Luftfahrt 06.11.1998, 17:19 Uhr

Nichts bleibt mehr dem Zufall überlassen

die Verhinderung einer möglichen Rauchausbreitung mit Mitteln gebäudetechnischer Einrichtungen.

Die Brandkatastrophe im Frühjahr 1996 auf dem Düsseldorfer Flughafen hat mit drastischer Deutlichkeit gezeigt, wo in Großkomplexen die Schwachstellen des Brandschutzes liegen und wo dringender Handlungsbedarf angezeigt ist. Ein entscheidender Punkt sind dabei die unausgeschöpften Möglichkeiten der Vorbeugung in den klima- und entlüftungstechnischen Einrichtungen. Eine der Maßnahmen auf dem Düsseldorfer Flughafen: Im Bereich einer gläsernen Dachgaube des Flugsteigs A wurden leistungsfähige Rauchabzugsventilatoren installiert. Brandschutzklappen, Sprinkleranlagen, Prall-Luftdurchlässe, ineinandergreifende ausgeklügelte Entrauchungskonzepte fügen sich zu einem geschlossenen System, die Großräume binnen kürzester Zeit über Entrauchungsventilatoren rauchfrei bekommen. „Mit der Installation allein ist es aber nicht getan,“ warnt Günther Mertz. Der Geschäftsführer des Fachinstituts Gebäude-Klima e. V., Bietigheim-Bissingen, bemängelt, daß brandschutztechnische Einrichtungen in vielen öffentlichen Gebäuden nicht richtig gewartet werden. Für den Flughafen Düsseldorf hat der Wuppertaler Brandschutzexperte Prof. Wolfram Klingsch gemeinsam mit einem zehnköpfigen Spezialistenteam ein auf den Terminal A zugeschnittenes Brandschutzkonzept entwickelt, das nun für Aufsehen sorgt. Von 34 durch die Stiftung Warentest unter die Lupe genommenen europäischen Airports liegt mit Düsseldorf mit „gut“ unter der Spitzengruppe. Zudem habe das Notfallmanagement auch den Härtetest einer Evakuierungsübung unter laufendem Betrieb bestanden, wie Prof. Rüdiger Detzer – ROM-Zentrale, Hamburg – herausstellt. In einer Modellstudie hat er das Brandszenario in einem verkleinerten Gebäudemodell unter Beachtung geometrischer und physikalischer Ähnlichkeitsgesetze nachgebildet. „Unter diesen Gesetzmäßigkeiten haben sich die im Modell gewonnenen Erkenntnisse mit hoher Genauigkeit auf das Originalgebäude übertragen lassen,“ erläutert Detzler. Optimierte Dimensionierungen brandschutztechnischer Einrichtungen, führten überdies zu Kosteneinsparungen für den Bauherrn. Das Entrauchungskonzept umfaßt Brandszenarien in der großen Abflughalle, in den Ankunftsbereichen mit Gepäckausgabe, in den Ladenzonen und im Check-in-Bereich. Dabei wurden erstmalig die Prinzipien der Direkterfassung von Rauchgasen in der Nähe der Brandherde angewandt. Man setzt dazu ein Strömungsprinzip ein, das den in der Natur auftretenden Wirbelströmen nachempfunden ist. Detzer: „Die hohe Umfangsgeschwindigkeit um das Zentrum des rotierenden Drallfeldes läßt ein Unterdruckgebiet entstehen, das über die gesamte Absauganlage gleichbleibend mit keiner sonstigen Einrichtung zu erreichen ist.“ Das Zusammenspiel von Luftleitsystem und Brandschutzklappen, die strikte Verwendung nicht-brennbarer Einschubrahmen direkt vor die Massivwände, sekundenschnelles Abschotten der Räume und eingriffsbereite Transparenz peilen den höheren Sicherheitsgrad an. Nichts soll im Brandschutz mehr dem Zufall überlassen bleiben, jeder Handgriff, jeder automatisierte Ablauf muß sitzen. Dipl.-Ing. Heinrich Dammers, Gebr. Trox in Neukirchen-Vluyn, hält einen Brandfall wie 1996 auf dem Düsseldorfer Airport heute „für so gut wie ausgeschlossen“. Für Brandschutzklappen und Rauchmelder habe man spezielle Lon-Bus-Koppler entwickelt. Mit einer zentralen Ansteuerung der Klappenstellantriebe könnten damit Funktionsprüfungen einfach durchgeführt, Störungen frühzeitig erkannt und erforderliche Wartungsarbeiten rechtzeitig begonnen werden. Rauchmelder und Brandschutzklappen ließen sich in das Bus-System integrieren. Großflächige Brände sind damit für Dr.-Ing. Bernd Schulitz, Ingenieurgesellschaft Kruck, Mülheim/R., auf dem Düsseldorfer Airport gar nicht mehr vorstellbar. Über ein lokales Zündeln in Papierkörben, in Taschen, Koffern, Ausstellungsstücken und Möbel hinaus lauern keine zählbaren Brandlasten mehr. Wieviel Aufwand das Airport-Management betrieben hat, wird an zwei simplen Zahlen deutlich: 99 % des Brand-Gefährdungspotentials wurde konsequent ausgeschlossen, und die millionenschwer installierte Sicherheitstechnik konzentriert sich auf das restliche eine Prozent. Mit Händen zu greifen ist die neue Sicherheits-Philosophie auf dem Dach des Flugsteigs A. Dort bringt eine gläserne Dachgaube Tageslicht in die Abflugebene, sie dient aber gleichzeitig als Rauchauffang-Volumen für die Entrauchung der Halle. Rechts und links des Doms sind voluminöse Entrauchungs-Ventilatoren angebracht, die im Brandfall absaugen. Beim Testlauf lief alles glatt. So war bei einem vorgegebenen Brand der Rauch binnen einer Viertelstunde abgesaugt, und die Evakuierung innerhalb von fünf Minuten abgeschlossen. Der Geschäftsführer des Fachinstituts Gebäude-Klima resümiert: „Die Kombination aus Brandfrüherkennung und automatischer Ansteuerung der Entrauchung ist in Düsseldorf auf den Punkt gebracht.“
K. NIEHÖRSTER

Von K. Niehörster

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