Start-up 25.05.2012, 11:56 Uhr

Planetary Resources will Platinmetalle aus dem All bergen

Schon 2014 will das US-Start-up Planetary Resources beginnen, erdnahe Asteroiden systematisch auf ihren Rohstoffgehalt hin zu untersuchen. Im Fokus: Platinmetalle und Wasser, das für Missionen in die Tiefen des Alls sehr kostbar ist. In Zukunft wollen die Gründer ganze Schwärme von Teleskopen, Erkundungs- und Abbaurobotern in den Orbit schicken. Das nötige Kapital steuern Raumfahrt-begeisterte Software-Milliardäre bei. Zweifel aber gibt es auch.

Mit weit aufgesperrter Luke nähert sich der leere Raumtransporter einem meterlangen kartoffelförmigen Asteroiden und schluckt ihn. Dann zieht sich die Luke in einer peristaltisch anmutenden Bewegung zu. Die „Verdauung“ der kostbaren Fracht kann beginnen.

Eric Anderson, Gründer des US-Start-ups Planetary Resources, will mit dieser Animation keine Science-Fiction-Hefte verkaufen. Vielmehr hat er mit Gründungspartner Peter H. Diamandis ein Team erfahrener Raumfahrtingenieure zusammengetrommelt, um Asteroiden als neue Rohstoffquelle für die Menschheit zu erschließen. Ihre Pläne zielen weniger auf den Asteroidengürtel zwischen Jupiter und Mars, wo Millionen der uralten Kleinstplaneten verschiedenster Größen kreisen, sondern auf die 8930 bisher bekannten erdnahen Asteroiden.

Abgesehen haben es die Gründer auf Platinmetalle (Platin, Palladium, Osmium, Iridium, Ruthenium und Rhodium) und Wasser. Letzteres hat für die Raumfahrt enormem Wert: 20 000 Dollar pro Liter kostet es laut Anderson, Wasser ins All zu schaffen. „Seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff sind für bemannte Raummissionen absolut essentiell – als Lebensressource und als Treibstoff „, erklärt er. Seine Vision sind „extraterrestrische Tankstellen und Materiallager für Deep-Space-Missionen“.

Planetary Resources: Gründer träumen von hohen Gewinnen

Während Wasser im All kostbar ist, sind Platinmetalle auf der Erde knapp und teuer. „Sie kommen hier nur infolge von Asteroideneinschlägen vor“, so Raumfahrtingenieur Anderson, der mit Diamandis schon mehrere kommerzielle Raumfahrtunternehmen ins Leben gerufen hat. Planetary Resources breche nun auf, um die seltenen Edelmetalle im All abzuholen. Platinpreise um 40 000 € pro Kilogramm lassen die Gründer von hohen Gewinnen träumen. „Ein einziger an Platin reicher Asteroid von 500 m Länge enthält die 1,5-fache Menge der bekannten Platinreserven auf der Erde“, rechnet Diamandis vor. Das gigantische Rohstofflager im All werde künftig viele Hightech-Branchen beflügeln.

Wenn die Gründer so reden, wirkt ihre Idee nur konsequent: „Erst war der Mensch auf Ressourcen angewiesen, die er in einem Tagesmarsch erreichen konnte. Dann dehnte er die Suche immer weiter aus und beutet heute den ganzen Planeten samt Tiefsee aus. Logischer nächster Schritt ist es, die Suche auf unser Sonnensystem auszudehnen“, sagt Diamandis, der 1995 die X Prize Foundation ins Leben rief. Sie lobt regelmäßig hoch dotierte Preise für die Lösung technischer und naturwissenschaftlicher Menschheitsprobleme und -träume aus.

Auch jetzt geht es um einen alten Menschheitstraum. Um ihn zu verwirklichen, will das Duo ganze Schwärme von Teleskopen und Erkundungsrobotern in den Orbit schicken. Dafür haben sie ein Expertenteam um sich geschart, in dem Chris Lewicki die technische Leitung hat. Er hat bei der Nasa die Marssonde „Phoenix“ entwickelt, die 2008 auf dem roten Planeten landete. Auch diverse Mars-Erkundungsfahrzeuge gehen auf ihn zurück. Lewickis rechte Hand ist der ebenfalls Mars-erfahrene Ingenieur Chris Voorhees. Zusammen mit knapp zwei Dutzend Entwicklern feilen sie nun am Design ihrer ersten Weltraum-Teleskope. Credo: „Keep it simple.“

„Wir müssen die Kosten der Missionen um ein bis zwei Größenordnungen senken“, sagt Lewicki. Wo Asteroidenbesuche bisher Milliarden-Dollar-Budgets verschlangen, plant Planetary Resources zweistellige Millionensummen ein.

