Luftfahrt 15.12.2006, 19:25 Uhr

Preiskampf zwischen Airlines zu erwarten

Regionale Flüge waren die erste Etappe der Low Cost Carrier (LCC). Jetzt werden aber auch die Fernverbindungen für die Billigflieger attraktiv. Und Flugzeughersteller wie Boeing helfen den Start-ups, ins Geschäft zu kommen. Wie es aussieht, gibt der Erfolg ihnen dabei Recht.

Für James McNerney ist der Trend stabil. „Dass die Low Cost Carrier ihr Angebot jetzt auf Langstreckenflüge ausweiten, liegt in der Logik der Branchenentwicklung“, so der CEO von Boeing vor kurzem in Hongkong. „Wir jedenfalls begrüßen das und wir haben mit unseren Jets für sie das maßgeschneiderte Angebot.“

Nicht nur das. Boeing stand auch der Gründung von Oasis Hongkong Airlines beratend zur Seite, die am 26. Oktober mit einem Billigflug von der fernöstlichen Finanz- und Handelsmetropole Hongkong nach London Gatwick das Tor der Ära der Langstreckenflüge bei den Billigfliegern aufstieß.

Was folgt nach London? Firmengründer Raymond und Priscilla Lee nennen Köln, Berlin und Mailand als weitere Planziele. 2008 soll Deutschland angeflogen werden. Dann folgen Zürich, Wien und später auch Paris.

Hinter Oasis stehen namhafte Banken, darunter auch die Deutsche Bank. Seit dem Jungfernflug sind die beiden Boeing 747 der Oasis voll. Raymond Lee: „Wir hatten eine Auslastung um die 80%.“

Die Konkurrenz kontert derzeit weniger mit billigen Preisen, sondern hebt ihren Service hervor. Das beeindruckt die Lees nicht. Für Getränke wie Wein oder Scotch muss zwar gezahlt werden, doch die Passagiere, die für den Einzelflug umgerechnet 97 € ausgeben, stört das kaum.

Raymond Lees Team erwägt sogar eine Beschleunigung der Expansion. In vier, fünf Jahren könnte Oasis mit 25 Maschinen den eurasischen und transpazifischen Himmel bevölkern: Bereits im kommenden Frühjahr stehen erste Flüge nach Nordamerika, nach Oakland und Vancouver in Kanada auf dem Programm.

Die Konkurrenz beobachtet die Oasis-Erfolge mit einigem Respekt, denn mit Stephen Miller sitzt ein Top-Profi als CEO an der Spitze. Er hat einst Hongkongs erfolgreiche Dragonair gegründet und ganz nach oben gebracht.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Die MKW Capital, JFT Holdings und auch die Huo Group stiegen als Investoren bei der neuen Billiglinie Viva Macau ein, die ab Mitte Dezember zu Minipreisen ab 80 € nach Phuket in Thailand fliegt. MKW, JFT und die Huo Group haben langjährige Erfahrungen mit Investitionen im Tourismus-Sektor.

Macau ist als Basis für LCC in der Region deshalb interessant, weil die dortigen Flughafenkosten gut 25 % unter denen Hongkongs liegen.

Nach Thailand will Viva Macao Flüge zu den Malediven, nach Ho Chi Minh City, Dubai, Sidney, Singapur und einigen Städten in Japan anbieten. 500 000 Passagiere will Viva bereits im ersten Jahr preisgünstig von und nach Macau transportieren und damit nach CEO Andrew Pyne schon 2007 eine zumindest ausgeglichene operationelle Bilanz vorweisen.

Pyne setzt neben den Bewohnern der einstigen portugiesischen Kolonie auf Interessenten aus Hongkong sowie aus dem benachbarten Guangdong, der reichsten Provinz Chinas.

Auch anderswo in Asien geben die Billig-Airlines Gas. Airblue, die mit sechs Jets derzeit sechs Städte in Pakistan anfliegt, ist auch im Dubai-Geschäft und plant zudem Flüge nach London. JetStar Asia in Singapur, die eine Allianz mit der australischen Quantas eingegangen ist, fliegt seit Ende November von Melbourne nach Bangkok. Weitere, für das kommende Jahr angepeilte Ziele sind Honolulu, Osaka, Nagoya, Bali und Phuket.

Singapurs andere Low Cost Airline – Tiger Airways -, die Tickets nach Kuala Lumpur anbietet, welche noch unter den Busfahrpreisen liegen, schaut interessiert nach Indien.

One-to-Go, Nok Air und AsiaAir aus Thailand arbeiten ebenfalls an Langstreckendiensten. Die kanadische Zoom fliegt zwischen Glasgow, London, Paris, Vancouver, Ottawa und Toronto.

„Es ist erstaunlich, wie rasch die Dinge in Bewegung gekommen sind“, kommentiert Raymond Lee diese Entwicklung.

Die Lufthansa und deren Tochter Swiss International zählen zu den aufmerksamen Beobachtern dieser Entwicklung in Asien. „Wir haben keine Wahl als uns anzupassen“, meint Emily Chaw, Marketingchefin der Swiss in Hongkong. „Aber wenn Oasis in die Schweiz fliegt, sind vor allem Touristen an Bord. Wir konzentrieren uns dagegen auf die Geschäftsreisenden. Auch unsere Maschinen sind voll, wir fliegen immerhin einmal am Tag nach Zürich.“ Die Logik der Lufthansa ist ähnlich. Auch hier ist man vorbereitet.

Aber unter dem Strich stimmt Chaw Mark Palives zu. Wie in Europa gebe es Chancen für eine akzeptable Koexistenz der traditionellen Airlines mit den LCC, meinte der Vertriebschef der British Airways im fernöstlichen und pazifischen Raum.

Andrew Pyne von der Viva Macau ist da misstrauischer. Er erwartet einen mörderischen Preiskampf mit den großen Airlines zumindest für einige Zeit – sowohl beim Personen- wie beim Frachttransport, der um die 20 % der Einnahmen bringen soll.

Pyne wie Oasis wollen sich darauf durch Allianzen mit anderen LCC vorbereiten, die regionale Billigflieger mit Langstreckenfliegern zusammenbringen. Emily Chaw: „Wird das ein Businessmodell, könnte es für eine ganze Reihe traditioneller Airlines sehr heiß werden.“

 

Ein Beitrag von:

  • Jan Höhn

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