein Kooperationsvertrag der drei europäischen Rüstungsfirmen sei schon ausgearbeitet, informierte Gerwert die Ministerin – ebenso, dass das Angebot auch an die Verteidigungsministerien in Paris und Rom gehe.

Konsortium hofft auf zeitnahe Entscheidung

Das Rüstungskonsortium erwartet erst einmal eine grundsätzliche Entscheidung zum Einstieg in das Drohnenprogramm MALE2020. Danach sollen die Details von den Verteidigungsministerien, den Streitkräften und den Unternehmen der drei Länder festgelegt werden.

Der Chef der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte von Airbus, Bernhard Gerwert: Er nahm einen Tag vor Beginn der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA Stellung zum angekündigten Drohnenprojekt europäischer Rüstungskonzerne. 

Der Chef der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte von Airbus, Bernhard Gerwert: Er nahm einen Tag vor Beginn der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA Stellung zum angekündigten Drohnenprojekt europäischer Rüstungskonzerne. 

Foto: dpa/Stephanie Pilick

Die Unternehmen argumentieren, dass Europa sich auf dem strategischen wichtigen Feld der militärischen Luftfahrt nicht nur von den Produkten ausländischer Anbieter abhängig machen dürfe. Man hoffe auf eine zeitnahe Entscheidung, heißt es von dem Konsortium.  

Drohnen sind der am schnellsten wachsende Bereich der Luftfahrtbranche

Natürlich gibt es auch einen wirtschaftlichen Hintergrund: Die im Fachjargon „unbemannte fliegenden Systeme“ genannten Drohnen sind der am schnellsten wachsende Bereich der Luftfahrtbranche. Eine Marktstudie aus dem letzten Jahr stellte fest, dass sich die Ausgaben für die ferngesteuerten Flugzeuge in den nächsten zehn Jahren von 3,8 auf 8,5 Milliarden Euro mehr als verdoppeln werden. 

Die Argumentation klingt nachvollziehbar, die Termine und Kostenpläne sind vielversprechend. Allerdings sind militärische Drohnen generell schon sehr umstritten, hierzulande ganz besonders aber nach dem Desaster mit der nicht zulassungsfähigen Aufklärungsdrohne EuroHawk auf Basis eines amerikanischen Trägers. Darüber wäre schon Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière fast gestolpert. Jetzt muss sich seine Nachfolgerin Ursula von der Leyen mit dem heiklen Thema auseinandersetzen und auf das konkrete Angebot reagieren.

Bei zu später Vergabe fehlen Airbus die Ingenieure

Zumal der Europäische Rat schon auf seinem Verteidigungsgipfel im Dezember 2013 die Entwicklung einer MALE-Drohne als „Schlüsselfähigkeit für Europas Verteidigung“ bezeichnet hat. Auch im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD wurde der Bedarf an einer europäischen Drohne schon festgeschrieben.

Schon vor einigen Wochen hatte Gerwert darauf hingewiesen, dass man mit einer politischen Entscheidung nicht mehr zu lange warten dürfe. Das habe mit dem Produktionsende des Kampfflugzeuges Eurofighter im Jahr 2017 zu tun, nach dessen Ende Airbus und seinen Zulieferern viele der qualifizierten Ingenieure verloren gingen.

Von Klaus Ahrens Tags:

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