Dafür will das Unternehmen eine Dynamik in Gang setzen, die Lewicki mit der Entwicklung von Großrechnern zum PC vergleicht. Dafür wolle man mit Fertigungsansätzen und Risiko-Philosophien der Branche brechen. „Wir brauchen Fließbandfertigung statt Manufaktur. Und unsere Technik muss so robust sein, dass wir sie nicht länger mit Samthandschuhen anfassen müssen“, stellt er klar. Wenn, wie geplant, diese Erkundungs-Fluggeräte im Schwarm fliegen, dann sind nach Lewicki vereinzelte Verluste ohnehin einkalkuliert.

Lewicki und Voorhees machen keinen Hehl daraus, dass sie auch Rückschläge erwarten – doch wie die Gründer und Investoren im Hintergrund sind sie entschlossen, Fehler von einer Generation ihrer Teleskope und Roboter zur nächsten zu beheben.

Als Auftakt soll ihre Arkyd Serie 100 ab 2014 tiefe Blicke ins All erlauben. Lewicki und sein Team haben das hüfthohe Teleskop um eine hochauflösende Linse konstruiert, durch die nicht nur sie selbst, sondern auch Kunden aus Industrie, Wissenschaft oder dem Bildungsbereich schauen sollen. „Ob sie dabei das All oder die Erde untersuchen, steht ihnen frei“, berichtet er.

In ihrer 100er-Serie, die nah um die Erde kreisen soll, wollen die Entwickler auch jene Kommunikationsplattform erproben, die künftig den Kontakt zu dem Roboter-Schwarm im All aufrechterhalten soll. Die folgende 200er-Serie soll dann über einen Antrieb verfügen, der Missionen zu Asteroiden zulässt.

Teleskop-Schwärme sollen erdnahe Asteroiden erkunden

Mit Generation III wird es dann ernst. Schwärme aus jeweils einem halben Dutzend kollaborierender Teleskope sollen erdnahe Asteroiden erkunden und mit vielfältigsten Sensoren deren Größe, Rotation, Dichte, Oberflächenstruktur – und ihre Zusammensetzung ermitteln. So will das Start-up lohnende Ziele für den Bergbau im All ausmachen und zugleich Daten für Landemanöver sammeln.

Abbauroboter und Materiallogistik müssen freilich noch entwickelt werden. Doch genau hier sieht Gerhard Neukum, Professor für Planetologie und Fernerkundung an der FU Berlin, die größten Herausforderungen. Zwar findet er die Initiative der Gründer und ihren „Schwarm-Ansatz“ durchaus lobenswert, doch zweifelt er an der Realisierbarkeit ihrer Pläne. „Ich bin schon seit der Apollo-Mission dabei – und trotz aller Euphorie, die wir damals hatten, haben die Dinge immer sehr viel länger gedauert, als wir es uns vorstellen konnten“, sagt er. Billigere Lösungen habe man ebenfalls oft gesucht, mit dem Ergebnis, dass es gerade dann teurer wurde.

Das Hauptproblem sieht Neukum allerdings bei den Raketenantrieben und beim Abbau der Rohstoffe unter den Bedingungen im All. „Mit heutigen Technologien ist das kaum zu machen. Das wird noch viele Jahrzehnte dauern“, ist er überzeugt.

Auch dem Traum von Wassertankstellen im All begegnet er skeptisch. „Die Idee ist nicht neu, aber ob die Aufspaltung in Sauerstoff und Wasserstoff im All tatsächlich machbar ist, weiß kein Mensch“, sagt er.

Gerhard Hahn, Asteroiden- und Kometen-Forscher am Berliner DLR-Institut für Planetenforschung, ist ebenfalls skeptisch. „Es ist ungeheuer schwierig, aus der Distanz die Materialzusammensetzung eines Asteroiden zu bestimmen“, weiß er aus seiner Forschung. Man bekomme zwar Spektren, doch von deren Deutung auf lohnenswerte Bergbau-Ziele zu schließen, hält er für sehr ambitioniert. „Dafür muss man dann doch eher landen und graben“, vermutet er. Ob sich das Projekt dann rechne, und wie hoch der Anteil seltener Edelmetalle im Gestein sein wird, vermag er nicht einzuschätzen.

Hinter Planetary Ressources stehen milliardenschwere Geldgeber

Doch Neukum und Hahn wollen die Idee bei aller Skepsis nicht von vornherein abtun. Sie begrüßen es, dass Bewegung in die Raumfahrt kommt, und es den Gründern offensichtlich gelungen ist, sehr potente Investoren zu begeistern.

So stehen hinter Planetary Resources milliardenschwere Geldgeber wie die Google-Chefs Larry Page und Eric E. Schmidt, Microsofts früherer Chef-Softwarearchitekt Charles Simonyi oder Ross Perot, Jr., dessen Vater einst als US-Präsident kandidierte.

Die Gründer erwarten nicht nur von ihnen Unterstützung: „Auch die Nasa öffnet sich mehr und mehr für Kooperationen mit Privaten, um ihr Ziel höherer menschlicher Präsenz im Weltraum zu erreichen“, so Diamandis. Möglicherweise wird Bergbau im All ja in ferner Zukunft in Form einer Public-private-Partnership organisiert.

Von Peter Trechow

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