IXV SOLL WIEDERVERWENDBAR SEIN 11.02.2015, 13:31 Uhr

Neuer ESA-Raumtransporter im Härtetest

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA schickt heute erstmals ihren Raumtransporter IXV ins All – und hofft, dass er nach kurzem Flug heil zurückkehrt. Dann könnte er irgendwann auch Astronauten zur ISS bringen und von dort abholen.

Die Trägerrakete Vega VVO4 mit dem Raumtransporter<strong> </strong>IXV an Bord wartet am Raumbahnhof in Kourou in Französisch-Guyana auf das Startsignal. 

Die Trägerrakete Vega VVO4 mit dem Raumtransporter IXV an Bord wartet am Raumbahnhof in Kourou in Französisch-Guyana auf das Startsignal. 

Foto: M.Pedoussaut/ESA

Es ist der Härtetest für das „Intermediate eXperimental Vehicle“ der ESA. Heute um 14 Uhr soll der Raumtransporter von Kourou in Französisch-Guyana auf eine Umlaufbahn um die Erde geschossen werden, um 100 Minuten später wieder heil an einer präzise vorberechneten Stelle im Pazifik zu landen. „IXV“ steht für die Hoffnung der Europäer, ein eigenes wiederverwendbares Transportmittel für Missionen unter anderem zur Internationalen Raumstation zu bekommen. Eines, das sich so sicher steuern und kontrollieren lässt, dass man ihm nicht nur Material, sondern auch Menschen anvertrauen kann.

Auf den Winkel kommt es an

Nach der Wasserung um 15.40 Uhr mitteleuropäischer Zeit soll ein Spezialschiff den Transporter aufnehmen. Etwa sechs Wochen später will die ESA ihre Analysen abgeschlossen haben und wissen, wie ausgereift IXV ist.

Bis dahin kann noch einiges schief gehen. Vor allem der Winkel, in dem der Transporter in die Atmosphäre eintaucht, ist wichtig: Ist er zu steil, dann wird er verglühen, weil die Hitze dann weit über die 1700 Grad Celsius steigen kann, für die der Hitzeschild ausgelegt ist. Ist er zu flach, wird er den Landepunkt verfehlen.

Die Aufnahme des Raumtransporters nach der Wasserung durch ein Spezialschiff wurde im Sommer vergangenen Jahres mit einem Prototypen geübt.

Die Aufnahme des Raumtransporters nach der Wasserung durch ein Spezialschiff wurde im Sommer vergangenen Jahres mit einem Prototypen geübt.

Quelle: Neri/ESA

Es sind also vor allem Sicherheitseinrichtungen, die hier erstmals einem Härtetest unterzogen werden. 320 Kilometer über der Erde soll sich IXV von der Vega-Rakete lösen, dann noch auf 450 Kilometer steigen und schließlich den Landeanflug einleiten.

Entwicklung begann vor 17 Jahren

IXV ist rund fünf Meter lang, knapp zwei Tonnen schwer und mit mehr als 300 Messfühlern für die Datensammlung während des Fluges ausgestattet. Die ESA setzt große Erwartungen in die Technik, denn die zigarrenähnliche Form ohne Flügel bietet eine Reihe von Vorteilen: Sie ist besser manövrierbar als eine Kapsel und zugleich leichter und viel billiger als eine Raumfähre mit Tragflächen.

Der experimentelle Weltraumflieger IXV. Er wird mit einer Vega-Rakete ins All geschossen. Und soll unbeschadet wieder auf die Erde zurückkehren. 

Der experimentelle Weltraumflieger IXV. Er wird mit einer Vega-Rakete ins All geschossen. Und soll unbeschadet wieder auf die Erde zurückkehren. 

Quelle: M. Pedoussaut/ESA

Bis zum praktischen Einsatz ist es allerdings noch ein weiter Weg – und die Entwicklung dauert schon viele Jahre. 1998 wurde erstmals ein Prototyp für einen Raumtransporter getestet, 2002 begann dann die Entwicklung von IXV, bei der mehrere Staaten zusammenarbeiten. Ziel ist unter anderem, für den Transport von und zur ISS unabhängig von Russland zur werden, nachdem das Spaceshuttle-Programm der USA vor vier Jahren ausgelaufen ist. Die NASA setzt ihrerseits auf private Anbieter für den Reiseservice und hat kürzlich einen entsprechenden Auftrag an Boeing vergeben. 

Neue Materialien im Einsatz

Jetzt müssen zahlreiche Eigenschaften von IXV getestet werden. Beispielsweise will die ESA besser die thermodynamischen Phänomene verstehen, die bei hohen Temperaturen entstehen und das aerodynamische Verhalten eines solchen Körpers verändern. Die Entwickler verwenden zudem eine Reihe neuer Materialien vor allem für den Hitzeschild, mit denen es noch wenig Erfahrungen gibt, darunter Keramik-Verbindungen und solche auf Silikonbasis.

Die Tests dieser Materialien könnten für viele Anwendungen nützlich sein, verspricht die ESA. Neue, extreme stabile und zugleich leichte Komponenten für Flugzeuge seien ebenso denkbar wie verbesserte Keramik-Bremssysteme etwa für Autos. Auch für die Entwicklung künftiger Generationen von Satelliten sei die Mission von Bedeutung.

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

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