10 Jahre Flugzeit 06.08.2014, 13:57 Uhr

Raumsonde Rosetta hat Kometen Tschuri erreicht

Die Raumsonde Rosetta hat nach zehn Jahren Flugzeit den Kometen Tschuri erreicht und ist am heutigen Mittwoch gegen 11:30 Uhr MESZ in die Umlaufbahn eingeschwenkt. Während Rosetta in einem Abstand von 100 Kilometern um den Kometen kreist, muss sie nun einen passenden Landeplatz für den Roboter Philae suchen.

Seit zehn Jahren ist Rosetta auf ihrem Weg zum Kometen Tschuri. Fast 1000 Tage verbrachte sie im schonenden Winterschlaf. 

Seit zehn Jahren ist Rosetta auf ihrem Weg zum Kometen Tschuri. Fast 1000 Tage verbrachte sie im schonenden Winterschlaf. 

Foto: dpa

Die Raumsonde Rosetta ist heute wie geplant in die Umlaufbahn des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko eingeschwenkt, den die Wissenschaftler liebevoll Tschuri nennen. „Eine unglaubliche Leistung“, lobte ESA-Direktor Thomas Reiter im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt, von wo aus Rosetta gesteuert wird. „Man muss sich mal vorstellen, dass man aus einer Entfernung von mehr als 400 Millionen Kilometern mit der Sonde diesen Kometen getroffen hat“, sagte Reiter den Hessischen Rundfunk. 

Wissenschaftler müssen geeigneten Platz für Landemodul Philae finden

Rosetta wird nun in den nächsten Monaten genau die Oberfläche des Kometen erkunden, auf dem im November der Landeroboter Philae aufsetzen soll. Dafür soll Rosetta den besten Landeplatz herausfinden.

Bislang ist offen, wie die Oberfläche des Kometen beschaffen ist. Sie könne weich wie Pulverschnee oder hart wie Gletschereis sein, sagt Stephan Ulamec, Philae-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

An Hand der Bilder einer Bordkamera zeichnen ESA-Wissenschaftler eine exakte Karte, um einen geeigneten Landeplatz für das Landemodul Philae zu finden. Einen Blick ins Innere des Kometen wirft dabei ein Gerät, das Radiowellen abfeuert, die je nach Beschaffenheit des Untergrunds unterschiedlich reflektiert werden. Ein Spektrometer analysiert zudem die Gase im Schweif des Kometen.

Ein Modell der Harpune der Landeeinheit Philae: Bei Tests feuerten sie die Forscher mit 90 Metern pro Sekunde in eine Oberfläche aus Schaumbeton. Welche Oberfläche sie auf dem Kometen tatsächlich erwartet, ist immer noch ungewiss. 

Ein Modell der Harpune der Landeeinheit Philae: Bei Tests feuerten sie die Forscher mit 90 Metern pro Sekunde in eine Oberfläche aus Schaumbeton. Welche Oberfläche sie auf dem Kometen tatsächlich erwartet, ist immer noch ungewiss. 

Foto: dpa

Weitere Instrumente erkunden Zusammensetzung und Temperatur des Kometen, sodass die Philae-Lenker auf der Erde nicht völlig ahnungslos sind, wenn sie das Modul im November auf der Oberfläche des Kometen landen.

Zuletzt testeten Ingenieure in Oberpfaffenhofen bei München erneut die Harpune, mit der Philae sich mit dem Kometen verbinden soll, berichtet der Spiegel. Sie schossen sie dabei mit 90 Metern pro Sekunde in eine Oberfläche aus Schaumbeton. „Im Prinzip hat es geklappt“, sagte Ulamec.

Komet birgt Geheimnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems

Wenn alles gut geht, fliegt das Landemodul Huckepack auf dem Kometen Richtung Sonne. Mit der Zeit wird es den Wärmetod sterben. Rosetta dagegen könnte noch eine Weile durchhalten und das Ende des Kometen dokumentieren, der aus der Urzeit des Weltalls stammt, also Aufschlüsse über die Entstehung unseres Sonnensystems geben kann.

Rosetta bezieht ihren Strom übrigens aus Solarzellen – auch das gab es noch nie in einer Entfernung von rund 600 Millionen Kilometern zur Sonne. Zwischenzeitlich hielt die Sonde fast 1000 Tage Winterschlaf, um Energie zu sparen. Dass ihre ersten Bilder vom Kometen einem Quietscheentchen ähneln, war eine große Überraschung.

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