Raumfahrt 25.02.2000, 17:24 Uhr

Nach elf Tagen sicher gelandet

Mit einem neuen Bild der Erde kehrten die Astronauten der Endeavour, darunter der Deutsche Gerhard Thiele, jetzt zurück. Mit diesem Erfolg gelang es der Nasa, in der Raumfahrt wieder Boden gut zu machen.

Die Veranstalter können sich vor Freude kaum fassen: „Es ist wirklich schwierig zu begreifen, was wir jetzt erreicht haben. Es ist einfach herrlich,“ jubelte etwa Ernest Paylor von der Nasa in Washington. Und sein Chef, der Direktor der Weltraumbehörde, Daniel Goldin, fügte hinzu: „Diese Mission war eine der anspruchsvollsten, die wir je unternommen haben. Es ist eine schier unglaubliche Technologie zum Einsatz gekommen.“ Auch bei der zu DaimlerChrysler gehörenden Dornier Satellitensysteme (DSS) sprach man von einem „überaus großen Erfolg“.
Tatsächlich ist es der Nasa gelungen, mit ihrem in den Morgenstunden des 23. Februars zu Ende gegangenen Unternehmen SRTM (Shuttle Radar Topography Mission) viel Terrain – das im letzten Jahr mit zwei verschossenen Marssonden und anderen Rückschlägen verloren gegangen war – wieder gut zu machen. Dabei sah es am Anfang gar nicht so aus, als ob das Ziel des Unternehmens, die Erstellung einer dreidimensionalen, digitalen, topographischen Weltkarte von bislang unerreichter Präzision, auf Anhieb gelingen würde. So verschob sich schon der Start aufgrund immer neuer Schwierigkeiten um fünf Monate.
Auch zog die Nasa monatelang alle möglichen Probleme ins Kalkül, die mit dem Ausfahren eines 60 m langen Mastes aus der Raumfähre Endeavour in Verbindung gebracht werden konnten. Immerhin war nie zuvor eine derart große, starre Struktur im Weltraum errichtet worden. Selbst die russische Raumstation Mir hat nur eine Länge von etwa 33 m.
Dann gelang im Weltraum zwar das Ausfahren des Mastes zur großen Erleichterung aller Beteiligten in nur 17 Minuten. Doch alsbald stellte sich ein Problem ein. Ein Dämpfungssystem, mit dem Schwankungen des Mastes ausgeglichen werden sollten, funktionierte nicht richtig. Ein schwankender Mast aber hätte die ganze Mission scheitern lassen müssen. Denn an seiner Spitze saß ein 350 kg schweres Radargerät. Ein zweites, erheblich größeres und 12 t schweres Radargerät war im offen stehenden Frachtraum des Shuttle untergebracht.
Nun sollte das Hauptradar Mikrowellen zur Erdoberfläche schicken. Ihr Echo mussten dann die beiden Radargeräte gleichermaßen empfangen. Durch die 60 m Abstand zwischen beiden Radars entstand dann ein ganz minimaler Zeitunterschied beim Empfang der zurückgeworfenen Signale, also eine Art von Stereo-Effekt. Und nur aus diesem winzigen Zeitunterschied wurde dann mit komplizierten Rechen- und Korrekturverfahren die jeweilige Geländehöhe des Erdbodens errechnet und ein dreidimensionales Bild aufgebaut.
Dieser Versuchsaufbau zeigt schon, dass jede unkontrollierte Bewegung des Radars an der Mastspitze die gewünschten präzisen Radaraufnahmen zunichte machen musste. Als daher zum Anfang der Mission eine Düse des Dämpfungssystems an der Mastspitze ausfiel, war guter Rat teuer. Die NASA entschloss sich dann, die Lagesteuerdüsen des Shuttle selbst zur Stabilisierung des Mastes einzusetzen – ein Verfahren, das den Treibstoff der Raumfähre vorzeitig aufzubrauchen und damit die Mission zu verkürzen drohte. „Wir haben unsere Bleistifte geschärft und rechneten wie die Verrückten,“ meinte Milt Heflin von der Flugleitung in Houston. Tatsächlich wurden dann neue, Treibstoff sparende Methoden für die Steuerung des Endeavour ausgetüftelt. Auch sonst ließ man die Phantasie spielen. Das ging so weit, dass man sogar neue Empfehlungen für die Toilettenbenutzung an die Mannschaft hinauffunkte.
Der Einfallsreichtum half. Am Ende waren nicht weniger als 113 Mio. km2 der Erdoberfläche dreidimensional erfasst, obwohl durch den Mehrverbrauch an Treibstoff das Aufzeichnen der Radardaten um 13 Stunden gekürzt werden musste. Zwischendurch war auch einmal ein Tape-Rekorder stehen geblieben. Doch durch das Umschalten auf einen anderen Recorder konnte der Datenverlust sehr gering gehalten werden.
„Bei diesem Flug wurden 99,6 % der technisch überhaupt möglichen Datenaufnahmen erreicht,“ freute man sich denn jetzt auch bei der Dornier Satellitensysteme, die das „X-Band Synthetic Aperture Radar“ (Wellenlänge 3,1 cm bei 9,6 GHz) zur Mission beigesteuert hatte, das von dem deutschen Astronauten Gerhard Thiele im All bedient wurde. Das Deutsche Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte die Überwachung des Radars am Boden übernommen. Das Gegenstück, das „Shuttle Imaging Radar-C“ (Wellenlänge 6 cm bei 5,3 GHz) hatten die Amerikaner entwickelt. Es wird jetzt allerdings noch etwa zwei Jahre dauern, bis die gewonnenen 12 Terabytes an Daten – die etwa dem Gehalt von 20 000 CD-ROMs entsprechen – zu der dringend erwarteten neuen digitalen Weltkarte verarbeitet sind. Dabei werden aber die Karten mit der größten Auflösung in Zukunft nur dem amerikanischen Militär zur Verfügung stehen.
„Immer mehr Firmen, Planungsbüros und Umweltorganisationen fragen inzwischen nach diesen Geo-Informationen,“ berichtet unterdessen Klaus Enßlin, Geschäftsführer der DSS. Die Dasa wolle daher jetzt in diesem Umfeld einen neuen Geschäftsbereich eröffnen. Bald solle für die Vermarktung von Geo-Informationen die Firma „Info-Terra“ gegründet werden, die auch einen eigenen Satelliten „TerraSAR“ starten werde. ANATOL JOHANSEN
Esa-Astronaut Gerhard Thiele bringt nach elf Tagen in der Raumfähre Endeavour eine Fülle von Daten mit, aus denen eine digitale, dreidimensionale Weltkarte entstehen soll.

Von Anatol Johansen

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