Landung steht bevor 05.11.2014, 13:58 Uhr

Philaes Landeplatz auf Tschuri heißt Agilkia

Jetzt hat er auch einen Namen, der Landeplatz auf dem Kometen Tschuri: Er heißt Agilkia. In einer Woche wird es für Philae ernst. Dann soll das Landemodul auf der unwirtlichen Oberfläche aufsetzen. 

Für das Landemodul Philae wird es jetzt spannend: In wenigen Tagen setzt es auf der Oberfläche des Kometen auf. Erste Bilder kommen 30 Minuten nach der Landung – sofern alles gut geht. 

Für das Landemodul Philae wird es jetzt spannend: In wenigen Tagen setzt es auf der Oberfläche des Kometen auf. Erste Bilder kommen 30 Minuten nach der Landung – sofern alles gut geht. 

Foto: DLR

Am Mittwoch, 12. November, soll der europäische Kometenroboter Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko, kurz Tschuri, landen. Jetzt hat der dafür im September 2014 auserkorene und im Oktober bestätigte Landeplatz auch einen Namen: Er heißt fortan Agilkia. Das ist das Ergebnis eines Wettbewerbs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der französischen Raumfahrtagentur CNES, der italienischen Raumfahrtagentur ASI und der europäischen Weltraumorganisation ESA zur Benennung des Landeplatzes. 

Zuvor war der Platz schlicht als J bezeichnet worden – etwas profan für einen historischen Moment wie diesen. Schließlich ist es das erste Mal, dass ein Landeversuch auf einem Kometen unternommen wird. Mit Agilkia wurde der Landeplatz nach der ägyptischen Nil-Insel benannt, auf die 1980 ein vorher auf der Insel Philae beheimateter Isis-Tempel versetzt wurde. Der Grund für diesen Umzug: Der bisherige Standort musste den Wassermassen des damals im Bau befindlichen Assuan-Stausees weichen. 

Mit seiner Bezeichnung reiht sich der Landeplatz somit nahtlos in die bisherigen bedeutungsvollen Namen der Mission ein: Die Raumsonde, die den Lander seit mehr als einem Jahrzehnt in Richtung Komet bringt, wurde nach der Stadt Rashid – oder eben Rosetta – benannt, dem Fundort des historischen Steins von Rosetta. Dieser hatte Anfang des 19. Jahrhunderts zusammen mit einem auf der Insel Philae – Namensgeber für das Minilabor – gefundenen Obelisken die Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen ermöglicht. Und um eine Entschlüsselung geht es ja auch bei der aktuellen Mission, von der sich die ESA Aufschlüsse über die Zusammensetzung des Kometen und damit Rückschlüsse auf weitere Phänomene des Universums erhofft. 

Über 150 Einreicher hatten Agilkia vorgeschlagen 

Rund 150 Teilnehmer hatten den Namen Agilkia vorgeschlagen, so dass der Gewinner des Wettbewerbs schließlich per Los ermittelt werden musste. Gezogen wurde der Franzose Alexandre Brouste, ein Mathematik-Dozent aus Le Mans. Er interessiere sich schon seit langem für Raumfahrt und habe teilgenommen, weil er an dem historischen Augenblick beteiligt sein wollte, erklärte er. „Wenn die Landung gut verläuft, wird das ein großartiger Moment.“ 

Das ist der Landeplatz für das Landemodul Philae – vom DLR jetzt getauft auf den Namen Agilkia. Namensgeber ist eine ägyptische Nil-Insel. 

Das ist der Landeplatz für das Landemodul Philae – vom DLR jetzt getauft auf den Namen Agilkia. Namensgeber ist eine ägyptische Nil-Insel. 

Foto: DLR

Viele weitere der rund 8300 eingereichten Vorschläge stammen ebenfalls aus der ägyptischen Mythologie. Bigeh, Osiris, Kemet und Memphis gehörten zu den oft genannten Namen. Auch Abydos, mit gerade einmal einem Punkt Rückstand zweitplatzierter Name im Wettbewerb, ist altägyptischen Ursprungs und der Name einer antiken Stadt am Nil. Die Vorschläge, die der Jury auf den Tisch geflattert waren, sind so vielfältig wie fantasievoll. So habe es laut DLR eine Menge Eigenkreationen gegeben, zum Beispiel Philandujah – eine Kreuzung aus Philae und Hallelujah –, Philaedelphia und Valojota, das Tal des griechischen Buchstabens Jota. 

Landeplatz ist kein idyllischer Ort

Auch Anleihen an die Literatur seien beliebt gewesen: In einem Vergleich hatte jemand Moby Dick vorgeschlagen: Schließlich werde sich Philae mit Harpunen auf dem Kometen verankern, und auch der Wal sei mit Harpunen beschossen worden. Andere Überlegungen bezogen sich auf die Raumfahrtgeschichte; hier waren „Meer der Ruhe II“ in Anlehnung an den Landeplatz der Mondfähre oder Eagle als Hommage an die Mondfähre in der Ziehung. Einen Schritt auf fiktive Außerirdische zu machte der Befürworter des Namens Qapla für den Landeplatz. Dabei handelt es sich um das klingonische Wort für Erfolg – eine durchaus naheliegende Entlehnung aus der Science-Fiction-Serie Star Trek. 

Doch bedeutungsschwerer Name hin oder her: Idyllisch wird Agilkia definitiv nicht sein. Zwar ist der Platz auf dem Kopf des an eine Gummiente erinnernden Himmelskörpers selbst abwechslungsreich, aber nicht zu zerklüftet, relativ flach und von der Sonne zumindest einigermaßen gut beleuchtet. Doch insgesamt ist es auf 67P/Tschurjumov-Gerasimenko ganz schön finster: Gerade einmal vier Prozent des einfallenden Lichts reflektiert die Oberfläche des Kometen, der somit die Farbe eines Stücks Kohle hat. Außerdem müffelt es: Tschuris Gashülle, bestehend aus Schwefelwasserstoff, Ammoniak und Formaldehyd, lässt ihn nach einer Mischung aus Pferdeurin und faulen Eiern stinken – und es wird nicht besser. Je näher der Komet der Sonne kommt, desto stärker werden die Ausdünstungen. 

Philae beginnt direkt nach der Landung mit der Arbeit

Das Kontrollzentrum in Darmstadt kann also vom Glück sagen, dass weder Philae noch Rosetta Gerüche übertragen können. Bilder und andere Signale dafür umso besser: Wenn alles gutgeht, Philae nach 22,5 Kilometern freiem, durch die geringe Schwerkraft aber sanftem Fall wie geplant aufsetzt und nicht daneben springt oder an irgendwelchen Felsbrocken scheitert, kommt knapp 30 Minuten später die erste Livemeldung von der Oberfläche des Himmelkörpers an der Bodenstation an. Schneller geht es wegen der immensen Entfernung zur Erde nicht. Dann legt das Minilabor auch direkt los und beginnt mit der Untersuchung der Oberfläche, der Koma genannten Molekülhülle und der Bodenschichten unterhalb der Kruste.

Die Spannung beim Projektteam ist ebenso wie die Vorfreude immens. Wer will, kann das historische Unterfangen per Livestream auf der Homepage des DLR verfolgen. Doch selbst, wenn das Manöver doch schief gehen sollte: Die Sonde Rosetta wird den Kometen so oder so bis August 2015 weiter begleiten und fleißig Daten zur Erde funken. 

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