Test mit „fliegender Untertasse“ 01.07.2014, 14:12 Uhr

NASA: „Wir sind auf dem Weg zum Mars ein Stück weiter gekommen“

Die NASA hat erstmals ihr neues Bremssystem für Marsflüge getestet. Dafür ließen die Raumfahrtexperten eine spezielle Kapsel aus 55 Kilometern Höhe zurück zur Erde gleiten. Trotz einer Panne beim Auslösen des Fallschirms ist amerikanische Raumfahrtbehörde höchst zufrieden mit dem Ergebnis. 

Die "Fliegende Untertasse" der NASA an Bord des Bergungsschiffes.

Die "Fliegende Untertasse" der NASA an Bord des Bergungsschiffes.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Es ist nicht alles glatt gelaufen beim Test des neuen Landesystems für zukünftige Marsflüge, der am Wochenende über Hawaii stattgefunden hat. So hat zwar der Airbag ausgelöst, aber der 33-Meter-Fallschirm öffnete sich nicht ganz reibungslos. Trotzdem – der Testflug der NASA-eigenen fliegenden Untertasse  „Low-Density Supersonic Decelerator“ (Ultraschall-Verzögerer mit geringer Dichte, kurz LDSD) war aus Sicht der Raumfahrtbehörde dennoch ein voller Erfolg. „Wir sind auf dem Weg zum Mars ein Stück weitergekommen“, unterstreicht Projektleiter Mark Adler: „Das Experiment war ein 100-prozentiger Gewinn!“

Riesenfallschirm und Kevlar-Airbag für Marstransporte

Zur Erinnerung: Die NASA hat einen riesigen Fallschirm entwickelt, mit dem bei der Marsbesiedelung in nicht allzu ferner Zukunft schwere Lasten und sogar Menschen sicher auf dem Roten Planeten abgesetzt werden können. Die bisher auf dem Mars verwendete rund 40 Jahre alte Bremstechnik, wie sie noch 2012 zum Beispiel für das Absetzen des Mars-Rovers Curiosity verwendet wurde, reicht für größere Lasten nicht mehr aus. Um den neuen Riesenfallschirm gemeinsam mit einem ebenfalls speziell entwickelten Landeairbag aus Kevlar zu testen, baute die NASA den an eine fliegende Untertasse erinnernden LDSD, um ihn Anfang Juni erstmals aus der marsähnlichen Atmosphäre in 55.000 Metern Höhe über der Erde zu Boden gleiten zu lassen.

Künstlerische Darstellung des Testflugs.

Künstlerische Darstellung des Testflugs.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Nach mehreren wetterbedingten Verzögerungen um insgesamt drei Wochen war es jetzt soweit: Per Heliumballon mit einem Volumen von über 1,2 Millionen Kubikmetern Inhalt schickten die Raumfahrtexperten die Testkapsel in 36.600 Meter Höhe, und von dort aus trugen sie kleine eingebaute Raketen mit vierfacher Schallgeschwindigkeit weiter auf 54.900 Meter: Hier ist die Atmosphäre mit Marsbedingungen vergleichbar. Dann koppelte sich der LDSD ab, um vom Fallschirm gebremst sanft zu Boden zu schweben – so die Idealvorstellung.

„Wir testen, um zu lernen“

Das klappte auch, zumindest zum Teil: Rund 30 Minuten nach dem erfolgreichen Abkoppeln tauchte die Kapsel bei Hawaii in den Pazifik. Allerdings deutlich heftiger als geplant: Während sich der Airbag wie gewünscht aufblies, konnte sich der Fallschirm nicht komplett entfalten.

Die Grafik zeigt den Ablaufplan des NASA-Tests. 

Die Grafik zeigt den Ablaufplan des NASA-Tests. 

Foto: NASA/JPL-Caltech

Somit hatte die Kapsel bei ihrem Aufprall auf dem Wasser noch eine Geschwindigkeit von 40 bis 50 Kilometern in der Stunde. Trotzdem: Die Kapsel ist intakt, und die NASA freut sich über die gewonnenen Erkenntnisse. „Wir testen, um zu lernen“, so Projektleiter Adler. Mit einem reibungslosen Ablauf hatte sowieso niemand ernsthaft gerechnet: „So lange ich Daten bekomme, bin ich froh“, hatte er schon im Vorfeld betont.

Weiter geht’s im nächsten Jahr: Dann sind zwei weitere Testflüge für die fliegende Untertasse der NASA geplant. 

Von Judith Bexten Tags:

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