Absturz mit 14.000 km/h 28.04.2015, 09:01 Uhr

Raumsonde Messenger: Letzte Ruhestätte auf dem Merkur

Die NASA-Sonde Messenger erforschte jahrelang den Planeten Merkur. Dort fand sie auch Wasser, eine Lebensgrundlage. Das stammt, so vermuten die Forscher, aus den Weiten des Alls. Jetzt hat der Satellit ausgedient und stürzt auf sein Forschungsobjekt.

Forschungsobjekt und Grab zugleich: Mit letzter Kraft soll die Raumsonde Messenger Ende April auf dem Planeten Merkur abstürzen.

Forschungsobjekt und Grab zugleich: Mit letzter Kraft soll die Raumsonde Messenger Ende April auf dem Planeten Merkur abstürzen.

Foto: NASA

Am 24. April erhielt Messenger die letzten Befehle von der Erde. Die waren fatal für die Sonde, die seit 2011 den sonnennächsten Planeten Merkur in einer Höhe von 115 bis 165 Kilometern umkreist. Ihr Kurs wurde mit den letzten Treibstoffresten so korrigiert, dass sie, voraussichtlich in den letzten Stunden des Aprils, mit einer Geschwindigkeit von rund 14.000 Kilometern pro Stunde auf der erdabgewandten Seite des Merkur einschlägt. Der Krater wird, so die Missionsleitung der US-Weltraumbehörde NASA, einen Durchmesser von 16 Metern haben.

Höllische Bedingungen auf der Oberfläche

Forscher werden Messenger in guter Erinnerung behalten. Denn die Kameras und Sensoren an Bord haben ein lückenloses Bild der Planetenoberfläche gezeichnet. Mehr als 250.000 Fotos erreichten die Erde und mehrere Gigabyte an Daten. Was die NASA-Wissenschaftler schon vor der 2004 gestarteten Mission ahnten ist jetzt Gewissheit: Die Höchsttemperatur auf dem Planeten beträgt am 88 Erdentage dauernden Merkurtag 300 Grad Celsius.

Die farbenfrohe Ansicht des Planeten Merkur entspricht nicht dem, was das menschliche Auge sieht. Sie zeigt aber die chemischen, mineralogischen und physischen Unterschiede in der Beschaffenheit der Felsenoberflächen.

Die farbenfrohe Ansicht des Planeten Merkur entspricht nicht dem, was das menschliche Auge sieht. Sie zeigt aber die chemischen, mineralogischen und physischen Unterschiede in der Beschaffenheit der Felsenoberflächen.

Foto: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

In der darauffolgenden Nacht, die ebenso lange dauert, sind es minus 200 Grad. Die Polkappen liegen ständig im Schatten. Dort fand Messenger Anzeichen für die Existenz von Wasser und anderen Stoffen, aus denen sich Leben entwickeln könnte, wenn es dort nicht so kalt wäre.

Eine „mehr als erfolgreiche Mission“

Die Forscher sehen das als Indiz dafür, dass Planeten, auch die Erde, die Bausteine des Lebens aus dem Weltraum empfangen haben. „Kometen und Asteroiden haben das Wasser zum Merkur gebracht“, sagt Sean Solomon, Chefforscher der NASA, der gleichzeitig Direktor des Geoforschungszentrums der Columbia University in Palisades im Bundesstaat New York ist. Erstaunt waren er und seine Kollegen darüber, dass die Oberfläche des Planeten sehr eisenarm ist, aber reich an Schwefel und Natrium. Vulkane haben die Oberfläche geformt. Die Wissenschaftler fanden auch Hinweise darauf, dass das Landschaftsbild durch Verdunstung von Materialien an der Oberfläche geprägt ist. „Wir feiern Messenger als eine mehr als erfolgreiche Mission“, sagt NASA-Manager John Grunsfeld.

So sah die Bilanz der mehr als erfolgreichen Messenger-Mission bereits im August 2014 aus. 

So sah die Bilanz der mehr als erfolgreichen Messenger-Mission bereits im August 2014 aus. 

Foto: NASA

Künftige Missionen werden vor allem von den positiven Erfahrungen mit einem neuen Hitzeschild profitieren, der die Infrarotstrahlen der Sonne effektiv reflektiert. Während des mehr als acht Milliarden Kilometer langen Flugs schützte dieses Material die empfindlichen Geräte an Bord vor Überhitzung.

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