Auf dem Weg zur ISS 29.10.2014, 13:48 Uhr

Raumfrachter Cygnus explodiert Sekunden nach dem Countdown

Erst musste der Start des Raumfrachters Cygnus von Wallops Islands im US-Bundesstaat Virginia am Montagabend verschoben werden. Bei besten Wetterbedingungen fuhr ein Segelboot nur zehn Minuten vor dem geplanten Abflug in die Sperrzone. Gestern Nacht endete der zweite Versuch nach nur sechs Sekunden in einem Desaster. Cygnus explodierte in einem gigantischen Feuerball.

Die Rakete Antares mit der Raumkapsel Cygnus an Bord explodiert sechs Sekunden nach dem Start.

Die Rakete Antares mit der Raumkapsel Cygnus an Bord explodiert sechs Sekunden nach dem Start.

Foto: dpa/NASA/JOEL KOWSKY

Inferno – dieser Begriff drängt sich auf bei den Bildern aus Wallops Islands im US-Bundesstaat Virginia. Nur sechs Sekunden nach dem Start gestern Nacht um 23:22 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) explodierte der unbemannte Raumfrachter Cygnus, der die sechs Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS mit Nahrung, Wasser und Forschungsutensilien versorgen sollte. Einige Gebäude auf dem Startkomplex wurden schwer beschädigt, Menschen wurden nicht verletzt.

Versorgungsflug mit Hindernissen

Schon am Montagabend konnte der weiße Schwan, wie der Raumtransporter Cygnus im Lateinischen heißt, nicht wie geplant abheben. Schuld war ein Segelboot, welches nur zehn Minuten vor dem Abflug zur ISS in die gesperrte Zone östlich des Startkomplexes von Wallops Islands im US-Bundesstaat Virginia auf dem Radarschirm auftauchte. Es gelang den Technikern in diesem winzigen Zeitfenster nicht, Kontakt zu dem Schiff aufzunehmen, um es zum Abdrehen in sichere Gewässer zu bewegen.

2300 Kilogramm an Nachschub für die ISS an Bord

Beim nächsten Startversuch gestern Abend war der Raumfrachter so voll beladen wie noch nie mit Lebensmitteln und Forschungsutensilien. Rund 2300 Kilogramm sollten zur Internationalen Raumstation ISS transportiert werden. Darunter offenbar auch geheime Verschlüsselungsnutzlast. Mit dieser Begründung erteilte ein Sprecher im NASA-Fernsehen die Anweisung, das Absturzgelände nicht zu betreten. Laut Medienberichten wurde nach der ersten Explosion der Befehl zur vollständigen Zerstörung des Raumtransporters gegeben.

Die Ursachen der Explosion sind laut NASA noch völlig unklar. Ganz offensichtlich aber seien die Treibstofftanks der Rakete explodiert.

Herber Rückschlag für OSC

Das private US-amerikanische Unternehmen Orbital Sciences Corporation (OSC) mit Sitz in Dulles in Virginia führt im Auftrag der NASA die Transportflüge des Raumfrachters Cygnus durch. OSC-Chef Frank Culbertson gab sich nach der Explosion kämpferisch: „Wir haben das in unserer Branche alle schon erlebt, und wir haben gesehen, wie sich andere Teams davon erholt haben – und das werden wir auch.“

Im Raumfrachter Cygnus befanden sich 2300 Kilogramm an Nachschub für die ISS – Forschungsutensilien und Lebensmittel. Die Astronauten auf der Raumstation seien aber nach dem Absturz nicht in Gefahr, betonte die NASA. Die Vorräte reichten noch länger aus. 

Im Raumfrachter Cygnus befanden sich 2300 Kilogramm an Nachschub für die ISS – Forschungsutensilien und Lebensmittel. Die Astronauten auf der Raumstation seien aber nach dem Absturz nicht in Gefahr, betonte die NASA. Die Vorräte reichten noch länger aus. 

Foto: dpa/NASA/Joel Kowsky

OSC hat mit der NASA einen Vertrag bis zum Jahre 2016, in dessen Rahmen noch sieben solcher Frachtmissionen zur ISS starten sollen. Kosten: Etwa 1,5 Milliarden Euro.

Neben OSC buhlt auch die US-Firma SpaceX des schillernden Multiunternehmers Elon Musk um die milliardenschweren Aufträge der NASA. Erst vor kurzem kehrte eines der ebenfalls unbemannten Fluggeräte von SpaceX von seiner vierten Mission zur ISS zurück. Die Cygnus-Missionen sind hingegen grundsätzlich als Einweg-Missionen geplant, spätestens beim Rücksturz zur Erde verglüht der weiße Schwan beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

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