EUROPÄISCHE RAUMFAHRT 21.01.2015, 15:12 Uhr

Raumstation ISS für drei weitere Jahre gesichert

ESA-Direktor Thomas Reiter hat heute im europäischen Satelliten-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt die Pläne der Raumfahrtagentur für die nächsten Jahre vorgestellt. Mond, Mars und ein neuer Raumtransporter stehen auf dem Programm. Zudem wächst das Navigationssystem Galileo weiter.

ESA-Chef Thomas Reiter hat am 21. Januar in Darmstadt die Pläne der Europäischen Raumfahrtagentur für 2015 vorgestellt. Mangels Geld können nicht alle Projekte wie gewünscht umgesetzt werden. 

ESA-Chef Thomas Reiter hat am 21. Januar in Darmstadt die Pläne der Europäischen Raumfahrtagentur für 2015 vorgestellt. Mangels Geld können nicht alle Projekte wie gewünscht umgesetzt werden. 

Foto: Arne Dedert/dpa

In Zeiten knapper Kassen ist das Budget der Europäischen Raumfahrtagentur ESA keineswegs so ausgefallen, wie es sich ESA-Direktor Thomas Reiter vorgestellt hat. Trotzdem zeigte er sich heute erleichtert darüber, dass wichtige Ziele erreichbar bleiben.

Abgedeckt ist vorerst die Nutzung der Internationalen Raumstation (ISS) bis Ende 2017. Mit der ISS-Mission des publikumswirksamen deutschen Astronauten Alexander Gerst von Mai bis November 2014 sei Raumfahrt wieder populärer geworden, freute sich Reiter. Das habe an der Nutzung moderner Kommunikationsformen gelegen, etwa an der Übermittlung von „fantastischen Bildern, die auch für mich faszinierend waren“, so Reiter.

In vier Jahren könnte der nächste Deutsche zur ISS fliegen

2019 könnte der nächste deutsche Astronaut zur ISS fliegen, glaubt Reiter, der 2006 selbst auf der ISS war. In diesem Jahr will die ESA 66 Experimente an Bord der Raumstation durchführen. Insgesamt sind es rund 450.

Die Satelliten 5 und 6 für das EU-Navigationssystem Galileo starteten im August 2014 ins All.

Die Satelliten 5 und 6 für das EU-Navigationssystem Galileo starteten im August 2014 ins All.

Foto: ESA

Für die Menschheit besonders wichtig ist der Start weiterer Galileo-Satelliten für das europäische Navigationssystem, das mit dem amerikanischen Global Positioning System und dem russischen Glonass konkurriert. 2018 soll das System einsatzbereit sein.

Zugeständnisse beim Mondprogramm

Beim ehrgeizigen europäischen Mondprogramm muss die ESA massive Zugeständnisse machen. Die Mittel für den Bau eines Landefahrzeugs wurden nicht bewilligt. Stattdessen beteiligen sich die Europäer an der russischen Mission „Luna Ressource“, die für 2017 geplant ist.

Thomas Reiter (r.), ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, und Paolo Ferri, Leiter der Abteilung für die Durchführung von Raumfahrtmissionen zur Sonne und den Planeten bei der ESA, blicken am 21. Januar 2015 im Hauptkontrollraum des ESA Satelliten-Kontrollzentrums ESOC in Darmstadt in die Kamera. 

Thomas Reiter (r.), ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, und Paolo Ferri, Leiter der Abteilung für die Durchführung von Raumfahrtmissionen zur Sonne und den Planeten bei der ESA, blicken am 21. Januar 2015 im Hauptkontrollraum des ESA Satelliten-Kontrollzentrums ESOC in Darmstadt in die Kamera. 

Foto: Arne Dedert/dpa

Besonders freut Reiter sich über die Möglichkeit, die ExoMars-Mission planmäßig fortzusetzen. Die ESA-Staaten bauen das Landefahrzeug und das Modul, das es auf der Marsoberfläche aufsetzen soll. Für den Rest, vor allem die Proton-Trägerrakete und den Start, sind russische Raumfahrtingenieure zuständig. Der Start ist für 2016 geplant. „Den Zeitplan müssen wir einhalten“, sagte Reiter. Das nächste Fenster, also die nächste Startmöglichkeit, biete sich dann erst zwei Jahre später.

Rosetta-Mission könnte verlängert werden

Planmäßig verlaufen auch Entwicklung und Bau der Antriebs- und Versorgungseinheit für „Orion“, die Raumkapsel, die die amerikanische Weltraumagentur NASA baut. Sie wird mindestens vier Astronauten ins All befördern können. 2017 soll die Kapsel erstmals starten, allerdings noch unbemannt, und am Mond vorbeifliegen.

Der europäische Beitrag, European Service Module (ESM) genannt, ist ein vier Meter hoher Zylinder mit einem Durchmesser von vier Metern, aus dem vier Solarzellenfelder mit einer Spannweite von 19 Metern ausgefahren werden. ESM wird auch Orbitmanöver und Lageregelung übernehmen, Wasser und Sauerstoff bereitstellen, Strom liefern und die Temperaturregelung für Orion übernehmen. Basis ist der von Airbus Defence and Space entwickelte Raumtransporter ATV, der die ISS mit Nachschub versorgt.

Mit der Landung des Mini-Labors Philae auf dem Kometen Tschuri hat die Rosetta-Mission Geschichte geschrieben. 

Mit der Landung des Mini-Labors Philae auf dem Kometen Tschuri hat die Rosetta-Mission Geschichte geschrieben. 

Foto: ESA

Im Juni entscheidet die ESA, ob die spektakuläre Rosetta-Mission, die in diesem Jahr auslaufen soll, bis Ende 2016 verlängert wird. Rosetta hat auf dem Tschuri genannten Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko vor rund zwei Monaten das Mini-Labor Philae abgesetzt, eine Aktion, die allerdings nur ein Teilerfolg war.

Rosetta könnte allerdings noch einmal bis auf sechs Kilometer an den Kometen heranmanövriert werden, um die Oberfläche weiter studieren zu können. Gemeinsam rasen sie in Richtung Sonne, um irgendwann zu verglühen.

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