Project Blue 12.10.2016, 15:13 Uhr

Private Mission will erstes Foto eines erdähnlichen Planeten aufnehmen

Hört sich so unspektakulär an: Forscher wollen ein Foto aufnehmen, das erste von einem erdähnlichen Planeten. Doch das ist spektakulär. Denn das Doppelsternsystem Alpha Centauri ist mehr als vier Lichtjahre entfernt. Das Teleskop, das die Aufgabe lösen soll, wird privat finanziert. 

Es wäre eine kleine, im Vergleich zu anderen Weltraumunternehmungen, preiswerte Mission, mit ungewissem Ausgang. Gelänge die Mission, wären wir allerdings so nah dran an einem erdähnlichen Planeten in einem anderen Sonnensystem wie noch nie zuvor. Klappt alles wie geplant, fliegt schon 2020 ein kleines Weltraumteleskop in Richtung des 4,37 Lichtjahre entfernten Doppelsternsystems Alpha Centauri, findet dort einen erdähnlichen Planeten und schickt ein Foto des potenziellen Erdzwillings zur Erde.

Direkte Fotoaufnahme anstatt indirekter Beweis

Ein direkt geschossenes Foto von einem erdähnlichen Planeten ist deshalb so interessant, weil die allermeisten der bisher entdeckten Exoplaneten nur indirekt dingfest gemacht werden konnten. Das geschieht, indem man nach wiederkehrenden Mustern bei Helligkeitsveränderungen oder nach winzigen Bewegungen des Sterns, die durch den gravitativen Einfluss eines ihn umkreisenden Planeten entstehen, Ausschau hält. Auf diese Weise wurde erst kürzlich Proxima b als erdähnlicher Planet entdeckt.

Mit dem Project Blue wollen die Astronomen also direkt die Existenz eines erdähnlichen Planeten beweisen, indem sie tatsächlich vor Ort ein Foto machen. Die Aufnahmen würden durch die spezifischen Wellenlängen des Lichts einen molekularen Fingerabdruck der planetaren Atmosphäre liefern, was wiederum Aufschlüsse auf das Vorhandensein zum Beispiel von Photosynthese geben könnte.

Das Problem bei solchen Aufnahmen liegt allerdings darin, dass das Licht der Sterne normalerweise so hell ist, dass die Planeten überstrahlt werden. Das Weltraumteleskop wäre deshalb mit einem Koronografen ausgestattet, der mit speziellen Filtern das helle Umgebungslicht ausblendet. Das Teleskop selbst hätte nur einen Spiegeldurchmesser von 50 cm; der gesamte Satellit wäre in etwa so groß wie eine Waschmaschine.

Ähnliches Projekt der Nasa wurde nicht realisiert

Die Idee, ein Teleskop in Richtung Alpha Centauri zu schicken, ist nicht neu. Im Ames Research Center in Mountain View, einem Forschungsinstitut der Nasa, arbeiteten Wissenschaftler einige Jahre an ACESat – dem Alpha Centauri Exoplanet Satellite. Letztlich aber entschloss sich die Nasa dazu, das Projekt nicht zu realisieren.

Die Chance, dass es keine Planeten in der bewohnbaren Zone der beiden Alpha Centauri Sterne geben könnte, wurde auf 15 % eingeschätzt. Das war der Nasa zu hoch. Wäre das Teleskop so konstruiert worden, dass es auch anderswo hätte suchen können, wäre das ganze Projekt zu teuer geworden. ACESat wurde also nicht gebaut.

Und hier ein Bild ohne künstlerische Eingriffe: Zu sehen ist halblinks im Bild der gelb leuchtende Stern Alpha Centauri, zu dem vielleicht schon in vier Jahren eine Raummission starten wird. Das Foto stammt von der Europäischen Südsternwarte in Chile.

Und hier ein Bild ohne künstlerische Eingriffe: Zu sehen ist halblinks im Bild der gelb leuchtende Stern Alpha Centauri, zu dem vielleicht schon in vier Jahren eine Raummission starten wird. Das Foto stammt von der Europäischen Südsternwarte in Chile.

Foto: Claus Madsen/ESO

Nun also soll mit Project Blue in privater Initiative eine Mission starten, die ein Foto eines erdähnlichen Planeten machen soll. Das Konsortium, das sich dieser Mission verschrieben hat, besteht aus den gemeinnützigen und nicht-staatlichen Organisationen BoldlyGo und Mission Centaur, die neue Wege in der Weltraumforschung unterstützen.

Beteiligt sind außerdem das Seti-Institut, auch eine Non-Profit und Nicht-Regierungsinstitution, die sich mit der Suche nach außerirdischem Leben befasst, sowie Supriya Chakrabarti von der University of Massachusetts, dessen Spezialgebiet die direkte Beobachtung von Exoplaneten ist.

Finanzierung von Project Blue noch ungewiss

Jon Morse, der Geschäftsführer des BoldlyGo-Instituts, schätzt die Kosten des Projektes auf 25 bis 50 Millionen US-Dollar. Das sei etwa ein Drittel von dem, was die Nasa für ein Projekt mit ähnlichen Zielen veranschlagen würde, sagte Morse gegenüber der New York Times.

Crowdfunding könne die Finanzierung des Projektes aber nur bis zu einem gewissen Punkt bringen, meint Morse, für den Project Blue der „Heilige Gral der Exoplaneten-Forschung“ ist. „Dann müssen wir auch vermögende Einzelpersonen und Institutionen ansprechen.“ 

Das sind die größten Teleskope der Welt, auf der Erde und im All.

Von Gudrun von Schoenebeck

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