Luftfahrt 30.01.2009, 19:39 Uhr

Mit neuem Namen in eine unsichere Zukunft  

Anfang Januar wurden drei ehemalige Airbus- und EADS-Werke unter dem Namen Premium Aerotec als 100 %ige Airbus-Tochter zusammengefasst. Langfristiges Ziel von EADS bleibt der Verkauf der neuen Tochter. Die versucht, sich international aufzustellen. VDI nachrichten, Frankfurt/M., 30. 1. 09, moc

Eigentlich hätte alles ganz anders kommen sollen. Eigentlich hätten die zwei ehemaligen Airbuswerke in Nordenham, Varel und der EADS-Standort Augsburg längst verkauft werden sollen an OHB Technology oder den US-Konzern Spirit Aerosystems. Doch die Verhandlungen scheiterten Anfang 2008 – geblieben ist eine Übergangslösung.

Diese Übergangslösung heißt für die nächsten drei Jahre Premium Aerotec. Die EADS fasste die drei Werke in der neuen Tochtergesellschaft zusammen. Drei Jahre, so die Vereinbarung mit den Gewerkschaften, will EADS eine Mehrheit an Premium Aerotec halten.

Doch die nächsten drei Jahre werden schwierig. Das neue Unternehmen muss massiv in neue Technologien investieren und sich auf diese Weise auch auf neue Kunden wie Boeing vorbereiten.

Rund 500 Mio. € wird das Unternehmen nach eigenen Angaben benötigen – der größte Teil wird dafür verwendet, die Werke auf die Produktion von großen Flugzeug-Bauteilen aus Faserverbundwerkstoffen vorzubereiten.

Schließlich wird der Rumpf des neuen Langstrecken-Airbus A350XWB – der 2013 an die ersten Kunden ausgeliefert werden soll – nahezu vollständig aus Kohlefasern bestehen. Und Premium Aerotec soll, obwohl die Verträge noch nicht unterzeichnet sind, große Bauteile liefern: die Rumpfsektionen direkt vor und hinter den Tragflächen.

Zudem muss Premium Aerotec sich auch noch als Firma aus dem EADS-System lösen. Dass die drei Werke keine eigene IT- und Verwaltungsinfrastruktur hatten, war nach Ansicht von Premium Aerotec-Chef Hans Lonsinger ein Hauptgrund dafür, warum der Verkauf an Spirit oder OHB gescheitert ist: „Damals standen drei Produktionsstätten zum Verkauf, keine Firma.“

Nun aber wandelt sich die Luftfahrtindustrie gravierend. Neben dem ehemaligen Boeing-Werk in Wichita/Kansas, das jetzt als Spirit der erste große unabhängige Anbieter für Strukturteile bei Flugzeugen ist, entstehen mit Premium Aerotec und Aerolia (das Unternehmen, in dem die ehemaligen Airbus-Werke in Méaulte und Saint Nazaire zusammengeschlossen sind) zwei weitere Anbieter in dem Segment.

Bei der A350XWB haben die drei das Geschäft weitgehend untereinander aufgeteilt: Aerolia baut die Cockpit-Sektion, Premium Aerotec den vorderen und hinteren Rumpf und Spirit den Rumpfmittelteil.

Strategisch stellt sich allerdings die Frage, ob Aerolia und Premium Aerotec langfristig eine Chance haben gegen den knapp doppelt so großen Rivalen Spirit.

Die insgesamt fünf in beiden Unternehmen zusammengelegten Airbus-Werke wurden vor allem aus politischen Gründen nicht in eine gemeinsame Firma ausgelagert – dies hätte zu den üblichen Debatten geführt, ob nun Deutsche oder Franzosen das Sagen haben sollten. Die Debatte könnte sich aber ab 2011 tatsächlich in Luft auflösen, wenn die EADS-Bindung abläuft und sich möglicherweise der gleiche Käufer für die Aerolia und Premium Aerotec findet.

Premium Aerotec will die Internationalisierung nun so weit wie möglich selbst in die Hand nehmen. Bereits heute existiert ein Produktionsstandort in Rumänien, der laut Lonsinger womöglich ausgebaut werden soll.

Längerfristig steht auch ein Werk in den USA auf der Tagesordnung. Schließlich will sich Premium Aerotec auch für Bauanteile des Nachfolgers der Boeing 737 bewerben. Die ungeschriebenen Regeln des internationalen Geschäfts verlangen dann, dass auch vor Ort eine Produktion errichtet wird. Wenn das ehemalige Boeing-Werk in Wichita den Mittelteil des A350-Rumpfes bauen kann, warum dann nicht das ehemalige Airbus-Werk Nordenham Teile einen Boeing-Rumpfes? JENS FLOTTAU

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