Mission Rosetta 22.07.2015, 13:28 Uhr

Philae reagiert derzeit nicht auf Kontaktversuche

Mit allen Tricks und Kniffen versuchen DLR-Wissenschaftler den Kometen-Lander Philae dazu zu bewegen, den vor knapp zwei Wochen abgerissenen Kontakt wieder aufzunehmen. Möglicherweise hat Philae sich bewegt und dadurch seine Antenne anders ausgerichtet. Am Bodenmodell proben die Ingenieure neue Kommandos.

Am 9. Juli 2015 nahm die Navigationskamera von Orbiter Rosetta den Kometen Churyumov-Gerasimenko, kurz Tschuri, aus 154 km Entfernung auf. Derzeit besteht kein Funkkontakt zum Lander Philae.

Am 9. Juli 2015 nahm die Navigationskamera von Orbiter Rosetta den Kometen Churyumov-Gerasimenko, kurz Tschuri, aus 154 km Entfernung auf. Derzeit besteht kein Funkkontakt zum Lander Philae.

Foto: ESA/Rosetta/Navcam

Seit dem 9. Juli 2015 schweigt Philae. Der Kontakt zum Team im Lander-Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist abgerissen. „Auf unser gesendetes Kommando, das Instrument ROMAP einzuschalten, hat er noch nicht geantwortet“, sagt Philae-Projektleiter Stephan Ulamec.

Jetzt testen die Ingenieure an einem baugleichen Modell verschiedene Kommandos, mit denen sie Philae aktivieren und optimieren wollen. „Wir haben in den bisher empfangenen Daten auch Anzeichen dafür, dass Philae sich bewegt haben könnte und seine Antenne dadurch womöglich mehr verdeckt oder anders ausgerichtet ist“, so Ulamec.

Eventuell hat sich Philae durch Gasausstöße des Kometen bewegt

In den Daten, die Philae bisher über seinen Zustand auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko schickte, übermittelt der Lander auch Informationen über die Sonneneinstrahlung auf seinen Sonnenpaneelen. „Und dieses Profil – auf welche Paneele wieviel Sonne trifft – hat sich von Juni zu Juli deutlich verändert“, sagt Ulamec. „Das lässt sich nicht nur mit dem Verlauf der Jahreszeiten auf dem Kometen erklären.“ Der Lander könnte beispielsweise durch Gasausstöße des erwachenden Kometen seine Position verändert haben.

Nach einer holprigen Landung am 12. November 2014 landete Philae schließlich an einem Kraterrand in unebenem Gelände. Schon eine leichte Veränderung seiner Position könnte deshalb auch bedeuten, dass seine Antenne auf der Oberseite nun durch Objekte stärker verdeckt wird, was Auswirkungen auf die Kommunikation hätte.

Möglich ist auch, dass nicht nur eine der beiden Empfangseinheiten des Landers beschädigt ist, sondern auch eine der beiden Sendeeinheiten fehlerhaft arbeitet. Allerdings ist Philae darauf programmiert, in regelmäßigen Abständen zwischen beiden Sendeeinheiten hin und her zu schalten. Das könnte erklären, warum die Kontakte so unregelmäßig sind. Mit ihrem Bodenmodell haben die DLR-Ingenieure deshalb ein Kommando getestet, das Philae nur mit dem funktionierenden Sender arbeiten lässt.

Ingenieure wollen Notfallprogramm noch einmal aktivieren

Außerdem erproben die Wissenschaftler gerade an ihrem Bodenmodell von Philae, ob es möglich ist, ein Arbeitspaket auf dem Lander zu aktivieren, das bereits nach der Landung erfolgreich ausgeführt worden und bei Philae noch gespeichert ist. Damals hatte das Team den Lander mit einer Art Notfallprogramm versorgt, damit dieser während einer Zeit ohne Kommunikationsmöglichkeiten dennoch fünf Instrumente in Betrieb nehmen konnte.

An einem Modell von Lander Philae am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testen Ingenieure des DLR-Lander-Kontrollzentrums neue Kommandos für Philae.

An einem Modell von Lander Philae am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testen Ingenieure des DLR-Lander-Kontrollzentrums neue Kommandos für Philae.

Foto: DLR

„Mit diesem Arbeitspaket werden mit der Thermalsonde MUPUS Temperaturmessungen durchgeführt, ROMAP und SESAME messen, und PTOLEMY und COSAC forschen im Schnüffelmodus“, sagt Ulamec. Alle diese Instrumente brauchen keine weiteren detaillierten Kommandos, sondern das gespeicherte Arbeitspaket muss nur abgerufen werden. Sollte die Idee funktionieren, würde Philae nach dem Einschalten mit wissenschaftlichen Messungen beginnen und die Daten in einem nächsten Schritt zur Erde senden.

Der Komet erwacht und verstärkt seine Gas- und Staubausstöße

Noch bis zum 24. Juli 2015 richtet sich Orbiter Rosetta nach den Ansprüchen des Landers aus und fliegt eine Bahn, die für die Kommunikation der beiden miteinander günstig ist. Anschließend wird Rosetta mit seinen elf Instrumenten an Bord über die südliche Hemisphäre des Kometen fliegen, die nun zunehmend von der Sonne angestrahlt wird.

Durch die zunehmende Aktivität von Churyumov-Gerasimenko mit seinen Gas- und Staubausstößen kann Rosetta nicht zu dicht über der Kometenoberfläche fliegen. Der Orbiter fliegt deshalb in einem sichereren Abstand von 170 bis 190 km. Aufgeben will das Lander-Team des DLR Philae aber noch nicht und versucht weiter mit Philae Kontakt zu bekommen. „Er ist offensichtlich noch funktionsfähig, denn er schickt uns immer wieder Daten, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und zu überraschenden Zeitpunkten“, sagt Ulamec. 

Von Gudrun von Schoenebeck Tags:

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