Spektakuläre Fotos 17.02.2015, 12:42 Uhr

Rosetta raste im Sturzflug auf Tschuri zu – und drehte ab

Die Raumsonde Rosetta hat sich wie ein Adler auf die Oberfläche des Kometen Tschuri fallen lassen. Der Sturzflug führte Rosetta bis auf sechs Kilometer an den Eisbrocken mit der Optik einer Quietsche-Ente heran. Erstmals gibt es nun hochauflösende Fotos von der Kometenoberfläche.

Eine Montage von vier einzelnen Bildern, die während des spektakulären Sturzfluges am Samstag aufgenommen worden sind. Diese Bilder zeigen den Kometen mit seinen hohen Bergen aus einer Entfernung von 10,6 bis 12,6 Kilometern.

Eine Montage von vier einzelnen Bildern, die während des spektakulären Sturzfluges am Samstag aufgenommen worden sind. Diese Bilder zeigen den Kometen mit seinen hohen Bergen aus einer Entfernung von 10,6 bis 12,6 Kilometern.

Foto: ESA/Rosetta/NavCam/CC BY-SA IGO 3.0

Die Raumsonde Rosetta lässt ihr Objekt der Begierde nicht aus den Augen. Nun hat sie einen Adlerangriff gestartet und ist von 100 Kilometern Abstand bis auf sechs Kilometer an den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, kürzer Tschuri, herunter geschossen. Das Ziel: Scharfe Fotos der Kometenoberfläche und einen Eindruck vom Kometengeschmack zu erhaschen.

„Es gibt austretende Gase, die man nur ’schmecken‘ kann, wenn man Tschuri auch nahe genug ist. Das gilt auch für den Staub“, sagte Rosetta-Flugdirektor Andrea Accomazzo von der Europäischen Raumfahr ESA in Darmstadt. „Deshalb machen wir die Tiefflüge.“

Tschuri-Fotos zu Panoramaansichten montiert

Das hochpräzise Kamerasystem Osiris kann nicht nur sehr hoch aufgelöste Fotos liefern. Osiris kann die chemisch-mineralogische Zusammensetzung der Kometenoberfläche erfassen. Mit jedem Tag, den sich Tschuri der Sonne nähert, treten mehr Gase und Staub aus den Eisbrocken aus. Sein Schweif wird daher immer größer und es wird einfacher, mehr über die Kometenchemie zu lernen. Tschuri ist so etwas wie eine Zeitkapsel mit unverfälschten Informationen aus der Geburtsstunde des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren.

Am gestrigen Montag hat die ESA nun erste Fotos einer Navigationskamera veröffentlicht und zu Panoramaansichten montiert. Die Aufnahmen des Kamerasystems Osiris sind noch einmal fünfmal präziser. Diese Aufnahmen werden erst in einigen Tagen veröffentlicht. Es dauert eine gewisse Zeit, bis die gigantischen Datenpakete die kosmische Distanz von 500 Millionen Kilometer überbrückt haben, die Tschuri von der Erde trennen.

Philae befindet sich zurzeit im Winterschlaf

Der Tiefflug erfolgte am Samstag wie geplant um etwa 13:40 Uhr. Die spektakulären Tiefflüge sind notwendig, da das von Rosetta im vergangenen November auf dem Kometen abgesetzte waschmaschinengroße Minil-Labor Philae derzeit mangels Energie Pause hat.

Aus einem Abstand von nur 8,9 Kilometern von der Oberfläche des Kometen Tschuri wurden diese Bilder gemacht. Dieses Bild wurde aus vier Einzefotos zusammengesetzt. Es zeigt ein 1,35 mal 1,37 Kilometer großes Stück der Oberfläche des Kometen. 

Aus einem Abstand von nur 8,9 Kilometern von der Oberfläche des Kometen Tschuri wurden diese Bilder gemacht. Dieses Bild wurde aus vier Einzefotos zusammengesetzt. Es zeigt ein 1,35 mal 1,37 Kilometer großes Stück der Oberfläche des Kometen. 

Foto: ESA/CCBY-SA 3.0 DEESA/Rosetta/NAVCAM

Philae befindet sich zurzeit im Winterschlaf, da die Sonneneinstrahlung für einen Betrieb noch nicht ausreichend ist“, sagte Philae-Projektleiter Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. „Zurzeit bereiten wir im DLR die Kommandos für den Betrieb von Philae und die wissenschaftliche Arbeit mit seinen Instrumenten vor, um uns auf sein Aufwachen vorzubereiten“, so Ulamec. „Wir horchen zum ersten Mal im März auf ein Lebenszeichen von Philae, auch wenn die Chancen für eine Rückmeldung des Landers noch gering sind. In den folgenden Wochen wird die Chance auf eine erfolgreiche Kontaktaufnahme dann aber zunehmend besser.“

„Wir sind über die andere Seite des Kometen geflogen“

Der genaue Standort des Landers liegt nicht nur im Schatten, er ist auch unbekannt. Und auch beim spektakulären Tiefflug vom Samstag konnte das Geheimnis um den Verbleib Philaes nicht gelüftet werden. „Wir sind über die andere Seite des Kometen geflogen“, sagte Accomazzo. „Wir hatten keine Chance.“

Am heutigen Dienstag wird Rosetta in einer Entfernung von 250 Kilometern seine Bahnen um Tschuri ziehen. Es sind jedoch noch weitere Tiefflüge geplant, allerdings nicht mehr ganz so nah. Die ESA denkt an Tiefflüge, die sich der Kometenoberfläche auf maximal 10 Kilometer nähern. Denn je näher Tschuri der Sonne kommt, desto aktiver und damit auch unberechenbarer wird der Komet. 

Von Detlef Stoller Tags: ,

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