Raumfahrt-Ausstellung 22.05.2017, 07:29 Uhr

„Rosetta ist die europäische Mondlandung“

Wenn ein Flugkörper 7 Milliarden km durchs All fliegt, um dann auf einem gut 4 km großen Stein zu landen, ist das eine grandiose Leistung. Die 12-jährige Reise der europäischen Raumsonde Rosetta als Kometenjäger und ihre Bedeutung für die Raumfahrt wird aktuell im Hessischen Landesmuseum Darmstadt in einer multimedialen Ausstellung nacherzählt.

Selten kann man sich in einer Ausstellung so gemütlich niederlassen und dabei sein Wissen so gründlich erweitern. Tief zurückgelehnt in einem der schwarzen Sitzsäcke richtet man im Halbdunkel den Blick an die hohe Gewölbedecke des Großen Saales im Hessischen Landesmuseum, dem altehrwürdigen Museumsbau in Darmstadt. Die Decke dient als Projektionsfläche, auf der mit Original-Bildern und anschaulichen Grafiken die Geschichte von Europas Kometenjäger Rosetta erzählt wird. Zeit, um sich gedanklich in die Tiefen des Weltraums zu begeben.

Rosetta hat besondere Bedeutung für die europäische Raumfahrt

Über 12 Jahre dauerte die einzigartige Mission mit vielen Höhepunkten, einigen Rückschlägen und der geglückten ersten Landung einer Sonde auf einem Kometen. Und nicht nur die Raumfahrtexperten haben mitgefiebert. Wie selten zuvor interessierte sich auch eine breite Öffentlichkeit für die Abenteuer der Weltraumsonde Rosetta und ihrem kleinen Lander Philae. „Die Rosetta-Mission ist so etwas wie die europäische Mondlandung“, sagt Rolf Densing, der Leiter des deutschen Raumfahrtkontrollzentrums ESOC der europäischen Raumfahrtagentur ESA.

Es ist kein Zufall, dass die Ausstellung über den Kometenjäger ausgerechnet im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zu sehen ist. In der „Wissenschaftsstadt“ hat auch das ESOC seinen Sitz und von hier aus wurde der Flug von Rosetta überwacht und gesteuert – vom Start mit einer Ariane-Rakete im März 2004 bis zum Ende der Mission im September 2016.

Philaes Landung hielt die Wissenschaftler in Atem

Als ob er immer noch unterwegs wäre, hängt der Orbiter Rosetta von der Decke des großen Museumssaales. Es handelt sich um ein Modell, denn die echte Sonde ist mit ihren beiden großen Sonnensegeln 32 m lang. Auch der Lander Philae ist im Modell vertreten und setzt gerade auf der Oberfläche von Tschuri auf.

Das spektakuläre Manöver fand im November 2014 statt und hielt die Wissenschaftler damals in Atem. Zwar gelang die erste Landung einer Sonde auf einem Kometen ohne Crash, aber die Harpunen von Philae lösten nicht aus, so dass der Lander noch zweimal hoch hüpfte, bevor er endgültig und etwas ungünstig unter einem Felsvorsprung liegen blieb. 60 Stunden lang führte Philae Messungen auf der Kometenoberfläche durch, bevor die Batterie schlapp machte und danach nur noch schwache Signale die Erde erreichten.

„Die wahren Helden sind die Flugdynamiker“

Ein weiteres Modell zeigt den Kometen Tschuri, auf dessen Oberfläche der vergleichsweise winzige Lander Philae erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. „Die wahren Helden dieser Mission sind für mich die Flugdynamiker“, erzählt Rolf Densing. „Sie berechnen die Flugroute und ihnen ist es zu verdanken, dass Rosetta nach über 12 Jahren Reisezeit und einer Gesamtflugstrecke von 7 Milliarden Kilometern auf einem gut 4 Kilometer großen Stein landete. Das ist umso imponierender, wenn man bedenkt, dass die Sonde natürlich nicht beliebig viel Treibstoff mitnehmen konnte. Um Sprit zu sparen, flog Rosetta deshalb einmal am Mars und dreimal an der Erde vorbei und holte sich den nötigen Schwung im Gravitationsfeld der Planeten.“

Als weiteren Schwerpunkt der Ausstellung mit insgesamt 53 Exponaten präsentieren die Wissenschaftler rund 15 zum Teil spektakuläre Meteoritenfunde. Darunter auch ein Mars- und ein Mondmeteorit sowie der Eisenmeteorit „Unter-Mässing“, der mit 80 kg der größte erhaltene Meteorit Deutschlands ist. Das ist insofern interessant, da die meisten Meteoriten, die auf der Erde gefunden werden, aus dem Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter stammen. In dieser Region begann Rosetta, den Kometen 67P zu begleiten.

Auswertung von Rosettas Daten steht noch am Anfang

Welche Erkenntnisse hat die Rosetta-Mission denn nun gebracht? Schließlich war die Sonde aufgebrochen, um Hinweise auf die Entstehung unseres Sonnensystems zu liefern. Die Ausstellung gibt einige vorläufige Antworten darauf. Zum Beispiel haben Rosetta-Instrumente in der Koma des Kometen organische Moleküle wie Phosphor oder die Aminosäure Glycin gefunden, die auch für das Leben auf der Erde bedeutsam sind. Zugleich weiß man inzwischen, dass der Wasserdampf des Kometen dreimal mehr Deuterium enthält als irdisches Wasser – damit scheiden Kometen als Hauptwasserversorger der Erde in ihrem Frühstadium aus.

„Bisher sind aber erst rund fünf Prozent der von Rosetta und Philae gesammelten Daten ausgewertet worden“, sagt Rolf Densing. „Die Mission wird also auch noch die kommende Wissenschaftler-Generation beschäftigen.“

Die Ausstellung „ROSETTA Europas Kometenjäger“ läuft noch bis zum 8. Oktober 2017 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Friedensplatz 1. Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm mit öffentlichen Führungen, Vorträgen, Kinoabenden und Workshops für Kinder

Auch Ingenieur.de hat bei Rosettas Reise mitgefiebert. Sie finden viele weitere spannende Geschichten über den Kometenjäger auf unserer Seite.

Rosetta musste so einige Abenteuer bestehen.

Foto: Wolfgang Fuhrmannek/HLMD

Im Halbdunkel geht es auf die mediale Reise.

Foto: Rosetta-Ausstellung ist multimedial

Bitte im gemütlichen Sitzkissen Platz nehmen und mit Rosetta auf die Reise gehen. Das geht im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Allerdings im Zeitraffer. Sonst würde sie 12 Jahre dauern.

Foto: Wolfgang Fuhrmannek/HLMD

Für Rolf Densing, Leiter des deutschen Raumfahrtkontrollzentrums ESOC der europäischen Raumfahrtagentur ESA, sind die Flugdynamiker die wahren Helden der Rosetta-Mission.

Foto: Gudrun von Schoenebeck

Die Rosetta-Ausstellung ist multimedial.

Foto: Wolfgang Fuhrmannek/HLMD

Im Halbdunkel geht es auf die mediale Reise.

Foto: Rosetta-Ausstellung ist multimedial

Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt läuft aktuell eine multimediale Ausstellung, bei der die Geschichte von Europas Kometenjäger Rosetta erzählt wird. Selbst die Decke dient als Projektionsfläche, auf der Original-Bilder und Grafiken zu sehen sind.

Foto: Wolfgang Fuhrmannek/HLMD

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