Sonde Mangalyaan gestartet 05.11.2013, 12:33 Uhr

Prestigeprojekt: Indiens Jungfernflug zum Mars

Indien hat heute eine Sonde in Richtung Mars geschickt und damit seine Ambitionen als Raumfahrtnation bekräftigt. Die Kosten für das Status-Projekt sind mit 54 Millionen Euro spektakulär niedrig. Ob die Mission erfolgreich ist, wird sich erst in zehn Monaten zeigen.

Da baute die indische Raumfahrtorganisation ISRO noch an ihrem Prestigeobjekt. Heute startete die Mars-Sonde Mangalyaan ihre Reise zum Roten Planeten. 

Da baute die indische Raumfahrtorganisation ISRO noch an ihrem Prestigeobjekt. Heute startete die Mars-Sonde Mangalyaan ihre Reise zum Roten Planeten. 

Foto: ISRO

Die indische Weltraumorganisation ISRO (Indian Space Research Organization) hat heute, 14.36 Uhr Ortszeit, vom Weltraumbahnhof Sriharikota im südindischen Andhra Pradesh eine Sonde in Richtung Mars losgeschickt. „Mangalyaan“ – Hindi für Mars-Fahrzeug – ist goldfarben und hat die Größe eines kleinen Autos. Getragen wird Mangalyaan von einer 350-Tonnen-Rakete und soll nach etwa 300 Tagen die Marsumlaufbahn erreichen.

Indien wäre das vierte Land, dem eine Marsmission gelingt

Zunächst muss die Rakete fast einen Monat lang im Erdorbit kreisen, bevor sie genügend Fahrt aufgenommen hat, um aus der Erdanziehungskraft auszubrechen und sich in Richtung Mars aufzumachen. Dann soll der zweite Teil der neunmonatigen Reise beginnen, die nichts weniger ist als ein Prestigeobjekt für Indiens wissenschaftliches Know-how. Nach 300 Tagen soll die 1350 Kilogramm schwere Sonde die 780 Millionen Kilometer bis zum Mars zurückgelegt haben. Eine Landung ist nicht geplant. Die Instrumente und Bildaufnahmegeräte an Bord werden vielmehr aus einer Höhe von 365 Kilometern die Atmosphäre und Oberfläche des Mars studieren und Daten zur Erde senden.

Die Daten sind jedoch nicht das Entscheidende an dieser Mission, wie ISRO-Leiter K. Radhakrishnan unmissverständlich erklärte: „Dies ist die Demonstration eines Technologieprojektes. Eine Mission, die der Welt verkünden wird, dass Indien die Fähigkeit hat, bis zum Mars zu fliegen.“ Wenn das Unternehmen gelingt, würde sich Indien, neben den USA, der ehemaligen UdSSR und Europa, in diejenigen Nationen einreihen, die erfolgreiche Marsmissionen vorweisen können. Indiens asiatische Konkurrenten Japan und China scheiterten bisher.

Die USA bereiten ebenfalls eine Mission zum Mars vor

Aber auch die Inder sind vorsichtig, denn sie wissen, dass bisher noch keiner Nation beim ersten Versuch eine Marsmission geglückt ist. Über die Hälfte, 23 von 40 Missionen, sind gescheitert. Falls es doch klappt, könnte Indien sich aber überdies mit den spektakulär niedrigen Kosten brüsten, die für das gesamte Projekt nötig waren. Mit 54 Millionen Euro liege man bei einem Sechstel der Kosten, die die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA aufbringen müsse, um am 18. November ebenfalls eine Sonde zum Mars loszuschicken. „Maven“ (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) soll zeitgleich mit „Mangalyaan“ im September 2014 den Mars erreichen.

Trotzdem wird auch Kritik laut an Indiens Prestigeprojekt. Für ein Land, in dem ein Drittel aller Armen der Welt leben, sind die Millionen, die in die Marsmission gesteckt werden, viel. Emily Lakdawalla von der Planetary Society aus den USA widerspricht solchen Rechnungen. Das Geld hält sie für sehr gut angelegt. Jeder Dollar, der für die früheren Apollo-Missionen ausgegeben wurde, hätte Technologien im Wert von zehn Dollar gebracht. Das hätten Studien klar gezeigt. 

Von Gudrun von Schoenebeck

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