Rosetta schickt Fotos 08.08.2014, 15:42 Uhr

Postkarte vom Kometen Tschuri: Staubig und wild ist es hier

Die ersten Bilder vom Rendezvous mit dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko haben die Erde erreicht. Sie zeigen die Oberfläche von Tschuri aus rund 120 Kilometern Höhe. Ganze 22 Minuten braucht jedes Foto, um bis zum ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt zu gelangen.

Nach zehn Jahren Flugzeit schickt Rosetta erste Bilder von Tschuri: Hatten die Forscher eigentlich die Form einer Kartoffel erwartet, wirkt der Komet eher wie eine Quietscheente. 

Nach zehn Jahren Flugzeit schickt Rosetta erste Bilder von Tschuri: Hatten die Forscher eigentlich die Form einer Kartoffel erwartet, wirkt der Komet eher wie eine Quietscheente. 

Foto: DLR

Rosetta und Tschuri heißt derzeit das Traumpaar im Weltall. Nach zehn Jahren Flugzeit und über 6,4 Milliarden Kilometern hat die europäische Raumsonde am 6. August 2014 ihren Wunschpartner, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, endlich getroffen und begonnen, ihn zu umkreisen.

Nun hat sie auch die ersten detaillierten Fotos von ihm zur Erde geschickt. Die Aufnahmen aus 130 und 120 Kilometern Höhe brauchen wegen der langsamen Datenübertragungsrate rund 22 Minuten, bis sie im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Darmstadt eintreffen.

Rosetta schießt Fotos aus 130 Kilometern Höhe

Entstanden sind die Bilder mit einer Kamera namens Optical, Spectroscopic and Infrared Remote Imaging System (OSIRIS). Die Kamera mit Teleobjektiv ist für Aufnahmen ausgelegt, die vom sichtbaren Lichtspektrum bis in den Infrarot- und Ultraviolett-Bereich reichen. Die Fotos aus 130 Kilometern Höhe haben eine Auflösung von 2,4 Metern pro Pixel, das heißt ein digitaler Bildpunkt entspricht in Wirklichkeit 2,4 Metern. Mit einem weiteren Detailfoto aus 120 Kilometern Entfernung und einer Auflösung von 2,2 Metern pro Pixel ist Rosetta noch ein wenig näher herangekommen.

Tschuris Oberfläche ist reichlich ungemütlich: Es gibt 100 Meter hohe Klippen, Täler mit riesigen Gesteinsbrocken, mehrere Krater, steile Abhänge und mindestens eine Gasfontäne.

Tschuris Oberfläche ist reichlich ungemütlich: Es gibt 100 Meter hohe Klippen, Täler mit riesigen Gesteinsbrocken, mehrere Krater, steile Abhänge und mindestens eine Gasfontäne.

Foto: DLR

Was ist auf den Detailaufnahmen von Tschuris Oberfläche zu sehen? Schon während Rosettas Anflug war klargeworden, dass Tschuri Ähnlichkeit mit einer Ente hat, die deutlich erkennbar aus Kopf und Körper besteht – erwartete Kartoffelform Fehlanzeige. Die erste Temperaturmessung zeigte dann, dass auf Lander Philae keine eisige, sondern eine staubige, raue Oberfläche wartet.

Die aktuellen Fotos zeigen, wie wild diese Oberfläche tatsächlich ist. Es gibt Klippen, die bis zu 100 Meter hoch sind, Täler mit riesigen Gesteinsbrocken, mehrere Krater und steile Abhänge – mindestens eine Gasfontäne wurde ebenfalls entdeckt.

Schmal ist der Grat zwischen Kopf und Körper des Kometen.  

Schmal ist der Grat zwischen Kopf und Körper des Kometen.  

Foto: DLR

Auch eine Region, die relativ glatt aussieht, ist auf den Bildern zu sehen. Eventuell käme sie als Landefläche für das Labor Philae infrage. Das Landemodul soll im November von Rosetta aus zur Kometenoberfläche fliegen und diese analysieren. Um den idealen Landeplatz für Philae ausfindig zu machen, sind die Detailfotos für die Wissenschaftler deshalb besonders wichtig.

Kometen konservieren die Vergangenheit wie in einem Kühlschrank

Elf Instrumente reisen auf der Raumsonde Rosetta mit, zehn Instrumente befinden sich an Bord des Landers Philae und werden die ersten Daten direkt von einer Kometenoberfläche aus liefern. Bodenbeschaffenheit, Temperatur, physikalische Zusammensetzung des Kometenkerns, organische Moleküle – alles ist für die Kometenforscher interessant, denn Tschurjumov-Gerasimenko ist sehr wahrscheinlich aus besonders ursprünglichem Material gebildet, das sich bei seinem Flug durch die kalten Regionen des Sonnensystems weniger verändert hat als andere Himmelskörper.

Tschuri trägt Geheimnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems mit sich, hoffen die Forscher. Und diese gilt es zu ergründen, bevor die Sonde auf dem Weg zur Sonne den Hitzetod stirbt. 

Tschuri trägt Geheimnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems mit sich, hoffen die Forscher. Und diese gilt es zu ergründen, bevor die Sonde auf dem Weg zur Sonne den Hitzetod stirbt. 

Foto: DLR

„Wir begegnen einem Zeitzeugen aus der Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren“, sagt Ekkehard Kührt vom DLR-Institut für Planetenforschung. „Kometen haben die Vergangenheit wie ein Kühlschrank in gefrorenem Zustand konserviert und tragen dadurch noch viele Merkmale aus den Anfängen des Sonnensystems in sich. Allerdings kann man auf den ersten Bildern erkennen, dass auch am Kometen die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen ist“, betont Kührt. „Zahlreiche exotische Strukturen auf der Oberfläche deuten auf eine gewisse Entwicklung hin, die es nun zu verstehen gilt.“

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